Zahlreiche Geschäftsleute und Unternehmer hörten sich im Rathaussaal die Ausführungen der Experten an. Foto: bo

Internet in Schongaus Äußerem Westen: Betriebe fühlen sich "ausgeliefert"

Schongau - Ganz Schongau hat bald schnelles Internet. Ganz Schongau? Ein kleines Industriegebiet im Äußeren Westen ist nicht dabei.

Ganz Schongau hat bald schnelles Internet. Ganz Schongau? Ein kleines Industriegebiet im Äußeren Westen ist nicht dabei. Deshalb hat die Stadt Unternehmer und Netzbetreiber zu einem Informationsgespräch ins Rathaus gebeten - mit teils überraschenden Erkenntnissen.

Mit einer Mischung aus Ungläubigkeit und Schmunzeln starrte Möbelcentrale-Geschäftsführer Markus Strommer auf die Grafik, die Christof Denk von der Firma LEW-Telnet eben per Computer an die Wand des Schongauer Rathaussaals geworfen hat. Dort war eine bereits bestehende Glasfaserleitung eingezeichnet, die quasi mitten durchs Gewerbegebiet führt. „Das ist ja toll, dass die Leitung quasi durch unser Grundstück läuft. Das habe ich nicht gewusst.“

Es war die wohl erstaunlichste Erkenntnis an einem Abend, zu dem die Stadt die Vertreter von insgesamt 18 Gewerbebetrieben im Äußeren Westen eingeladen hat sowie Vertreter von Telekom und LEW-Telnet. Hintergrund: Die Stadt schließt den bisher unterversorgten Westen ans schnelle Internet an - bis zum Herbst soll das im Lerchenfeld und Forchet IV und V umgesetzt sein -, doch kein Anbieter hatte Interesse am Äußeren Westen. Weil die Stadt vor einem halben Jahr bei der Vergabe im Stadtrat der irrtümlichen Meinung war, die Betriebe dort seien bereits gut angebunden, gab es einen Sturm der Entrüstung. Die Stadt beteuerte, das Ausbauprogramm betreffe nur private Haushalte, versprach aber, sich um die Koordination zu kümmern. So kam es zu dem Infoabend.

Michael Hierl vom Telekommunikationsdienstleister IK-T, der für die Stadt die Ausschreibung im Westen geleitet hat, skizzierte noch einmal kurz die Möglichkeiten etwa der Satellitentechnik oder der jüngst versteigerten Fernsehfrequenzen, doch das sei alles kein Vergleich zu den Möglichkeiten des Glasfasers. Ein eigentlich angedachtes staatliches Breitband-Förderprogramm, mit dem auch ein Gebiet wie der Äußere Westen gefördert werden könnte, liegt aber trotz Ankündigungen noch in weiter Ferne. Und ein weiteres Förderprogramm, wo wenigstens die Verlegung von Leerrohren unterstützt wird, sei eher für strukturschwache Gebiete wie den Bayerischen Wald gedacht.

Die Unternehmen müssten sich selbst helfen, so der Tenor von Hierl, der auch die Unterschiede zwischen Privat- und Geschäftskunden skizzierte: Letztere hätten klare Vorteile bei der Verfügbarkeit (Reparaturen), den garantierten Bandbreiten (also kein Stocken im Netz, wenn viele Internet-Nutzer am selben Knoten unterwegs sind) und den symmetrischen Bandbreiten (Hoch- und Herunterladen aus dem Netz geht gleich schnell). „Aber es ist natürlich teurer“, so Hierl.

Das stellte auch Denk von LEW-Telnet klar heraus. „Wir können flexibel zwei bis 100 Megabits und mehr anschließen, da gibt es keine Grenze nach oben. Aber das ist natürlich kein 35-Euro-pro-Monat-Produkt.“ Das kann Strommer bestätigen: Die Möbelcentrale zahlt für magere zwei Megabit pro Monat 300 Euro. „Es geht nicht darum, 20 Euro zu sparen, aber da kommt man schnell in die Tausende“, sagte er. Und das ist für kleinere Unternehmen, die es im Äußeren Westen auch gibt, unbezahlbar, sagte Rene Repper, Vize-Vorsitzender des Handelsverbands Schongau. Und das Rundum-Sorglos-Paket der Telekom, das Hermann Bihler anpries und das auf Kupferleitungs-Basis dank Verstärker immerhin zehn Megabit für mindestens fünf Arbeitsplätze schafft, kostet 695 Euro pro Monat, ein schnellerer Internet-Anschluss allein je nach Geschwindigkeit auch mehrere hundert Euro.

„Je mehr sich zusammentun, desto billiger wird es“, warb Denk bei den Unternehmen. Denn die Tiefbauarbeiten seien das teuerste. Da LEW-Telnet schon ein Glasfaserkabel hat (das derzeit nicht genutzt wird, weil es vor rund zehn Jahren zur Firma Hirschvogel verlegt wurde, das Unternehmen aber auf den „Global Player“ Telekom mit zehn Megabit-Kupferkabel umgestiegen ist), „kann ein Anschluss doch nicht die Welt kosten“, sagte Strommer. Aber er stellte auch fest: „Wir fühlen uns ausgeliefert.“

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