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Zeigen den Schneebruch im Wald bei Krottenhill: Martin Kainz und Silvia Thien vom AELF.

Viel Schadholz in den Wäldern

Nach dem Schnee kommt der Borkenkäfer

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Der nasse, schwere Schnee im Januar hat Spuren in den Wäldern des Schongauer Lands zurückgelassen. Zahlreiche Bäume knickten ab. Stürme richteten weitere Schäden an. Fachleute appellieren, jetzt schnell zu handeln – bevor der Borkenkäfer kommt.

Weilheim-Schongau – Abgebrochene Baumwipfel liegen auf dem Boden, die dazugehörigen Stämme tragen kaum mehr Grün, andere Bäume wurden komplett umgerissen – der nasse Schnee im Januar hat in den Wäldern des Schongauer Landes enorme Schäden hinterlassen. Jetzt, wo die Waldflächen wieder zugänglich sind, zeigt sich das Ausmaß erst richtig.

„Hinzu kamen in den vergangenen Tagen starke Stürme – vor allem an Rosenmontag –, die weitere Schäden verursachten“, erklärt Forstoberinspektorin Silvia Thien beim Gang durch den Wald bei Krottenhill.

Den Schaden genau zu beziffern, fällt schwer. „Wir rechnen mit einigen tausend Kubikmetern Holz im Landkreis“, so Martin Kainz, Abteilungsleiter des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Besonders schwer hat es Höhenlagen zwischen 750 und 900 Meter getroffen, zum Beispiel den Bereich Tannenberg, Krottenhill, Sachsenried.

Schadholz in den Wäldern im Schongauer Land: „Borkenkäfer sitzen bereits in den Startlöchern“

Aber auch in allen anderen Teilen findet sich Schneebruch. „Es gibt kein Waldstück, das nicht betroffen ist“, sagt Kainz. Er weiß, dass viele Waldbesitzer dazu neigen, „das bisschen Brennholz einfach liegen zu lassen“. Es zu verarbeiten und aus dem Wald zu bringen, ist wirtschaftlich kaum rentabel.

Doch was zunächst harmlos aussieht, kann sich zur großen Gefahr entwickeln. „Die Borkenkäfer sitzen bereits in den Startlöchern“, warnt Kainz. Je nach Witterung fliegen sie ab April aus. Befallen sie die Bäume und vermehren sich, droht ein viel höherer Verlust.

Gebiete, die in den vergangenen Jahren von den Käfern befallen waren, sind in Krottenhill noch klar zu erkennen. Die Bäume mussten gefällt werden, wo sie standen, klaffen nun große Lücken.

Um zu verhindern, dass es zu weiteren solcher Borkenkäferschäden kommt, sei es wichtig, vorhandenes Schadholz schnellstmöglich aufzuarbeiten und aus dem Wald zu schaffen, bevor sich die Borkenkäfer darin breit machen und vermehren.

Baumfällarbeiten oft gefährlich

Allerdings sollte sich bei den Fällarbeiten niemand in Gefahr begeben, darauf weisen die Fachleute ausdrücklich hin. Vor allem Wipfel, die noch in den Bäumen hängen, seien nicht zu unterschätzen. „Baumfällarbeiten können da tödlich enden. Deswegen raten wir in diesen Fällen, die Bäume stehen zu lassen“, so Kainz. „Das Menschenleben geht immer vor.“

Der Wipfel ist abgebrochen, hängt aber noch am Baum. Hier sind Fällarbeiten gefährlich.

Ohnehin sei es stets eine Gratwanderung, zu entscheiden, welche Bäume sofort gefällt werden müssen, und welche trotz Schäden stehen bleiben können. Denn besitzt der Restbaum noch ausreichend grüne Äste, kann er sich durchaus noch erholen.

Meist ist das jedoch nicht der Fall, da vor allem dünne Bäume mit einer kleinen Krone vom Schneebruch betroffen sind. Bricht diese ab, bleibt nur noch der abgestorbene Teil des Baumes stehen, der gefällt werden muss.

Auch 2019 wird kein gutes Jahr für Waldbesitzer

Es zeichnet sich bereits ab, dass auch 2019 kein gutes Jahr für Waldbesitzer wird. Schon seit circa fünf Jahren klagen sie über große Verluste. Stürme, zum Beispiel Orkan Niklas im März 2015, richteten enorme Schäden an, hinzu kamen trockene Sommer und Borkenkäferplagen. Zahlreiche Bäume mussten gefällt werden. Der Holzmarkt ist übersättigt, die Preise am Boden.

„Es wird so weitergehen“, ist sich Kainz sicher. Vor allem Fichten, die im Schongauer Land besonders häufig vorkommen, sind anfällig für Schäden, erklärt er. Der Klimawandel bringt weitere Herausforderungen für die Bäume mit sich, die in kälteren Gebieten beheimatet sind.

Die Problematik will Kainz aktiv angehen und andere Baumarten einbringen, stabilere Wälder schaffen. Laubbäume werden allerdings extrem von Rehen verbissen. Damit Laubbäume eine Chance haben, sind unter anderem eine angepasste Jagd zur Kontrolle der Wildbestände nötig, erklärt Silvia Thien.

Wie man andere Bäume einbringt, welche Fördergelder es gibt, und bei Fragen zur Borkenkäferbehandlung helfen Kainz und seine Kollegen gerne weiter.

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