24 Mal "Ja" für Schongauer Fußgängerzone

Schongau - Es ist eine historische Entscheidung: Mit 24:1 Stimmen hat Schongaus Stadtrat am Dienstagabend einer Fußgängerzone auf dem Marienplatz zugestimmt.

Die erste Überraschung gab es schon einige Tage vor der Sitzung. Auf der Tagesordnung stand nämlich nur das sogenannte Konzept 5, das bereits im Februar 2011 eingeführt werden sollte und hauchdünn mit der überraschende Gegenstimme des damaligen Bürgermeisters Karl-Heinz Gerbl (SPD) mit 12:11 gekippt worden war. Im Vorfeld hatte sich nämlich die sogenannte City-Zone, ein kleiner verkehrsberuhigter Bereich nur auf der Ostseite des Marienplatzes, als kleinster gemeinsamer Nenner aller Interessensgruppen herauskristallisiert. Die Beschränkung auf nur eine Variante fand vor allem Ralf Schnabel (UWV) merkwürdig, er sorgte mit seinem Alternativkonzept einer erweiterten City-Zone zwischendurch für hektische Diskussionen.

Doch er war auch der einzige, der das Konzept 5 in Frage stellte. Ansonsten stand breite Zustimmung im Raum, die Bürgermeister Falk Sluyterman mit einem leidenschaftlichen Plädoyer zu Beginn eingefordert hatte. Er erinnerte noch einmal daran, dass vor der 2011-Abstimmung das Konzept 5 in einer Arbeitsgruppe aus Vertretern von Einzelhandel, Anwohnern und Stadträten immerhin mit großer Mehrheit als „Vorzugsvariante“ präsentiert worden war. „Die Ablehnung im Stadtrat war aus meiner Sicht eine Fehlentscheidung, denn das Geschäftesterben ging trotz der nicht eingeführten Fußgängerzone bedauerlicherweise weiter“, sagte Sluyterman. „Am Ist-Zustand festzuhalten bedeutet Rückschritt. Wir müssen endlich einen neuen Weg einschlagen und auf unserer guten Stube Schongaus eine deutlich höhere Aufenthaltsqualität schaffen.“

Der Sinnenswandel zeigte sich vor allem an der CSU, die in den vergangenen vier Jahren eine erstaunliche Entwicklung hingelegt hat und sich mit Ausnahme von Paul Huber - von ihm kam letztlich die einzige Gegenstimme - als Befürworter einer Fußgängerzone zeigte.

Sluyterman machte deutlich, dass der Marienplatz seinem Potenzial bei täglich 4000 Fahrzeugen nicht gerecht werde. Mit dem Konzept 5 könnten künftig fahrende und parkende Autos ferngehalten und der Marienplatz gleichzeitig städtebaulich so aufgewertet werden, dass es hohe Zuschüsse der Regierung von Oberbayern gibt. Diese Gelder wären bei der City-Zone mangels Attraktivität nicht geflossen, machte Sluyterman deutlich. Der Bürgermeister erwähnte auch den möglichen Mode-Magneten, den Hausbesitzer Richard Merkle ansiedeln will und der zwingend einen verkehrsberuhigten Bereich gefordert habe. „Auch die bestehenden Geschäfte werden profitieren“, ist Sluyterman überzeugt. Zum Schluss wurde er sogar noch pathetisch: „Der Wind der Veränderung weht seit heute Abend durch Schongau“, meinte er noch vor der Abstimmung.

Offenbar war er sich sicher, dass das Projekt durchgeht, und lag richtig. SPD und Alternative Liste Schongau (ALS) wollten sogar noch weiter gehen und bereits jetzt festgelegt haben, dass die bis zu 17 Parkplätze vor dem Marienbrunnen, die theoretisch möglich wären, ausgeschlossen sind. Doch da scheiterten beide Parteien trotz eigentlicher Mehrheit, weil neben Sluyterman auch Friedrich Zeller und Stefan Konrad gegen die SPD-Linie stimmten, um neuerlichen Streit zu vermeiden. Solche Fragen sollen in einer Ideenwerkstatt geklärt werden, bei der sich alle Bürger mit Vorschlägen und Ideen für die Ausgestaltung der künftigen Fußgängerzone beteiligen können.

Geplant ist, von Ende des Jahres bis zum nächsten Frühjahr in die Umsetzung zu gehen, die auch mit einem neuen Parkraumkonzept einhergehen soll, um die wegfallenden Parkplätze kompensieren zu können. Den möglichen Klagen von Anwohnern, wie sie Handelsverbands-Vorsitzender René Repper in einem Leserbrief in den Schongauer Nachrichten angedroht hat, sieht Sluyterman gelassen entgegen: „In einem Rechtsstaat haben die Gegner natürlich diese Möglichkeit. Aber ich bin selbst Jurist und habe mich mit einem Anwalt kurzgeschlossen“, so Sluyterman. Das Ergebnis: „Man könnte es verzögern, aber nicht verhindern.“

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