Kabarett in Schongau: "Nacktkellnerin beim Jahrestreffen der Nudisten"

Schongau - Die Kabarettistin Daniela Lukas hat bei ihrem Auftritt im "Eulenspiegel" in Schongau die Zuschauer begeistert.

Gemeinsam mit Daniela Lukas erlebten die Zuschauer im „Eulenspiegel“ ihre Tour quer durch den postmodernen Arbeitsmarkt. Ganz typisch untypisch verläuft ihre Reise vom Status der erfolgreichen Frau zur Bittstellerin beim Arbeitsamt. Dabei erweist sich die Agentur für Arbeit, wie sie sich neuerdings nennt, im Nachhinein nicht einmal als die schlechteste aller Anlaufstellen, um einen neuen Job zu ergattern. Denn es gibt noch weit schlimmere Möglichkeiten, sich Chancen auf dem Arbeitsmarkt vorgaukeln zu lassen.

Geradezu naiv und irre komisch entkleidet Lukas die Wirkungsweise des kapitalistischen Arbeitsmarktes. Sehr amüsant verpackt die Kabarettistin systemische Kritik am modernen Arbeitsmarktgeschehen mit seinen vielen Versprechungen und Schlagwörtern: Flexibilisierung, lebenslanges Lernen, Öffnung, Chancengleichheit. Was dahinter steckt beziehungsweise dass dahinter gerade nichts steckt als leere Worthülsen, erleben die Zuschauer, während sie sich mit Lukas auf Jobsuche begeben.

Die Darstellerin baut eine Vielzahl prekärer Arbeitsverhältnisse, die Einstellung von Arbeitsvermittlern und Arbeitsplatzentscheidern sowie die herrschende Bourgeoisie von Arbeitgebern lebendig in witzige Szenen ein. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge bemitleidet man die motivierte, mutige und verzweifelte Frau, die immer wieder von neuem scheitert. Das Scheitern jedoch liegt am System. Leider verkörpert Lukas mittlerweile einen Typus von Normalität.

Die einst Erfolgreiche erhält Praktikumsangebote, soll beim Jahrestreffen der Nudisten Nacktkellnern, und ihre zuständige Sachbearbeiterin auf dem Arbeitsamt sieht und drückt sich aus wie „Germany‘s next Topmodel“.

Schwer vermittelbar, weil nicht mehr blutjung, macht Lukas sich als Notlösung selbständig. Der Partyservice „Danielas heiße Schnittchen“ erhält viele Anrufe. Vornehmlich nachts. Doch wird nicht nach belegten Schnitten gefragt. Als ihre Ich-AG nicht genug abwirft, rät ihre Freundin dazu, einen Zweitjob zu suchen.

„Einen Zweitjob macht doch heute jeder“, sagt die Freundin. Lukas verdingt sich als Erdbeerpflückerin, Aktmodell und Call-Center-Agentin. Auf Nachfrage beteuert ihr Trainer: „Der soll das Zeug nicht brauchen, nur kaufen.“

Neben der Job-Odyssee lernen die Zuschauer auch moderne Techniken kennen, sich mit den Schwierigkeiten zu arrangieren. Zum Beispiel das Coaching oder den „Feen-Notruf“. Ironisch macht Lukas deutlich, dass viele den zahlreichen und sich ständig ändernden Anforderungen auf dem Arbeitsmarkt nicht mehr hinterher kommen und wie sie sich auf der Suche nach Anleitung in die komischsten Situationen begeben.

„Wenn die Hoffung zuletzt stirbt, wer stirbt dann zuerst?“, fragt Lukas am Ende in die Runde. „Die Würde? Die Achtung?“

lisa klotz

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