Kampf gegen die Flammen im Schnee-Sturm

Schongau - Starke Rauchentwicklung in der Lagerhalle. Mehr als widrige Bedingungen für die über 150 Einsatzkräfte beim Brand einer Lagerhalle in Schongau am Sonntagabend.

Das Thermometer zeigt einige Grade unter null, als die ersten Einsatzkräfte am Sonntag gegen 17 Uhr im Gewerbepark Lang zwischen Schongau und Altenstadt eintreffen. Zu diesem Zeitpunkt dringt „nur“ starker Rauch aus der Halle des Altenstadter Elektrobetriebs Kögl. Nachdem zwei Angriffstrupps mit starkem Atemschutz ins Gebäude vordringen, ist laut Kreisbrandmeister Johann Deschler klar, dass es sich hier um einen Vollbrand handelt. Personen befinden sich - zum Glück - nicht im Gebäude. Sofort alarmiert er weitere Löschgruppen aus dem Umland - um das Feuer von mehreren Seite zu bekämpfen. Und weil klar ist, dass der Einsatz einige Stunden dauern wird und zahlreiche Atemschutz-Geräteträger benötigt werden.

Dabei gestaltet sich schon die Anfahrt der Einsatzkräfte bei dichtem Schneetreiben schwierig: „Die Sicht war praktisch gleich null“, sagt Schongaus Feuerwehrkommandant Michael Benkert. Und: „Die Zufahrt in das Gewerbegebiet ist nur über eine Seite möglich“, fügt Deschler an. Die zweite Seite befindet sich auf einem Betriebsgelände, und zu diesem müssen sich die Wehrleute erst Zutritt verschaffen.

Das oberste Ziel der Einsatzkräfte ist von Anfang an, das Übergreifen der Flammen auf eine benachbarte Lackiererei sowie ein Antiquitätengeschäft zu verhindern. Schließlich befinden sich in der Lackiererei ein großer Öltank sowie Chemikalien. „Der Sturm hat das Feuer immer wieder angefacht“, so Benkert. Von daher werden die nachalarmierten Wehren auf den anderen Gebäudeseiten postiert, gleichzeitig werden die Franz-Josef-Strauß-Straße gesperrt und über mehrere hundert Meter Wasserleitungen aufgebaut. Und in diesen muss das Wasser am Fließen gehalten werden, damit es nicht einfriert.

Bilder: Der Tag nach dem großen Brand

Großbrand in Schongauer Elektrobetrieb

Anfangs werden die Seitenfenster des Gebäu des eingeschlagen und durch diese - teils mit Schaum - das Feuer bekämpft. Ein Betreten des Gebäudes ist wegen Einsturzgefahr nicht möglich. „Einige Eisenträger hatten sich schon massiv verformt und drohten einzustürzen“, berichtet Feuerwehr-Kommandant Benkert.

Das Feuer am Boden, wie Johann Deschler sagt, haben die Wehrleute relativ schnell im Griff. „Aber die Flammen sind ins Blechdach hochgezogen, auf dem sich eine Photovoltaikanlage befand und das wir anfangs noch nicht öffnen konnten.“ Das gelingt später durch den Einsatz von zwei Drehleitern und einem THW-Bagger aus Weilheim.

Mittlerweile zeigt die Uhr fast Mitternacht. Rund 150 Einsatzkräfte aus dem ganzen Landkreis Weilheim-Schongau sowie aus dem Landsberger Raum sind vor Ort. Das BRK Schongau hat mit rund 25 Helfern in einer nahen Halle ein beheiztes Versorgungs- und Aufwärmzentrum eingerichtet. „Dort haben wir bis in die frühen Morgenstunden die Einsatzkräfte mit warmen Getränken und Essen versorgt“, berichtet Einsatzleiter-Rettungsdienst, Otto Bauer. Zwei Feuerwehrleute erleiden eine Rauchgasvergiftung und kommen ins Krankenhaus, eine Frau verletzt sich leicht an der Hand.

Um etwa 1 Uhr am Montagmorgen ist der Brand so gut wie gelöscht. „Es gab nur noch eine Stelle, an der das Feuer noch aufs Nachbargebäude überzugreifen drohte“, berichtet Kreisbrandmeister Deschler. Aber nachdem auch dort mit einer Säge ein Loch reingesägt und gelöscht worden ist, ist das Schlimmste erledigt.

Bange Minuten der Angst hat bis dahin Johann Wlacil vom angrenzende Antiquitätengeschäft hinter sich. „Ich bin angerufen worden und dann direkt hingefahren“, berichtet er. Ein befreundeter Feuerwehrmann hat dann in seinem Geschäft nachgeschaut, ob auch dort ein Schaden entstanden ist. „Aber da sich unsere Geschäfte nicht Wand-an-Wand befinden, war zum Glück schnell klar, dass meins nicht betroffen war.“

Die letzten Einsatzkräfte verlassen die Brandstelle gegen 7 Uhr am Montag. Weite Teile des Gebäudes sind zerstört bzw. müssen abgerissen werden. Zur Ursache des Feuers ist noch nichts bekannt. Ein Betreten der Halle war am Montag noch nicht möglich.

jos

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