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Technik trifft Tradition: Pfarrer Karl Klein bei einer Morgenpredigt mit iPad (links auf dem Ambo) und einer Bibel.

Der iPfarrer von Altenstadt

Dieser Pfarrer predigt mit seinem iPad

Altenstadt - Karl Klein ist Pfarrer. Die Bibel nimmt er aber immer seltener in die Hand, er streichelt lieber sein iPad. Eine Liebesgeschichte, die in einem Computergeschäft begann und nun in der Kirche ihre Fortsetzung findet.

Die Gemeinde Altenstadt. 3226 Einwohner, eine Kaserne, ein Fußballverein, eine Kirche. Beschaulich, schön. Sonntags drängen sich hier ältere Damen auf die vorderen Sitzplätze der Basilika - im feinen Gewand versteht sich. Aber auch die Jungen kommen zum Gottesdienst. Teils in Tracht, auf jeden Fall aber in einer Jeans ohne Löcher. Die Welt ist hier noch in Ordnung. Seit kurzem ist aber alles ein bisserl aus den Fugen geraten. Altenstadt ist jetzt ultra-modern. Tradition wird hintenangestellt. Also in der Kirche. Möglich macht das der neue Pfarrer: Karl Klein. Gerade 30 Jahre jung und „technikbegeistert,“ wie er sagt. „Nicht verrückt.“

Klein liebt Spielereien, also technische. Am liebsten sind ihm die kleinen Wunderdinger von Apple, einem US-Computer-Unternehmen. Die bauen zum Beispiel Telefone, mit denen man eigentlich fast alle machen kann, außer Zähneputzen. Und kleine Computer. Keine 700 Gramm schwer. Unendlich praktisch. Man kann damit überall im Internet surfen. Oder ein Video drehen. Oder eben eine Predigt halten.

Genau das macht Klein. Also theoretisch. Denn eigentlich spricht er beim Gottesdienst ja immer frei, wie er klarstellt. Den Taschencomputer hat er nur zur Sicherheit dabei. Falls er mal spicken muss. Oder für die Liedtexte. Und natürlich die Fürbitten. „Das ist einfach praktischer.“

Leichter - nicht nur im übertragenen Sinne - ist auch das Zitieren aus der Bibel mittels iPad. Eine Bibel-App (eine App ist eine Anwendung, die auf dem Computer installiert wird) kann sich jeder herunterladen Nur die Liturgien muss er noch ganz klassisch nachschlagen. „Die gibt’s auf deutsch noch nicht.“

Für Klein ist der Umgang mit dem Taschen-Computer übrigens nichts besonderes. „Ich habe mich schon immer dafür interessiert“, sagt er. In den 1990ern hat er sogar in einem Computerladen ausgeholfen, sich ein paar Euro dazu verdient. Irgendwie ist er dabei hängengeblieben, „auch wenn ich mich früher besser ausgekannt habe“.

Zum schreiben, lesen und den Gottesdienst vorbereiten reicht es freilich heute noch. Manchmal ruft er aber auch nur seine Facebook-Nachrichten ab, nach der Messe natürlich. Über die sozialen Medien kommuniziert er dann auch schon mal mit der Kirchenjugend oder chattet mit alten Freunden. So wie junge Menschen das eben heute machen.

So praktisch aber iPad und Internet auch sind, selbst für Pfarrer, nicht alles, was im Web umherschwirrt, heißt Klein gut. In den USA kann man sich seit neustem zum Beispiel unterwegs von allen Sünden lossagen. Möglich macht’s eine spezielle Beicht-App. Unglaublich, aber wahr: Die katholische Kirche der USA befürwortet diese mobile Beichtgelegenheit sogar. „Das gibt’s doch nicht“, sagt Klein. Doch. Aber gut, der Vatikan hat sich dagegen ausgesprochen. Die gönnen einem aber auch gar nichts. Klein findet’s richtig. Denn: „Zur Beichte gehört das persönliche Gespräch mit einem Pfarrer.“ Auch wieder wahr.

In diesem Punkt bleibt in Altenstadt also alles beim Alten: Wer seine Sünden beichten möchte, muss sich schon persönlich mit Klein treffen. Und wer Glück hat und brav ist, der bekommt hinterher bestimmt auch noch ein paar Technik-Tipps.

tf

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