Eine Kinsauerin wurde nun fast Opfer eines Telefon-Betrugs.
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Eine Kinsauerin wurde nun fast Opfer eines Betrugs.

Betroffene will andere warnen

Dreister Betrugsversuch durch angebliches Impfzentrum: Nach Telefonat 2000 Euro von Konto abgebucht

  • Boris Forstner
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Obwohl sie bewusst nicht über Kontodaten sprach, wurden bei einer Kinsauerin kurz nach einem Telefonat 2000 Euro abgebucht. Nun will sie andere vor der dreisten Betrugsmasche warnen.

Landkreis/Kinsau – Die 74-Jährige aus Kinsau wunderte sich nicht, als sie am Dienstag von einer Frau aus dem Impfzentrum Schongau (das es gar nicht gibt) angerufen wurde. Schließlich war sie tags zuvor zum zweiten Mal immunisiert worden, „das wusste die Frau am Telefon. Sie hat gesagt, sie will mir noch den Impfpass im Scheckkarten-Format zuschicken und müsste dazu nur ein paar Daten abgleichen.“

Dabei habe die Anruferin schon viel gewusst, ihren Mädchennamen zum Beispiel, den Geburtsort, alles mögliche. „Deshalb habe ich mich nicht groß gewundert“, sagt die 74-Jährige.

Das änderte sich eine halbe Stunde später, als sie überraschend einen Anruf der Sparkasse Oberland mit Sitz in Weilheim erhielt, bei der sie Kunde ist. „Die wollten wissen, ob ich tatsächlich 2000 Euro per Telefon-Banking überweisen wollte“, berichtet die Rentnerin, die aus allen Wolken fiel. „Ich kann mir das gar nicht erklären, beim Gespräch mit der angeblichen Dame vom Impfzentrum waren Finanzen oder Bank kein Thema. Da wäre ich sofort misstrauisch geworden.“

Bestürzung bei der Bank über Vorfall

Auch Robert Christian Mayer, Sprecher der Sparkasse Oberland, war bestürzt, als er durch die Heimatzeitung von dem Vorfall erfuhr, und machte sich auf Spurensuche. Er bestätigt den Fall: „Eine Frau hatte angerufen, und die Stimme hat zu einer Dame diesen Alters gepasst“, sagt Mayer. Für Telefon-Überweisungen brauche man normalerweise eine Anmeldung und eine fünfstellige PIN-Nummer. „Bei der Sicherheitsabfrage muss der Kunde immer nur zwei Stellen, beispielsweise die zweite und vierte Zahl, angeben, damit unser Mitarbeiter am Telefon nicht die komplette PIN erfährt“, sagt Mayer.

Doch Kunden, die das erste Mal die Telefon-Überweisung nutzen wollen, können laut Mayer einmal einen Testlauf machen, bei dem statt einer PIN mehrere Sicherheitsabfragen getätigt werden – eben genau solche Fakten wie der Mädchenname. „Die Anruferin hat diese Fragen alle richtig beantwortet“, sagt Mayer. Und wusste offenbar auch, dass die Kinsauerin keine Telefon-Banking-Kundin ist und 2000 Euro die Höchstgrenze der Überweisung sind.

Bank-Mitarbeiter wurde misstrauisch

Trotzdem muss es eine Auffälligkeit gegeben haben. Denn das elektronische Sicherheitssystem habe Alarm geschlagen, sagt Mayer. Ein Verantwortlicher habe sich das aufgezeichnete Gesprächdanach noch einmal angehört und beschlossen, die 74-Jährige sicherheitshalber anzurufen – eine gute Entscheidung. „Zum Glück konnte die Überweisung noch gestoppt werden“, sagt Mayer.

Die 74-Jährige war erleichtert, will über die Heimatzeitung aber vor dieser neuen Betrugsmasche warnen und Anzeige bei der zuständigen Polizei Landsberg erstatten. Dort ist so ein Fall bisher noch nicht bekannt, ebenso wie bei den Polizeiinspektionen Weilheim und Schongau. Der Leiter des Impfzentrums Peißenberg, Christian Achmüller, schüttelte erstaunt den Kopf, als er von dem Vorfall hörte: „Betrugsversuche mit dem Thema Impfen gab es von Anfang an“, doch diese Masche sei ihm unbekannt. „Wir schicken die Impfbestätigung auch nur per E-Mail heraus, eine Scheckkarte gibt es nicht“, sagt er.

Weilheimer Rentner kontert Anruf von Betrüger raffiniert - Polizei gibt Tipps

Ziemlich pfiffig hat ein Weilheimer vor wenigen Tagen auf einen Anruf von Betrügern reagiert, wie die Polizei Weilheim nun mitteilt: Ein falscher Polizeihauptkommissar erzählte dem Mann nämlich seine bekannte Geschichte über angeblich festgenommene Einbrecher, die im Besitz von Kontodaten des Angerufenen seien. Der argwöhnende Rentner schlug daraufhin einfach vor, sich bei der Polizei Weilheim zu treffen. Dort würde er gerne das weitere Vorgehen besprechen.

Natürlich erschien der vermeintliche Hauptkommissar nicht bei der Polizeiinspektion Weilheim. Und von der Räubergeschichte war den richtigen Beamten dort freilich auch nichts bekannt, da sie erfunden war.

Im Zusammenhang mit dem gut ausgegangenen Fall warnt die Polizei Weilheim jetzt erneut vor Betrügern und gibt folgende Tipps:

  • Grundsätzlich wird die echte Polizei niemals Bargeld, Überweisungen oder Wertgegenstände von Ihnen fordern, um Ermittlungen durchzuführen!
  • Seien Sie unbedingt misstrauisch bei derartigen Anrufen!
  • Beenden Sie im Zweifelsfall das Gespräch schnellstmöglich, ohne persönliche Daten bzw. Informationen über vorhandene Wertgegenstände oder Bargeld preiszugeben!
  • Gehen Sie nicht auf Forderungen zur Überweisung oder gar Übergabe von Geldbeträgen ein!
  • Rufen Sie im Zweifelsfall die örtliche Polizei unter der im Telefonbuch eingetragenen Nummer zurück, in dringenden Fällen natürlich auch unter der Notrufnummer 110. Benutzen sie dazu aber nie die „Rückruftaste“ Ihres Telefons! Möglicherweise landen Sie so wieder bei den Betrügern.
  • Sie werden durch die Polizei auch nie unter der Notrufnummer 110 angerufen!
  • Alle aufscheinenden Telefonnummern des Anrufers können gefälscht sein! Im Internet können Rufnummern frei generiert werden; sog. Call-ID Spoofing.
  • Lassen Sie grundsätzlich keine Unbekannten in Ihre Wohnung!
  • Gesundes Misstrauen ist keine Unhöflichkeit! Fordern Sie von angeblichen Amtspersonen, wie z.B. Polizisten, den Dienstausweis! 

Alle Polizeimeldungen aus der Region Weilheim-Schongau gibt es in unserem Blaulichtticker.

Lesen Sie auch: „Über so einer Nummer steht schon Opfer drüber“: Die große Abzocke der Telefon-Mafia - und wie man sich wehrt

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