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Spielt den Dorfrichter Adam: Regisseur Helmut Gehlert liegen eher die bösen und dunklen Charaktere.

Großes Theater-Spektakel in Bernbeuren

„Humoristische Figuren interessieren mich nicht“

Bernbeuren – In Bernbeuren führen die Schauspieler der Theatergruppe „Auerkult“ das Stück „D‘r verbrocha Kruag“ auf. Wir stellen in einer kleinen Serie die Hauptdarsteller dieses Stücks vor. Heute: Regisseur Helmut Gehlert (69), genannt „Thaler“.

Welche Rolle spielen Sie in dem Stück?

Helmut Gehlert: Ich spiele den Dorfrichter Adam, eine korrupte, verlogene und bösartige Person, einen hinterlistigen Unsympath, der offensichtlich seine Amtsmacht skrupellos und erpresserisch benützt, um zu einem erotischen Abenteuer zu gelangen. Im Grunde hat die Rolle Adams einen tragisch-komischen Charakter, als Hauptfigur in einem Lustspiel, welches man ebenso gut als Drama bezeichnen könnte. Die Art, wie der Dorfrichter seine unmoralische Verfehlung dummdreist aber auch verzweifelt zu verheimlichen versucht und den Verdacht auf andere lenkt, ist zwar erschreckend, hat aber auch ein hohes Maß an Komik. Adam ist eine Figur, die den Machtmissbrauch, auch den der heutigen Zeit, symbolisiert. Sein Verhalten erinnert an die gegenwärtige „me too“-Debatte, somit hat dieses Stück durchaus einen aktuellen Hintergrund.

Was fasziniert Sie am Theaterspielen?

Helmut Gehlert: Zur Beantwortung dieser Frage müsste man wohl Psychologe sein. Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht. Vermutlich gibt einem das Schauspiel die faszinierende Möglichkeit, unverfänglich verschiedene Charaktere, Typen und deren Handeln und Verhalten so darzustellen, wie es im normalen Leben aus gesellschaftlichen und moralischen Gründen nicht möglich ist. Sei dies im heiter-lustigem Milieu oder auch im düster-kriminellen Bereich. Seltsamerweise sind meine bisherigen Rollen fast ausschließlich in der Sparte Bösewichte angesiedelt.

Vielleicht ist dies Zufall. Ich gebe aber zu, rein humoristische Figuren interessieren mich kaum, ich könnte sie auch nicht überzeugend darstellen. Jeder Mensch hat wohl mehrere versteckte Persönlichkeiten in sich: heiter und sozial verträgliche, aber auch verdrängte dunkle und bösartige Veranlagung. Das faszinierende ist für mich jedenfalls, auch mal so zu sein, wie ich es im wirklichen Leben niemals sein möchte.

Wenn Sie die freie Wahl hätten, was wäre Ihre Traumrolle, in welchem Stück und warum?

Helmut Gehlert: Eine Traumrolle war für mich der Landrichter Horvath in der „Hexe von Schongau“. Auch meine weiteren Rollen wie die des Herrn Rappelkopf im „Alpenkönig und der Menschfeind“ und Fauch in Goethes „Faust I“ waren für mich traumhaft. Alles Rollen, die meiner darstellerischen Veranlagung offensichtlich entsprechen. Die Rolle des Augustin in der „Henkerstochter“ entsprach auch dem eher bösartigen Typus. Selbst meine Interpretation des Petrus im „Brandner Kaspar“ hatte etwas Polterndes an sich. Die traumhafteste Rolle ist für mich natürlich die des Dorfrichters Adam. Meinem Alter entsprechend möchte ich mich nicht mehr an größere Traumrollen heranwagen. Interessant wäre für mich allerdings der Tod im „Jedermann“ oder die Darstellung des Mammon im gleichen Stück. Die Rollen des bekannten Schauspielers Gerd Fröbe haben mich immer fasziniert. Do isch scho so einiges d’rbei g’wese, wo mir o g’falle dät – Goldfinger läßt grüßen.

Das Gespräch führte Myrjam C. Trunk

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