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Die Statistik zeigt es deutlich: Die in Erbenschwang angelieferten Müllmengen steigen kontinuierlich. 2019 wird es noch einmal deutlich mehr.

Neue Gebühren ab 1. Dezember

Sperrmüll-Abgabe an den Wertstoffhöfen wird deutlich teurer -  das ist der Grund

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Auf teils drastische Preiserhöhungen müssen sich Privatleute, vor allem aber Gewerbetreibende ab 1. Dezember an den EVA-Wertstoffhöfen im Landkreis Weilheim-Schongau gefasst machen.

Erbenschwang – Die Auftragsbücher der Gewerbetreibenden im Landkreis Weilheim-Schongau sind prall gefüllt. Es wird gebaut, entrümpelt und saniert, was das Zeug hält. Der Abfall wird dabei nicht weniger, sondern mehr. Eine Statistik der Erbenschwanger Verwertungs- und Abfallentsorgungsgesellschaft (EVA) zeigt es deutlich: Von 2016 bis 2018 stieg die in Erbenschwang angelieferte Menge von Abfall zur energetischen Verwendung (Sperrmüll) sowie Altholz kontinuierlich an. Und heuer geht es noch einmal steil bergauf. Mit knapp 4000 Tonnen Müll zur energetischen Verwertung rechnet Abfallberaterin Claudia Knopp. Zum Vergleich: 2018 waren es noch 3247 Tonnen, die in Erbenschwang angeliefert und später verbrannt wurden. Knopp wundert das nicht: „Mehr Konsum und Wohlstand und die gute Wirtschaftslage bedeuten auch mehr Abfall.“

Lage auf dem Entsorgungsmarkt ist angespannt

Die Kehrseite der Medaille: Die EVA dreht an der Gebührenschraube. Die Lage auf dem Entsorgungsmarkt sei seit geraumer Zeit sehr angespannt, bedauert die Abfallberaterin. „Die Verbrennungskapazitäten sind sehr knapp, das treibt die Preise“, erklärt sie mit Blick auf die oberbayerischen Heiz- und Industriekraftwerke, in denen auch der Sperrmüll aus dem Schongauer Land in Flammen aufgeht.

Mehrere Anliefergebühren werden ab dem 1. Dezember an den Wertstoffhöfen angehoben: Der Mindestbetrag für die Annahme von Altholz (dazu zählen auch Möbelstücke) für Anliefermengen von unter 100 Kilogramm steigt von 5 auf 10 Euro. Wer eine ganze Tonne (1000 Kilogramm) vorbeibringt, zahlt ab dem 1. Dezember 101,15 Euro statt wie bislang 83,30 Euro. Die Preise für die Entsorgung von Flachglas klettern von 66,64 Euro pro Tonne auf 71,40 Euro, der Mindestbetrag beim Altglas bleibt immerhin bei 5 Euro stehen.

Besonders tief in die Tasche greifen müssen ab dem 1. Dezember die Gewerbetreibenden. Die Gebühren für die Annahme von „Abfällen zur Verwertung gewerblicher Herkunft“ steigen von 202,30 Euro pro Tonne auf 255,85 Euro. Zu diesem Müll zählen unter anderem Kunststoffrohre, Folien und Bauabfälle. Aber auch Möbel und Einrichtungen, die Entrümpelungsfirmen nach Erbenschwang bringen oder abholen lassen, fallen darunter.

Entrümpelungsfirmen trifft die Erhöhung, Handwerkerschaft bleibt gelassen

Betroffen ist auch die i+s Pfaffenwinkel GmbH. Die Tochterfirma der Herzogsägmühle beschäftigt Langzeitarbeitslose und Schwerbehinderte, die Häuser und Wohnungen entrümpeln. Möbel, die noch zu gebrauchen sind, werden als Spenden angenommen und in den Gebrauchtmöbelhäusern in Schongau, Weilheim und Penzberg zum Verkauf angeboten. Der Rest wird direkt bei der EVA entsorgt, die Gebühren den Kunden „eins zu eins in Rechnung gestellt“, erläutert i+s-Geschäftsführer Josef Schuh. Bei der Annahme der gespendeten Möbel werde man nach der Gebührenerhöhung genauer hinsehen, kündigt Schuh an. Denn nicht immer findet sich ein Käufer. Das Möbelstück muss dann auf Kosten der i+s in Erbenschwang entsorgt werden. Schuh bedauert das künftige rigidere Vorgehen. „Denn die Kunden erwarten, dass wir möglichst alles annehmen“, sagt er. Man werde daher „sehr sanft“ vorgehen und Gegenstände nur in Einzelfällen abweisen.

Das Verständnis für den Schritt der EVA ist insgesamt groß: „Zur Gebührenerhöhung gibt es unter uns Handwerkern keinen Unmut“, sagt Kreishandwerksmeister Stefan Zirngibl. „Natürlich ist es nie schön, wenn Gebühren erhöht werden, aber wir Handwerker wissen, dass auch die EVA ein betriebswirtschaftlich arbeitendes Unternehmen ist und alle Steigerungen umlegen muss“, so der Weilheimer.

Die Handwerker würden bereits seit Jahren die Minimierung von Abfällen erfolgreich umsetzen, versichert Zirngibl. „Unsere Restmüllmenge ist gering.“ Metallabfälle würden komplett recycelt, ähnliches gelte für Holzabfälle, solange sie nicht mit Farben oder ähnlichem behandelt seien. „Meine Schreiner verwenden Holzabfälle zum Beispiel für die eigene Heizung, ebenso die Zimmerer“, weiß der Kreishandwerkschef. Einzig die Bauunternehmen, also die Maurer hätten „einen nicht unwesentlich erhöhten Entsorgungsaufwand“ für gemischte Bauabfälle oder Dämmmaterial. „Dafür kann aber die EVA nichts, dies liegt an der allgemeinen Gesetzgebung“, so Zirngibl.

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