Islam-Vortrag in Schongau: Miteinander sprechen, um Ängste abzubauen

Schongau - Rund vier Millionen Muslime leben mittlerweile in Deutschland. „Großteils wurden sie vor Jahren von uns geholt, damit die Wirtschaft florierte“, sagte Bernhard Scholz, Diplom-Theologe der Diözese Augsburg, jetzt bei einem Vortrag im Pfarrzentrum in Schongau-West.

Doch erst später wurde vielen Menschen bewusst, wie fremd uns der Islam eigentlich sei. Multikulti gehe nicht. Der Diplom-Theologe von der Augsburger Diözese ist überzeugt, dass für den Respekt vor dem Islam intensive und ehrliche Gespräche unverzichtbar sind. „Schönreden hilft nicht, und abgrenzen auch nicht.“

Zu dem Vortrag unter der Überschrift „Zwischen Kirchturm und Minarett - Miteinander von Christen und Muslime“ hatten die beiden Schongauer Stadtpfarrkirchen Verklärung Christi und Mariae Himmelfahrt ins Pfarrzentrum in Schongau- West eingeladen.

Als zentralen Gedanken für die Diskussion sah Bernhard Scholz die bleibende Präsenz der Muslime als Herausforderung an. Sie sei in den Städten und an den Arbeitsplätzen sichtbar geworden. „Sie tragen Kopftuch und Verschleierung, schächten und zelebrieren die Waschung ihrer Toten“, machte der Referent deutlich.

Aber wie stehe es mit den Anstandsregeln, und wo haben die Männer ihren Platz, wo die Frauen? Muslime, so der Theologe aus Augsburg, stünden vor der Herausforderung, wie sie ihren Glauben weitergeben. Bei uns hingegen hätten sich viele von der Religion verabschiedet. Der Dialog mit Muslimen sei eine politische Notwendigkeit. Muslime fühlten sich vom wirtschaftlichen und technischen Prozess des Westens angezogen. Nur, nachahmen wollen sie den Westen nicht.

Das Christentum verbinden Muslime mit leeren Kirchen. Die Reaktion darauf müsste, so Scholz, eine Erneuerung sein. Glaube und Einheit müssten praktiziert werden. Etwas, was für Muslime selbstverständlich sei.

Zum Thema Terror sagte der Theologe: „Der ist religiös motiviert.“ Muslime würden glauben, Gott auf ihrer Seite zu haben und dafür belohnt zu werden. Selbst würden sie sich als Opfer sehen. „Wir als Christen treten für die Opfer ein“, sagte Scholz. Der entscheidende Punkt sei, dass den Christen auf Erden untersagt sei, Gewalt auszuüben. Und im Himmel sei dies die Sache Gottes.

Der Dialog mit den Muslimen sei keine „Mission“. Vertreter der jeweiligen Religion müssten für den Schutz der anderen eintreten. Ziel müsse auf beiden Seiten eine aufrichtige Glaubenshaltung sein - angemessen, situationsgerecht und verhältnismäßig.

Fragen zur Darstellung von Religion und Koran, Islam und Gewalt und zum Thema Schächten, gab es in der anschließenden Diskussion. Stadtpfarrer Bernhard Mooser sagte: „Ich hab eine tiefgläubige Putzfrau, vor der ich den Hut ziehe.“ Im übrigen könne man von den Muslimen auch sehr viel lernen. „Die beten fünf Mal am Tag. Wenn wir drei Mal beten, sind wir schon bigottisch.“

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