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Kinsauer will mit Satire für Transparenz sorgen

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Der Kinsauer Christoph Raab ist für „Die Partei“ im Landsberger Kreistag vertreten.
Der Kinsauer Christoph Raab ist für „Die Partei“ im Landsberger Kreistag vertreten. © Schmid

Erstmals ist „Die Partei“ in dieser Amtsperiode im Landsberger Kreistag – mit Christoph Raab aus Kinsau als einzigem Vertreter. Ob die Partei mit einem einzelnen Sitz was ausrichten kann?

Kinsau/Landsberg – „Selbstverständlich“, sagt Raab. Auch wenn es manchmal nur darum gehen mag, die Leute mittels Satire auf gewisse Entwicklungen oder Missstände hinzuweisen.

Dass er – als einziger Kinsauer seit Langem – in den Kreistag einziehen würde, hätten ihm viele im Ort nicht zugetraut: „Viele haben mich belächelt“, erinnert sich der 43-Jährige, der ursprünglich aus Berlin kommt und dort nach seinem Regiestudium unter anderem als Tourneemanager und persönlicher Assistent von Schauspieler Ben Becker tätig war. In Kinsau arbeitet er jetzt als Brillenmacher bei Optik Funk in Kinsau.

Fraktionsgemeinschaft gebildet

Viele hatten zunächst geglaubt, dass ein „Einzelkämpfer“ einer kleinen Partei wohl im großen Gremium „untergehen“ würde, was aber nicht der Fall ist. Denn im Kreistag ist Raab mittlerweile kein Einzelkämpfer mehr, sondern hat mit den drei Gremiumsmitgliedern der ÖDP eine Fraktionsgemeinschaft gebildet. Zu beiderseitigem Vorteil: Mit insgesamt vier Mitgliedern kann die Fraktionsgemeinschaft nun zwei weitere Ausschüsse belegen.

„Als kleine Partei käme ich sonst gar nicht so zum Zuge“, räumt Raab ein. So ist der Kinsauer nun dank der Fraktionsgemeinschaft ständiges Mitglied im Finanzausschuss sowie im Naherholungs- und Bäderausschuss des Kreises Landsberg. Zudem ist er erster Vertreter im Kreis- und Kulturausschuss sowie im Verwaltungsausschuss für das Klinikum. Daneben ist er im Inklusionsbeirat vertreten – doch für diesen darf sowieso jede Partei einen Vertreter schicken.

Entscheidung ohne Fraktionszwang

Gerade die Arbeit in den Ausschüssen findet der Kinsauer Kreisrat sehr interessant: Denn dort könnten eher noch die Weichen gestellt werden, wohingegen in den Kreistagssitzungen sehr vieles schon vorbesprochen sei und Änderungen dann schwieriger durchsetzbar seien. Seine Entscheidungen könne er ganz ohne Fraktionszwang treffen, betont Raab – dies sei ein großer Vorteil: „Ich bin völlig unabhängig in meinen Entscheidungen.“

Dabei sei er auch keinem Parteiprogramm verpflichtet, sondern stimme „frei nach seinen Überzeugungen“ ab. Als eines seiner Hauptziele sieht er es, „Transparenz zwischen dem Wähler und der Politik zu schaffen“.

„Die vier Stellvertreter des Thomas E.“

Ein wichtiges Mittel, um Transparenz herzustellen, ist für Raab die Satire, die ja seine Partei auszeichne. Er sieht es als seine Aufgabe, auf Missstände hinzuweisen – was zum Beispiel durch satirische Darstellungen im Internet geschehen kann.

Was das heißt, mussten seine Kreistagskollegen von der CSU gleich nach der konstituierenden Sitzung erleben, als Raab mit seiner Darstellung des „House of Kreistag“ („Die vier Stellvertreter des Thomas E.“) via Facebook die Tatsache anprangerte, dass Landrat Thomas Eichinger künftig gleich vier Vertreter hat. Raab sieht dies als Geldverschwendung an.

Insofern sieht er seine Rolle auch als „Beobachter“, der heikle Themen an die Öffentlichkeit bringt und vielleicht auch denjenigen nahe bringt, die sich sonst nicht so sehr für Politik interessieren. „Wir wollen die Leute darauf hinweisen, was falsch läuft“, sagt Raab.

Zu den Bereichen, die ihm persönlich sehr am Herzen liegen und für die er sich auf Kreistagsebene besonders einsetzen möchte, zählt der 43-Jährige die Kultur, die Jugendarbeit und den Kampf gegen Rechts.

Viele Wähler aus den Dörfern

Raab führte bei den jüngsten Kommunalwahlen die Liste von „Die Partei“ an und zog als Listenführer dann auch als einziger in den Kreistag ein. Dass er der erste auf der Liste war, war aber nicht der einzige Grund für seinen Wahlerfolg: Denn gerade in den Dörfern im südlichen Lechrain. in denen viele Wähler ihre Kreuzchen nicht einfach einer Partei geben, sondern lieber einzeln verteilen, bekam Raab sehr viele Stimmen. „Es war ausschlaggebend, dass ich hier in den Dörfern viel gewählt wurde, sonst wäre ich nicht reingekommen“, stellt er fest. Insgesamt entfielen rund 5500 Stimmen auf den Listenführer, auf seine Partei insgesamt 32 350. Damit ist Raab nun bayernweit das einzige Kreistagsmitglied seiner Partei: „Wir haben bei den Wahlen insgesamt 19 Kommunalparlamente in Bayern errungen“, erklärt der Kinsauer, „neben Sitzen in Stadt- und Gemeinderäten aber nur einen Kreistagssitz“.

Manuela Schmid

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