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Fertig für die Abfahrt: Marcel Reintsch (rechts) und Hubert Pfettrisch vor der blitzblank-geputzten Zugmaschine mit dem auffallenden Emblem. Die beiden Neffen von Pfettrisch, Jonas (rechts) und Gabriel, haben auch ihren Beitrag in Form von gespendeten Paketen geleistet.

Johanniter-Weihnachtsaktion

3000 Kilometer für die Freude der Beschenkten

Schwabbruck - Während Freunde und Verwandte von Marcel Reintsch (32) und Hubert Pfettrisch (33) Weihnachten und die Tage zwischen den Festtagen im Kreise ihrer Lieben verbringen, wird’s bei den beiden Schwabbruckern turbulent. Sie sind mit einem 40 Tonnen-Sattelzug Richtung Bosnien unterwegs. Dort wollen sie gespendete Pakete im Rahmen der Johanniter-Weihnachtsaktion verteilen. Alleine 1400 Stück aus ihrem Sattelzug.

Blitzblank geputz steht das rote V8-Ungetüm der Marke MAN im Hof von Marcel Reintsch. Der Berufskraftfahrer hat alle Vorbereitungen für seine lange Fahrt abgeschlossen. Ölstand, Luftdruck, Lichter und vieles mehr kontrolliert. So wie er es eigentlich vor jeder Fahrt tut. Diesmal nur einen Tick gründlicher.

Die Fahrt geht diesmal nicht im heimischen Umland von Hof zu Hof, um Schweine oder Kälber abzuholen, die er mit dem Viehtransporter gewöhnlich über die Lande karrt. Seine Fahrt geht Richtung Bosnien, wo er mit anderen Transportern die bekannte Weihnachtsaktion der Johanniter unterstützt. Mit dabei im Führerhaus ist Hubert Pfettrisch, Kommandant der Schwabbrucker Feuerwehr.

Vor neun Jahren beteiligte sich Reintsch das erste Mal an der Weihnachtsaktion der Johanniter. Er brachte mit einem Sattelzug gespendete Weihnachtspäckchen nach Bosnien. Diese Fahrt und vor allem das Verteilen der Pakete an die Kinder haben ihn so beeindruckt, dass für ihn daraus eine wahre Leidenschaft wurde.

Jedes Jahr in der Vorweihnachtszeit überfällt ihn eine gewisse Unruhe. Da kommt das Steuerrad-Kribbeln in den Händen, wird noch vom Gaspedal-Zucken übertroffen. Da beginnt Reintsch mit den Vorbereitungen für seinen großen Tripp. Er muss all die vielen Stationen im Umland zwischen Marktoberdorf und Kempten abgrasen, um die gesendeten Pakete einzusammeln. Die Pakete müssen per Hand hineingetragen und vor allem passend gestapelt werden. Möglichst viele Pakete auf möglichst kleinem Raum zu verstauen, heißt dabei die Devise. Und die Dinger können ganz schön schwer werden.

Keinesfalls schwer für Reintsch war es, den roten Sattelzug mit der eigenartigen Bemalung seinem Arbeitgeber für das Vorhaben „abzuschwatzen“. Firmenchef Siegfried Röck von der gleichnamigen Transportfirma aus Altusried hat sich auch in diesem Jahr wieder großzügig gezeigt und den LKW kostenlos zur Verfügung gestellt. Vollgetankt, versteht sich.

Als Beifahrer konnte Reintsch Hubert Pfettrisch gewinnen. Schließlich hat dieser auch Bosnien-Erfahrung. Vor drei Jahren war er schon mit Reintsch in dem kriegsgebeutelten Gebiet. Gemeinsam sind die beiden am 26. Dezember mit etlichen weiteren Lkws von Landshut aus in Richtung Bosnien gestartet Dort werden sie in einem Gebiet, das vom Jahrhunderthochwasser schwer in Mitleidenschaft gezogen wurde, das Verteilen der Geschenkpakete vornehmen. „Wenn du siehst, wie groß und überwältigend die Freude der Beschenkten ist, wirst du für alle Mühen und Strapazen entschädigt“, erzählt Reintsch. Von den Gefahren gar nicht zu spechen.

Eben durch dieses außergewöhnliche Hochwasser wurden viele Landminen weggespült und liegen jetzt immer noch versteckt und unentdeckt in weiten Landstrichen. Die Aktion ist natürlich auch wetterabhängig. „Wenn es nur kalt bleibt, haben wir kein Problem. Kommt Schnee dazu, wird’s kritisch“, erzählt Reintsch. Dann müssen vor Ort kleine Transporter angemietet werden, um damit in die Bergregionen zu kommen. Das Umladen der 1400 Pakete wäre dann nur das kleinere Übel. Denn oben in den Bergen befinden sich die Armenküchen für Senioren, die dringend auf die Hilfe angewiesen sind. Wie gesagt, überall können noch Minen auftauchen.

Die Rückkehr in die Heimat ist auf der Balkanroute geplant. Dabei wird den Teams ebenfalls noch einiges abverlangt. Vier große Kontrollstellen müssen angefahren werden, damit die Sattelzüge unter die Lupe genommen werden können. Die Befürchtung ist groß, dass Flüchtlinge als blinde Passagiere mit einreisen könnten. Läuft alles wie geplant, wollen die beiden Männer zu Silvester wieder zuhause sein. Ungefähr 3000 Kilometer Fahrt über teilweise sehr schwierige Fahrstrecken müssen Reintsch und Pfettrisch insgesamt meistern. Eine Belastung für die Fahrer und natürlich für Zugmaschine und Aufleger. Aber für diese gute Sache verzichtet man gerne auf das sonst so verlockende Kanapee in heimischer Stube.

Hans-Helmut Herold

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