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50 Jahre Autowaschanlagen: Einmal das volle Programm, bitte!

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Weiß, was die Kunden wünschen: Josef Hawel bereitet die Autos seit 22 Jahren auf ihre Fahrt durch die Waschstraße vor.
Weiß, was die Kunden wünschen: Josef Hawel bereitet die Autos seit 22 Jahren auf ihre Fahrt durch die Waschstraße vor.

Schongau - Fast die Hälfte seines Lebens arbeitet Josef Hawel in einer Autowaschanlage. Jetzt erzählt er, was sich geändert hat und warum die Kunden immer anspruchsvoller werden.

Waschen und Trocknen, eine Wäsche mit Schaum und Wachs oder sogar eine Fahrt durch die Anlage mit Unterboden- und Felgenreinigung: In knappen drei Minuten können die Deutschen ihr Auto von vorne bis hinten säubern lassen, es in einen Top-Zustand versetzen. Seit nunmehr 50 Jahren gibt es diese Möglichkeit, nämlich seitdem Gebhard Weigele und Johann Sulzberger aus Augsburg es leid waren, ihre Autos mit der Hand auf Vordermann zu bringen. Sie erfanden die weltweit erste Autowaschanlage. Das Patent dafür war ihnen sofort sicher. Doch seitdem, als anfangs oftmals nur eine einzelne Bürste auf Schienen um das Auto fuhr, hat sich einiges geändert.

Auch Josef Hawel, der in der ältesten Waschanlage im Schongauer Raum arbeitet - derjenigen neben dem V-Markt - kann ein Lied davon singen, was sich in der Autopflege getan hat. Die wohl größte Entwicklung haben dabei die Maschinen mitgemacht: „Als diese Anlage vor ungefähr 30 Jahren in Betrieb genommen wurde, war es im Vergleich zu heute natürlich weniger professionell“, erzählt Josef Hawel. Statt wie jetzt zwei Lüfter, trocknete anfangs nur einer die Autos, auch von unzähligen Bürsten konnte keine Rede sein: Zwei kleine gab es, die die Fahrzeuge von vorne bis hinten abschrubbten.

Mittlerweile sei natürlich außerdem die Qualität der Bürsten und Maschinen deutlich verbessert worden. „Diese Ideen hatten die Erfinder vor 50 Jahren zwar vielleicht auch im Kopf“, vermutet der langjährige Angestellte, „sie fanden damals aber natürlich keine Möglichkeit, diese umzusetzen“.

Ihr Wasch-Konzept hingegen war von Anfang an unverbesserlich, darum hat sich daran bis jetzt rein nichts geändert. Der Ablauf ist heute wie früher: Die Kunden suchen sich eines der Waschprogramme aus, bezahlen und fahren mit ihrem Auto in die Anlage. Dort erwartet sie bereits Josef Hawel, der nur noch die Waschmarke entgegennehmen muss, ansonsten aber startklar ist. Nach dem Vorprogramm - je nach Wunsch mit, oder ohne Schaum - lotst er den Fahrer auf die motorisierte Schiene, direkt zwischen die ersten Bürsten. Und schon übernimmt die Anlage. „Dieser Ablauf war auch vor 22 Jahren nicht anders“, beteuert der Arbeiter.

Was damals allerdings anders war, waren die Kunden. Klar - die Autos werden teurer, die Pflege wichtiger. Dem Spruch des Volksmunds, das Auto sei des Deutschen liebstes Kind, kann Hawel deshalb in den meisten Fällen auch zustimmen. „Warum sonst sollten manche Kunden mehrmals pro Woche kommen?“ Sogar dann, wenn das Auto gar nicht dreckig ist. Nachvollziehen kann Josef Hawel das jedoch nicht ganz. „Wenn mein Auto nur etwas staubig ist, fahre ich es auch nicht sofort in die Waschanlage“, gesteht er 54-Jährige. Obwohl die jeden Tag direkt vor seiner Nase wartet.

Nur auf seine Alufelgen, auf die achtet der Steingadener besonders - auch nach der Einführung des Euros. „Seitdem kann ich nämlich tatsächlich einen leichten Rückgang bei der Autowäsche erkennen“, verrät Hawel. Die Deutschen sparen eben überall. Manchmal sogar an ihrem liebsten Kind.

(fra)

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