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Großes Interesse zeigten die Ingenrieder in der vollbesetzten Mehrzweckhalle. Darunter auch Landrätin Andrea Jochner-Weiß (vorn am Mitteltisch).

Bürgerversammlung Ingenried

Sozialer Wohnungsbau und schnelles Internet

Ingenried - Ingenrieds Nachbargemeinde Bidingen liebäugelt mit dem Bau eines dritten Windrads. Das verkündete Bürgermeister Xaver Fichtl bei der diesjährigen Bürgerversammlung.

Rund 100 Ingenrieder und die Gemeinderäte folgten der Einladung in die Mehrzweckhalle, und erfuhren dort alles über abgeschlossene und geplante Projekte ihrer Gemeinde. Darunter auch die Pläne der Nachbarn. Diese würden gerne neben den zwei bestehenden Windrädern in Königsried ein Drittes bauen. „Mir geht das alles ein bisschen zu schnell, und mir wäre es lieber, wenn dieses Projekt nicht verwirklicht würde“, bezog der Bürgermeister klar Stellung. Allerdings: „Ich spreche hier nur für mich, nicht für meinen Gemeinderat.“ Zudem hätte man sowieso wenig Einfluss, da das geplante Bauland auf Bidinger „Hoheitsgebiet“ läge. Eine Infoveranstaltung zu diesem Thema findet am 12. Mai in Bidingen statt.

Dass die Ingenrieder nicht gegen alternative Energien sind, haben sie mit der Beteiligung am interkommunalen Windrad bewiesen. Zu diesem präsentierte Fichtl die ersten aussagekräftigen Zahlen, die nun mit der Ertragsberechnung eines vollständigen Kalenderjahrs (2015) vorliegen. Demnach erbrachte das Windrad eine Leistung von 5843 Megawattstunden und liegt damit im oberen Bereich der Erwartungen. „Das Windrad erweist sich als wirtschaftlich sehr gut, und nach unseren Berechnungen müssten jährlich zwischen 25 000 und 30 000 Euro für den Gemeindehaushalt hängen bleiben.“ Um Strom ging es auch beim Thema „110 kV-Leitung im Gemeindebereich“, die schon bald auf der jetzigen Stromtrasse gebaut werden soll. Mit den Grundstücksbesitzern hat sich Xaver Fichtl geeinigt, dass sogenannte Kompaktmasten, statt bisher Gittermasten, den Strom transportieren sollen. Dies wäre laut Betreibergesellschaft LEW ein Pilotprojekt, das nach Absprache und dem Erstellen von Musterverträgen mit dem Bauernverband realisiert werden soll. „Ich möchte, dass die Entschädigungszahlungen einheitlich sind und nicht jeder seinen eigenen Vertrag aushandelt.“

Informierte die Bürger: Rathauschef Xaver Fichtl.

Ihre eigenen Wege geht die Gemeinde Ingenried allerdings beim sozialen Wohnungsbau. Obwohl sie sich nicht an der Kommunalen Wohnbau GmbH beteiligen wird (wir berichteten), liegt ihr die Bereitstellung bezahlbaren Wohnraums dennoch am Herzen. Bereits seit 2013 beherbergt die Gemeinde als eine der ersten acht Asylbewerber, die, auch dank eines sehr aktiven Helferkreises, bestens integriert sind. Das freute auch Landrätin Andrea Jochner-Weiß, die nicht nur als Gast bei der Bürgerversammlung war, sondern auch einen kurzen Bericht über die Lage im Landkreis gab. Und hier stand das Thema Asyl natürlich ganz oben.

„Dieses Thema hat uns im vergangenen Jahr absolut beherrscht und alle anderen Themen in den Schatten gestellt“, zeigte sie auf, was der Landkreis, aber auch die Kommunen in den letzten Monate zu leisten hatten. Doch warnte sie davor, sich jetzt zurückzulehnen, auch wenn die Lage derzeit etwas entspannter sei, und schwor die Ingenrieder auf einen Schulterschluss ein: „Nur gemeinsam schaffen wir das!“ Man werde auch künftig Wohnraum benötigen, zumal die Gemeinschaftsunterkünfte aufgelöst werden sollen.

Gebaut wird im Herbst erst einmal auf dem „Gewerbegebiet ehemaliger Bahnhof II“. Dort siedelt sich ein metallverarbeitender Betrieb an, der sein Werk von Schweden nach Ingenried verlagert. „Das ist zukunftsweisend und ein Glücksfall für uns. Solche Betriebe bekommt man nicht alle Tage“, freute sich der Bürgermeister. Und damit das nicht der einzige Neubau in diesem Jahr bleibt, investiert die Gemeinde auch heuer wieder kräftig in Baugebietserschließungen: Drei Bauplätze entstehen somit „Am Kalkofen“ und zwei an der „ehemaligen Gärtnerei“.

Viel Geld wird dieses Jahr noch für die Verbesserung der Wasserversorgung und eventuell für den Breitbandausbau in die Hand genommen. Doch auch das sollte für die laut Jochner-Weiß „innovative und vorbildliche Gemeinde“ kein Problem sein.

Christine Wölfle

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