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Marco Dollinger mit seiner Postkartensammlung

Zum Geburtstag der Postkarte

Sein größter Schatz sind Kinsauer Ansichten

  • Klaus Mergel
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Die Postkarte feiert in diesem Jahr ihren 150. Geburtstag. Zu ihren Fans gehört Marco Dollinger, Bürgermeister von Kinsau. Seine Sammlung historischer Postkarten umfasst etwa 1000 Stück – vornehmlich mit Ansichten seiner Heimatgemeinde.

Kinsau – Der größte Schatz von Kinsaus Bürgermeister Marco Dollinger ist nicht etwa die Gemeindekasse. Auch nicht das historische Wandgemälde, das bei den Umbauarbeiten des historischen Pfarrhofs entdeckt wurde. Sondern eine Menge Kartonpapier: Dollingers heimlicher Schatz besteht aus Ordnern und Kistchen, gefüllt mit alten Postkarten. Rund 1000 an der Zahl, und vornehmlich von ideellem Wert.

Wenn man den 43-Jährigen erlebt, wie er darin blättert und kleine Anekdoten zu den einzelnen Stücken erzählt, merkt man: Das ist wahre Liebe. Vor allem zur Heimatgemeinde. Die Leidenschaft begann vor etwa 15 Jahren. „Ich bekam eine Feldpostkarte meines Urgroßvaters in die Hände“, erzählt der 43-Jährige. Urgroßvater Anton Dollinger, genannt „der Schneider Toni“, schickte während des Ersten Weltkriegs seiner Familie eine Fotografie von sich, hoch zu Ross, in die Heimat.

Viele verschiedene Ansichten von Kinsau waren im Umlauf 

„Ich habe mich dann mit hauptsächlich erst mal Kinsauer Postkarten beschäftigt und war erstaunt, wie viele verschiedene Motive von dem kleinen Dorf damals verschickt wurden“, sagt Dollinger. Rund 60 bis 70 Ansichten, vermutlich sogar mehr, waren damals im Umlauf.

Viele davon hat Dollinger nach und nach erworben. Darunter Ansichten der Wallfahrtskapelle, von den damals zahlreichen Wirtshäuser oder der Zahnradbahn der Kinsauer Holzstofffabrik – übrigens der ersten Bahn dieser Art in Bayern überhaupt. Auf einer Karte sieht man die versammelte Belegschaft der Fabrik, die nur 20 Jahre lang existierte.

Auf manchen Karten sind nur Wohnhäuser abgebildet

Andere zeigen den Ort Kinsau von allen möglichen Perspektiven oder Gebirgstrachtentreffen mit imposanten Schnurrbärten. Auf manchen Exemplaren sind Wohnhäuser abgebildet, mal schäbig, mal herrschaftlich, die vermutlich reisende Fotografen den Bewohnern verkauften.

Manche dagegen sind nur bloße Mitteilungen: Etwa die schmucklose Karte, mit der ein Herr Ludwig Erhard 1911 in der Münchner Fleischfabrik Sieber „15 Pfund Ripperl“ bestellte. Versandhandel war damals also auch schon Usus.

Natürlich: Dollingers Liebe zur Heimatgemeinde steht beim Sammeln im Vordergrund. Doch im Laufe der Zeit hat er den Fokus auf Gemeinden wie Epfach, Apfeldorf oder Schongau ausgeweitet. „Wenn man die Karten anschaut, ist das eine wunderbare Reise durch unsere Region“, sagt Dollinger. Und: Er will die historischen Ansichten für die Nachwelt bewahren – denn die Dörfer und Landschaften sahen zum Teil damals völlig anders aus.

Neue Stücke findet man häufig über das Internet 

Neue Stücke erwirbt er vor allem übers Internet: Bei einem Euro geht es meist los. Aber seltene Stücke können bis zu 40 Euro kosten. Und wenn Dollinger an einem Antiquariat vorbeigeht, kann er meist nicht widerstehen und geht rein. Und kommt nicht selten mit einer Postkarte aus Kinsau wieder raus, die es im vergangenen Jahrhundert irgendwie in eine andere Gegend des Landes geschafft hat.

„Jeder hat seine Spinnerei“, sagt Dollinger lächelnd. „Für mich ist das mein einziges Hobby, dem ich mit meiner knappen Zeit auch mal abends oder nachts nachgehen kann.“

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