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Nichts geht mehr auf der Lechbrücke zwischen Kinsau und Apfeldorf. Vier Monate lang müssen Anwohner und Pendler lange Umfahrungen in Kauf nehmen.

Lechbrücke Kinsau-Apfeldorf gesperrt

Beschwerlich langer Umweg

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Seit vergangenem Montag, 9 Uhr, ist alles dicht: Mit der Vollsperrung der Lechbrücke wird die Verbindung zwischen Apfeldorf und Kinsau zur Weltreise. Über vier Monate muss man im Lechrain mit großen Umfahrungen leben.

Apfeldorf/Kinsau – Als ob nichts wäre, steuert der weiße Mercedes-Sprinter flott in Richtung Apfeldorf. Dabei hatte er schon vor einem Kilometer ein „Durchfahrt verboten“-Schild passiert. Mit dem Zusatz „Frei bis Lechbrücke“. Dort ist dann endgültig Schluss: Vollsperrung. Wenden ist angesagt.

Eugen P., Kurierfahrer aus Kempten, kurbelt am Lenkrad und stöhnt: „Das hat mir keiner gesagt. Ich muss nach Apfeldorf, ein Riesenumweg für mich.“

Für den Allgäuer eine Neuigkeit, die Lechrainer wissen es längst: Für rund vier Monate ist die Lechbrücke zwischen Kinsau und Apfeldorf gesperrt. Die Vollsperrung der Brücke an der Staatsstraße 2055 ist nötig, da die Verschleißteile wie Gehwegkappen, Geländer, Schutzeinrichtungen, Asphaltbelag und die Übergangskonstruktion zwischen Brücke und Straße erneuert werden müssen, wie es seitens des Staatlichen Straßenbauamts in Weilheim heißt. Aber: „Die Tragkonstruktion ist in sehr gutem Zustand.“ Im Zuge der Sanierung soll jedoch die Brücke dank Verbreiterung einen Rad- und Fußweg erhalten.

Noch passiert nicht viel auf der Baustelle. Zwei Arbeiter sind vor Ort, Pläne werden gesichtet. Der Presslufthammer rattert, sogenannte Suchschlitze werden in die Asphaltdecke gestemmt: In rund 15 Zentimetern Tiefe leuchtet der Rohbeton der Brücke hell. „Das müssen wir wissen, damit man die Tiefe der Fräse einstellen kann und man nichts beschädigt“, erklärt ein Arbeiter der Firma LS-Bau aus Ziemtshausen.

Immer wieder kommen Kraftfahrer bis an die Brücke gefahren und betteln, ob sie nicht doch noch schnell hinüber dürfen. Der Baufirmen-Mann winkt ab: zu spät. Nur der eine oder andere Radfahrer huscht hinüber.

Bald ist aber auch damit Schluss. Denn das schwere Gerät ist bereits bestellt – und dann wird die Asphaltdecke aufgefräst.

„Zu gefährlich“, sagt der Bauarbeiter. Eine Frau, die aus Apfeldorf mit ihrem Motorroller ankommt, sieht sich künftig großen Umwegen ausgesetzt. „Ich muss jeden Tag nach Schongau, wie soll das gehen?“, klagt sie. Auf die Apfeldorfer und Kinsauer kommen beschwerliche Monate zu. Auch auf die Schulkinder, die sich das Apfeldorfer und Kinsauer Schulhaus teilen.

Ursprünglich war geplant, nur eine halbseitige Sperrung der Brücke mit einer Ampelschaltung einzuführen – die ist jedoch aus Sicherheitsgründen ausgeschieden: Die 25 Jahre alte Brücke ist nur 5,90 Meter breit.

„Bis zum Ende des Schuljahrs werden alle Kinder im Apfeldorfer Schulhaus unterrichtet“, sagt Kinsaus Bürgermeister Marco Dollinger. Die Apfeldorfer Kinder haben also künftig einen kurzen Weg – während die Kinsauer Kinder mit dem Schulbus über Epfach und Reichling kommen. „Die Abfahrtszeit in der Früh bleibt jedoch gleich“, betont Dollinger. „Nur mittags kommen sie später nach Hause.“ Die Eltern seien jedoch alle informiert.

Beschwerlich wird es auch für alle Berufstätigen: Schongau ist zwar über Birkland und Peiting erreichbar – doch der Rückweg ist noch bis 25. Juni wegen der einseitigen Sperrung der Kanalbrücke versperrt. Bleibt nur der Umweg über Rott und Vilgertshofen über die B17. Mitte Oktober soll der ganze Spuk dann vorbei sein. Die Kosten für die Sanierung betragen laut Bauamt rund 700 000 Euro und werden vom Freistaat bezahlt.

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