+
Neues Baugebiet in Kinsau: Grün schraffiert ist die Verdachtsfläche, wo möglicherweise eine alte Römerstraße verläuft. Diese soll zur Grünfläche werden.

Neue Chancen für junge Familien

Kinsau weist riesiges Baugebiet aus

  • schließen

Neue Chancen im Lechrain für Häuselbauer und junge Familien: Die Gemeinde Kinsau weist ein neues – und durchaus üppiges – Baugebiet aus. Voraussichtlich ab Anfang 2020 können sich Interessenten um die Bauplätze bewerben.

Kinsau Wohnraum ist knapp im Land – so ist die Nachfrage nach Bauland auch im Lechrain riesig. Die Gemeinde Kinsau hatte daher bereits vor vier Monaten einige Grundstücke gekauft: ganze drei Hektar, die im Westen an das Neubaugebiet (Keltenweg/Römerstraße) Richtung B 17 anschließen. In der jüngsten Gemeinderatssitzung einigte sich das Gremium nun auf eine Erschließungsvariante. Und beschloss gleichzeitig die „Aufstellung eines Bebauungsplans und die Änderung des Flächennutzungsplans“, wie es im Amtsdeutsch heißt. Als provisorischer Name dient der alte Flurname „Am Gänsstall“. Drei Hektar, das ist keine kleine Fläche. „Wir haben zwar noch keine konkreten Pläne, wie genau wir das parzellieren, aber grob gesagt, werden dabei 20 bis 25 Bauplätze rausspringen“, sagt Bürgermeister Marco Dollinger auf Nachfrage.

Ein Novum: Die Gemeinde möchte bei der Bebauung den Bauherren mehr Freiheit lassen. Es sollen, so Dollinger, nicht standardisierte Grundstücke entstehen, sondern es soll für jeden Geldbeutel etwas dabei sein. Sprich: kleine wie große Flecken. Und: Von der bisherigen Maßgabe, dass pro Grundstück maximal zwei Wohnungen oder ein Einfamilienhaus geplant werden, will man abrücken. Künftig sollen auch zwei Vollgeschosse, Doppelhäuser oder Dachgeschossausbauten möglich sein. Hintergrund dafür ist die allgemeine Tendenz – und Notwendigkeit – zum Flächensparen. Innerorts, so Dollinger, sei in Kinsau alles ausgereizt, mit Nachverdichtung gehe nicht mehr viel. Nun wolle man in dem Baugebiet gleich einiges besser machen: „Die klassische Einfamilienhausgeschichte ist einfach vorbei.“

Neben dem Argument der Flächennutzung liegen die Kinsauer da sicherlich auch demografisch im Trend: Die veränderten Familienstrukturen beeinflussen das Wohnen. Es gibt ebenso am Land mehr Alleinstehende, jung wie alt – und daher mehr Nachfrage nach mehr kleineren Wohnungen. Gleichzeitig verlangen Wohnmodelle wie das Mehrgenerationenhaus nach Häusern mit mehr abgeschlossenen Einheiten, in der die junge und die alte Generation jeweils ungestört leben kann.

Die Kinsauer fanden bei ihren neuen Flächen ein kleines Problem vor: eine so genannte Verdachtsfläche. Ein mehrere Meter breiter Streifen, in der laut Unterer Denkmalbehörde eine alte Römerstraße vermutet wird. Wer schon einmal die Erfahrung mit einem Bodendenkmal auf seinem Grund gemacht hat, weiß: Es kann teuer werden, wenn die Archäologen anrücken. Denn für die Kosten von Grabung und Untersuchung muss der Eigentümer gerade stehen.

Der Kinsauer Gemeinderat hatte sich eine pfiffige Lösung für diese „Verdachtsfläche“ überlegt. „Wir müssen ja sowieso einen Grünstreifen am Rand des Baugebiets schaffen. Da nehmen wir doch gleich diese Verdachtsfläche“, sagt Dollinger. Damit würde man kein wertvolles Bauland verbrauchen, man habe Flächen zur Oberflächenversickerung und der Bauherr hätte keine Scherereien. „Ich denke auch, dass dieser begrünte Streifen quer durch’s Baugebiet das Ortsbild attraktiv auflockern wird“, da ist Dollinger zuversichtlich.

Im nächsten Schritt müssen nun die angeschriebenen Behörden zu den Plänen der Gemeinde Stellung nehmen. In der Zwischenzeit werde die Parzellierung überdacht. Dollinger geht davon aus, dass in diesem Jahr die Ausschreibungen noch erfolgen und „vielleicht auch noch die Erschließung über die Bühne geht“. Erst nach der Erschließung könne man sich um ein Grundstück bewerben, also Anfang bis Mitte 2020.

Auch die Modalitäten der Grundstücksvergabe will man im Kinsauer Gemeinderat überarbeiten: Bislang gibt es ein Einheimischenmodell, bei dem junge Familien mit Kindern unter sechs Jahren als „Einheimische“ gelten. „Ob das so bleibt, kann ich nicht sagen. Aber es wird sicher irgendeine Art von Einheimischenmodell geben“, so Dollinger. Was er aber schon sicher sagen kann: „Die Nachfrage ist irre!“

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Die ganz große Auswahl: Acht Bewerber wollen Landrat im Raum Weilheim-Schongau werden
Das Kandidatenfeld für die Landratswahl für den Landkreis Weilheim-Schongau im März 2020 wächst und wächst. Bislang haben sieben Männer und die Amtsinhaberin den Hut in …
Die ganz große Auswahl: Acht Bewerber wollen Landrat im Raum Weilheim-Schongau werden
Wegen Pflegenotstands:  Betreutes Wohnen im Heiliggeist-Spital
Der Pflegenotstand ist in Schongau nicht nur angekommen, sondern hat bereits seine finanziellen Auswirkungen: Weil 14 Pflegezimmer im Heiliggeist-Spital wohl auch in …
Wegen Pflegenotstands:  Betreutes Wohnen im Heiliggeist-Spital
Werner Böglmüller zeigt Schelmisches in der Landvolkshochschule
Einmal im Jahr verändern die Wände in der Landvolkshochschule Wies ihr Aussehen. Dann, wenn ein Kunstschaffender aus der Region seine Werke aufhängt. Bis September 2020 …
Werner Böglmüller zeigt Schelmisches in der Landvolkshochschule
Verkehr in der Peitinger Ortsmitte: Nichtöffentlicher Beschluss wirft Fragen auf
Die Verkehrsführung in Peitings Ortsmitte und mögliche Lösungen für die Verkehrsbelastung waren Themen einer Anliegerversammlung, zu der die Gemeinde Anfang Oktober …
Verkehr in der Peitinger Ortsmitte: Nichtöffentlicher Beschluss wirft Fragen auf

Kommentare