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Kinocenter in Peiting gestorben

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So sollte es aussehen: Das Peitinger Kinocenter. archiv
So sollte es aussehen: Das Peitinger Kinocenter. archiv

Peiting - In diesem Krimi gibt es kein Happy End: Das Projekt Peitinger Kinocenter ist erstmal gescheitert. In letzter Sekunde ist der Planer abgesprungen.

Diese Nachricht wird Filmfreunde schocken: Das Projekt Kinocenter in Peiting ist gestorben. Zumindest in der Form, wie es zunächst geplant war. Das gab Peitings Bürgermeister Michael Asam auf Nachfrage der Schongauer Nachrichten bekannt. „Ich bin schwer enttäuscht von dem Planer“, so Asam. Der hat sich nämlich aus dem Staub gemacht.

„Es gab unzählige Bauausschusssitzungen zu dem Thema, der Bebauungsplan war überarbeitet und alles unter Dach und Fach gebracht“, erklärt der Rathauschef. Bereits im Frühjahr wurden die Kaufverträge mit dem Planer für das Grundstück auf dem Gelände mit der Firma UPM unterschrieben. Die Pläne für das Kino mit vier modernen Sälen waren schon fertiggestellt, ein Investor gefunden.

Beim offiziellen Ortstermin auf dem UPM-Gelände vor ein paar Monaten dann der Dämpfer. Der Planer sagte kurzfristig bei der Firma UPM ab. Er wolle das Grundstück doch nicht haben. „Es ist ein Unding, dass er nicht einmal bei mir angerufen hat“, so Asam. Außerdem ist es dem Rathauschef ein Rätsel, wie der Planer aus den Verträgen mit UPM wieder herauskommt.

„Die Unterschrift wurde rechtmäßig auf meinem Schreibtisch getätigt.“ Die Voraussetzungen vom Markt Peiting und UPM für das Kino-Projekt seien voll erfüllt worden, ergänzt UPM-Chef Winfried Schaur: „Vertrag, Notar, Baurecht - alles war unter Dach und Fach.“ Doch alle Bemühungen waren umsonst. „Der Käufer konnte die Fristen nicht einhalten und darum wurde der Vertrag aufgelöst“, bedauert er.

Im März äußerte der Planer noch gegenüber der Heimtzeitung: „Sollte kein Betreiber gefunden werden, gibt es immer ein Zurück.“ Im Klartext: Der Kauf könne in diesem Fall rückgängig gemacht werden.

Beim Bürgermeister sitzt der Ärger über den Fehlschlag tief. Er sei von dem Planer geblendet worden. „Er hat uns stets bei Laune gehalten. Dabei haben ihm die konkreten Pläne schlichtweg gefehlt.“ Der Gemeinde gegenüber hätte er immer wieder beteuert, einen Betreiber für das Kino an Land ziehen zu können.

Der war nämlich Voraussetzung für das Großprojekt. Das leuchtet auch ein: Wozu ein riesiges Kinocenter hinstellen, wenn es keiner betreiben will. Und das spielt auch für den Investor eine wichtige Rolle. Der möchte sein Geld in Peiting ja nicht verbraten, sondern mit den Filmen in den Kinosälen ein dickes Plus machen. Ohne Betreiber kein Kino also. Den hätte der Planer aber vermutlich nie gehabt, glaubt der Rathauschef.

Auch bei der Kosten-/Nutzenrechnung, also der Wirtschaftlichkeit des Unternehmens, habe sich der Planer nicht ausgekannt. Mit all dieser Schwammigkeit habe er auch den Investor vergrault. „Der wurde genauso geblendet wie wir“, sagt der Rathaus-Chef. Dennoch ist Asam mit dem Investor noch in gutem Kontakt. „Ich möchte noch nicht so viel sagen, aber der Investor wäre beim Kino-Projekt wieder dabei, wenn ein fähiger Planer gefunden wird.“

Das Projekt Kinocenter ist für den Bürgermeister also noch nicht gestorben. Schließlich hat er die Sache vor zwei Jahren auch an Land gezogen. „Ich gebe noch nicht so schnell auf“, zeigt er sich kämpferisch.

Das dürfte den Peitinger Filmfreunden zumindest ein kleiner Trost sein. Immerhin müssen sie bislang nach Mauerstetten oder Weilheim fahren, wollen sie ein modernes Kino besuchen.

Ein Kino-Center in der Marktgemeinde wäre also zweifellos begehrt. Und das zeigt sich auch in der Welt des Internets: Im sozialen Netzwerk Facebook hat sich besispielsweise die Gruppe „Wo bleibt das Peitinger Kino?“ mit 755 Mitgliedern gegründet. 500 Bürgern gefällt die weitere Gruppe „Wir wollen ein Kino in Peiting“. Es braucht also noch ein wenig Geduld in Sachen Popcorn, kühle Getränke und Blockbuster in modernem Ambiente. In die Filmsprache übertragen wäre das quasi „ein offenes Ende“...

Sabine Krolitzki

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