Interaktiver Radlweg startet im Juni

Schongau - Das Projekt „Sachsenrieder Bähnle“ geht in die heiße Phase: Im Schongauer Bauausschuss wurde das letzte noch fragliche Routenstück des Radwegs besprochen.

„Das ist ein tolles Projekt und hat Charme“, sagte Bürgermeister Karl-Heinz Gerbl, nachdem er den Ausführungen von Reinhard Walk und Stefan Storf gelauscht hatte. Walk, Regionalmanager beim Auerbergland, ist eine der treibenden Kräfte des Projekts, und Storf, Geographie-Student aus Sachsenried, hat ihm bei der Datensammlung geholfen. Mit zahlreichen Personen hatte er Kontakt, sichtete alte Fotos und Augenzeugtenberichte über die Strecke, die zwischen 1923 und 1977 bestand und neben dem Holztransport für den Bergbau vor allem Ausflügler anlockte.

Ausflügler sollen auch künftig wieder dort unterwegs sein, allerdings nicht auf Schienen, sondern auf zwei Rädern. Klimaschonendes Radwegangebot, Naturerbe mit Umwelt-Tourismus, Erlebnis-Radroute - das sind Schlagworte für das Projekt, das regionenübergreifend von allen anliegenden Gemeinden (darunter Altenstadt, Schwabsoien, Schwabbruck und Ingenried) und den Landkreisen Weilheim-Schongau und Ostallgäu unterstützt wird.

Die Anforderungen, die der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club für solche Radwege stellt, sind hoch: „Da geht es um die Befahrbarkeit, die Steigungen dürfen nicht zu hoch sein. Die Qualität der Oberfläche muss stimmen, auch Wegweisung, Routenführung und Verkehrsbelastung“, zählte Walk auf. Eingebunden in das überregionale Radwegenmetz, soll es die Route des Sachsenrieder Bähnle auch auswärtige Besucher anlocken.

Dass eine schöne Landschaft allein heutzutage nicht mehr reicht, ist den Organisatoren klar. Deshalb haben sie zahlreiche Ideen für die insgesamt 34 Kilometer lange Strecke entwickelt, die auf 20 Kilometern auf oder direkt neben der originalen Trasse entlangführt. An 24 Erlebnispunkten sollen nicht nur Schilder aufgestellt werden, „es soll auch Spiele für Familien mit Kindern geben, die das Thema Bahn erlebbar machen“, so Storf. Dazu gehören sogenannte Durchblickspanoramen, wo ein Zug quasi auf den früher benutzten Bahndamm projeziert wird - das soll die Vorstellung erleichtern. „Was bedeuten die Signale der Bahn?“, ist ein Spiel, das nicht nur bei Kindern Neugier wecken soll. Wer ein modernes Smartphone besitzt, soll sich ein Video einer Fahrt mit dem „Sachsenrieder Bähnle“ auf dem Handy anschauen können. Und nicht zuletzt sollen die wenigen Reste an alten Schienen oder Schotter präsentiert werden.

Ganz wichtig ist Walk der Service. Dazu gehören radgerechte Rastplätze, für die Bank-Tisch-Kombinationen entworfen wurden, und eine Beschilderung, die dem Radler nicht nur regelmäßig anzeigt, wo er ist, sondern auch, wie weit Kaufbeuren oder Schongau entfernt sind.

Für die Zukunft haben Walk & Co. weitere Pläne, zum Beispiel mit Elektro-Rädern. Doch jetzt muss erst Schritt eins gemacht werden - schon das hat jahrelange Planung erfordert. Gestern haben sich Vertreter aller beteiligten Gemeinden und Landkreise sowie der lokalen Aktionsgruppen Auerbergland-Pfaffenwinkel und Ostallgäu getroffen, die Pläne wurden begrüßt. „Wir sind auch im Kostenrahmen der rund 100 000 Euro geblieben“, freute sich Walk, von der EU gibt es eine 60 Prozent-Förderung. Bereits im Juni soll die neue Radl-Attraktion bereit für Gäste sein.

Boris Forstner

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