1. Startseite
  2. Lokales
  3. Schongau

Wo japanischer Charme betörte

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Yasuko Matsuda begeisterte bei ihrem Auftritt in Schongau. foto: bse-pictures
Yasuko Matsuda begeisterte bei ihrem Auftritt in Schongau. foto: bse-pictures

Schongau - Dem Kulturverein ist es gelungen, die aus Kyoto stammende, seit langem in München beheimatete, Pianistin Yasuko Matsuda für einen Klavierabend zu gewinnen.

„Außergewöhnliches“ kündigte Kreissparkassen-Vorsitzender Fritz Lutzenberger im vollbesetzten Sparkassenforum an. Und die hohen Erwartungen werden in den folgenden zwei Stunden mit großem Genuss erfüllt.

In Tokio, in Paris und bei Klavierlegende Rosl Schmid in München, deren pädagogisches Geschick viele renommierte Pianisten hervorgebracht hat, wurde die sympathische Künstlerin ausgebildet. Jetzt lehrt sie selber an der Hochschule für Musik und Theater in der Landeshauptstadt. Zum Auftakt wählte Yasuko Matsuda aus den Salzburger Sonaten des jungen, achtzehnjährigen Mozart die vierte Es-Dur-Sonate KV 282. Mit leisem Lächeln, sich selber stets aufmerksame Zuhörerin, freute sich die Pianistin, wie man hören kann, über dies formal unkomplizierte Stück galanter Zeitkunst. Klar, unaufgesetzt, in einer beinahe kindlichen Unschuld spielt sich dieser Mozart ins Ohr. Delikat, doch gemessenen Schrittes schwingt sich Matsuda durch die tänzelnden Menuette. Im Zweivierteltakt-Typus des Finalsatzes blitzt dann mit souveräner Gelassenheit bereits eine technische Brillanz durch, die die Vorfreude auf den Programmverlauf mehrt.

Kulturverein-Geschäftsführerin Barbara Aspelmeyer garniert dazu immer wieder die Werkauswahl mit heiteren und hintergründigen Geschichten aus dem Leben der Komponisten. Die Bedeutung von Beethovens „Sturm“-Sonate opus 31, 2 liegt ebenso im Dunkel wie die der meisten anderen Sonaten. Das in fragiler Balance immer wieder reflektierende, fragende Suchen der hoch konzentrierten Pianistin gibt dem oft gespielten Werk einen enorm respektvollen Zugriff. Auch in den eruptiven Ausbrüchen opfert Matsuda nie ihr makelloses Klangideal der schroffen Zerklüftetheit dieser Musik. Manch ein Künstlerkollege hämmert mit beinahe unbarmherziger Gewalt den fis-moll-Einsatz des Hauptthemas im Allegro heraus. Groß und wuchtig sind dagegen die Klangbilder der Japanerin, die selbst kraftraubende Oktavkaskaden mit einer faszinierenden Lockerheit mit federleichtem Handgelenk zelebriert.

Mit großer Emotion wendet sich Yasuko Matsuda auch der g-moll-Ballade von Chopin zu. Chopin, der bereits als Kind für Sagen und Legenden seiner Heimat glühte, legte dem in schwermütigen Oktavgängen aufsteigenden Largo das Lied vom litauischen Helden Conrad Wallenrod zugrunde. Die von Wucht und Rasanz verblüfften Zuhörer befinden sich urplötzlich in einem Moment mit großer Klaviermusik, der über Raum und Zeit erhaben scheint.

Bis in die Fingerspitzen austariert ist das Gewicht ihres Klavierspiels ebenfalls in Robert Schumanns Davidsbündler Tänzen. In unendlich liebevollem Fluss perlt der Inbegriff eines zart romantischen Klangideals durch den Saal. Unwillkürlich wird man im Verlauf der mitunter kurzen Sätze an die Lieder Schumanns erinnert. Immer mehr bekommt die seelenvolle Musik erzählenden, singenden Charakter. Stundenlang könnte man mit einem tiefen Seufzer den Arpeggien folgen. Die Heiterkeit, die die Pianistin dabei an den Tag legt, entspringt jedoch nie einem lausbübischen Zwinkern, sondern kommt immer wie ein Spiegel großer Ernsthaftigkeit zu Tage. Trost in reinster Harmonie gießt sich sanft träumend „wie aus der Ferne“ im Schluss aus. Der lang anhaltende Applaus kann die Bescheidenheit der Künstlerin jedoch nicht erschüttern. Hoffentlich auf ein Wiederhören!

Dorothe Fleege

Auch interessant

Kommentare