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Kinsaus Bürgermeister Marco Dollinger: Seit drei Jahren im Amt und seit einem halben Jahr am Schreibtisch im neuen Rathaus im historischen Pfarrhof.

Serie: Halbzeitbilanz der Kommunalwahl

Kontakt zu Bürgern macht am meisten Spaß

Bürgermeister Marco Dollinger, mit erst 36 Jahren 2014 ins Amt gewählt, und sein Kinsauer Gemeinderat haben drei Jahre Amtszeit hinter sich. Der bisherige Höhepunkt war die Pfarrhof-Sanierung.

Kinsau Der Vergleich mit dem halb vollen und dem halb leeren Glas kommt Bürgermeister Marco Dollinger in den Sinn, wenn es um Kritik und Lob der Bürger geht: „Es gibt doch immer solche und solche. Und allen kann man es nicht recht machen.“ Er selbst ist bei Rückblick auf die vergangenen drei Jahre „durchwegs zufrieden, wir haben einiges angeschoben“.

Zuallererst natürlich die Sanierung des denkmalgeschützten Pfarrhofs: „Eine tolle Geschichte“, so Dollinger, immer noch begeistert, „und neben der Arbeit des Gemeinderats auch den 140 Bürgern zu verdanken, die viel Herzblut und Arbeit reingesteckt haben.“ Dann wurden drei Baugebiete auf den Weg gebracht. Die Gewerbeansiedlung an der B 17 erweitert. Einiges an Straßenbau verwirklicht und nicht zuletzt der Breitbandausbau eingetütet: schnelles Internet für die Lechraingemeinde zum kleinen Preis.

Beim Breitbandausbau ist der erste Bauabschnitt im Oberdorf bereits abgeschlossen. Dollinger ist jedoch mit der Ausführung nicht ganz zufrieden, „zumindest mit der Bodenversiegelung, denn in den Boden kann ich nicht reinschauen“. Aber die ausführende Firma versprach bei der Abnahme bereits nachzubessern. Der zweite und der dritte Bauabschnitt (Unterdorf, Gewerbegebiet) stehen unmittelbar an.

Im Rückblick auf die erste Halbzeit seiner Amtszeit kam es laut Dollinger kaum zu Überraschungen. „Ich war ja vorher schon zwölf Jahre im Gemeinderat, da kriegt man das eine oder andere mit“, sagt er. Doch stopp! Verwaltungstechnisch habe er viel gelernt, und „Gottseidank habe ich ja meine Martha“ (Besel, die Gemeindesekretärin Anm. der Red). Spaß mache ihm der Posten, klar. Und das in allen Bereichen. „Aber am meisten wohl der Kontakt mit den Bürgern, die mit ihren Anliegen zu mir kommen.“

Bürgeranliegen führen aber manchmal auch zu Meinungsverschiedenheiten, wie Dollinger im Fall von Klaus Kirstein feststellen musste. Bauplatz oder nicht? – so lautete die Frage (wir berichteten). Nun fand ein Runder Tisch mit allen Beteiligten statt. Dollinger verrät nur so viel: „Die Argumente wurden ausgetauscht. Der Spielball liegt jetzt bei Klaus Kirstein, nicht mehr bei der Gemeinde. Warten wir’s ab.“ Er könne nur erneut darauf hinweisen, dass die Gemeinde nicht allmächtig sei und sich an Recht und Gesetz zu halten habe. Fügt aber hinzu: „Aber dies ist sicher ein besonderer Fall, das steht außer Frage.“

Für die Leistung seines Gemeinderats hat Dollinger viel Lob übrig: „Wir ziehen immer an einem Strang, meist sind die Entscheidungen einstimmig. Ich bin sehr glücklich über das Verhältnis.“ Zu dem Umstand, dass in der jüngsten Gemeinderatssitzung hitzig über sein Gehalt diskutiert wird, hat er jedoch nichts zu sagen: „Kein Kommentar.“

Eine lebhafte Diskussionskultur wird den Projekten der kommenden drei Jahre sicherlich nicht schaden, denn es geht um viel Geld und Entscheidungen von Tragweite. Darunter der Ausbau der Staatsstraße 2055 zur B 17: Deren Linienführung wird verlegt und ein Rad- und Fußweg hinzugefügt. Auch beim Anschluss an die B 17 – eine höchst unglückliche Verkehrssituation, unter der die Kinsauer schon lange leiden – ist Dollinger in Kontakt mit dem Staatlichen Bauamt: „Ein gutes Gespräch, wir haben eine Lösung gefunden, wie wir die Situation auflösen können.“

Dann steht neben dem Zusammenschluss der Notwasserversorgung mit Schongau eine Komplettsanierung der Trinkwasserversorgung an. Die Infrastruktur sei von 1964 und einfach in die Jahre gekommen, wie etwa die beiden Pumpen. „Sicherlich nicht zu früh, dass wir die sanieren“, so Dollinger. Das Ganze wird jedoch peu a peu passieren: Hier muss mit der Firma WipflerPlan (Marktoberdorf) eine Bestandsaufnahme gemacht werden.

Ebenso nach und nach gehen die Kinsauer zwei Bauprojekte an: Das alte Gemeindehaus, das derzeit vor allem die Feuerwehr und der Gartenbauverein nutzt. Und die Mehrzweckhalle. „Eine schwierige Raumsituation, man muss erst schauen, was dafür die beste Lösung ist.“

Große Dankbarkeit empfindet Dollinger gegenüber seinem Hauptdienstherren – der Bundeswehr. „Das war sicherlich nicht immer einfach. Mein Chef und meine Kameraden waren immer sehr verständnisvoll und sind mir stets entgegengekommen, dass ich meine Arbeit in der Gemeinde machen konnte.“ Dollinger ist unterm Strich zufrieden, wie es läuft in Kinsau. Äußert an Wünschen nur einen einzigen: „Dass meine Tochter gesund bleibt.“ Und diese betrifft auch etwas, worauf er sich 2017 freut: „Wenn sie im Herbst eingeschult wird.“

Ob er in drei Jahren noch einmal zur Wahl antreten will? Darüber möchte Dollinger sich nicht äußern. „Da will ich mich jetzt nicht festlegen, das wäre zu früh.“ Aber eine klare Aussage über die vergangenen drei Jahre kann er machen: „Ich habe keine Sekunde bereut, dieses Amt übernommen zu haben.“

Klaus Mergel

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