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Aus der Hand von Ministerpräsident Markus Söder (l.) hat Markus Amtmann aus Kinsau am Mittwoch die Christopheru s-Medaille erhalten.

Dramatisches Erlebnis

Mutiger Kinsauer verhindert Mord und wird so zum Lebensretter

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Es war ein Horrorerlebnis, auf das Markus Amtmann nicht gefasst war. Als der Kinsauer zu Besuch bei seiner Familie in Franken war, geschah auf dem Nachbargrundstück ein schreckliches Verbrechen. Zusammen mit seiner Mutter griff der Kinsauer CSU-Chef beherzt ein und rettete so ein Menschenleben. Dafür bekamen beide jetzt die Christopherus-Medaille verliehen.

Kinsau – Die Schreckensbilder sitzen so fest im Kopf des 45-Jährigen, dass er auch knapp drei Jahre nach dem Mordversuch noch immer alle grausamen Details vor Augen hat. „Da war so viel Blut, das können Sie sich nicht vorstellen“, sagt Markus Amtmann, der seit 2006 in Kinsau lebt.

Rückblick: Es war der 29. August 2016, als der Kinsauer zu Besuch bei der Familie in der fränkischen Heimat war. Zusammen mit seiner Mutter, der Ehefrau und den Kindern saß er draußen auf der Terrasse im beschaulichen Scheinfeld, als er vom Nachbargrundstück Stöhnen und Hilferufe hörte. Während seine Frau sofort die Kinder ins Haus brachte, eilten Amtmann und seine Mutter Karin (67) hinüber. „Die Nachbarin lag blutüberströmt am Boden, ihr Sohn war über sie gebeugt“, erinnert sich Amtmann an die Szene, die aus einem Horrorfilm stammen könnte. Wie sich herausstellte, war der psychisch kranke Sohn zuvor im Haus mit einem Messer auf seine Mutter losgegangen. 15 teils tiefe Messerstiche hatte er ihr am ganzen Körper zugefügt und ihr obendrein auf den Kopf geschlagen. Die Frau schleppte sich mit zwei Platzwunden am Kopf und den Messerstichen in den Garten und rief um Hilfe.

Ebenfalls zu Lebensrettern wurden drei Jugendliche aus dem bayerischen Penzberg. Auf dem Rückweg vom Sportunterricht stoßen sie auf eine Blutspur. Sie folgen ihr und finden einen schwer verletzten Mann im Wald.

Täter mit Gartenharke gedroht 

Amtmann und seine Mutter zögerten keine Sekunde und gingen auf den Täter zu. Karin Amtmann schrie ihn an, ihr Sohn drohte ihm mit einer Gartenharke. Der Mann ließ von seinem Opfer ab und ergriff die Flucht. Eine gute halbe Stunde später hatte ihn die Polizei gefasst.

„Wenn wir nicht eingegriffen hätten, hätte er seine Mutter zurück ins Haus gebracht und die Tat vollendet“, glaubt der Kinsauer, der später vor Gericht gegen den psychisch Kranken aussagte. Amtmann erfuhr, dass der damals 45-Jährige erst auf Bestreben seiner Mutter aus der Psychiatrie entlassen worden war. Doch er nahm nicht alle Tabletten, die ihm verschrieben worden waren, und er hatte Zugang zu Alkohol. So kam es zu dem Mordversuch an seiner Mutter.

Der Kinsauer und seine Mutter retteten danach der Nachbarin, die bei der Tat eineinhalb Liter Blut verlor, das Leben. Sie versorgten die Platzwunden am Kopf und setzten den Notruf ab.

Für ihren mutigen Einsatz bekamen die beiden nun von Ministerpräsident Markus Söder die Christopherus-Medaille verliehen. Markus Amtmann kam zur Verleihung in die Residenz nach München, seine Mutter nicht. Sie hatte schon 2018 eine Auszeichnung für Zivilcourage vom Innenminister erhalten, sie möchte nicht erneut an den Tag erinnert werden. „Für sie ist das rum“, erklärt ihr Sohn, der das nur zu gut verstehen kann.

Er könne immer „in sein schönes Kinsau zurück“, sagt Amtmann, der dem örtlichen Sportverein und der CSU vorsteht und im Gemeinderat sitzt. Seine Mutter muss dagegen weiter neben der zum Glück voll genesenen Nachbarin leben. Von der hat sie allerdings nie ein Wort des Danks erhalten, weiß der Kinsauer. Ganz im Gegenteil: Sie macht den Amtmanns den Vorwurf, dass ihr Sohn wegen deren Zeugenaussagen wieder zurück in die Psychiatrie musste. „Aus der wird er zum Glück nie wieder entlassen“, so Amtmann.

Dank seines Berufes hat der Kinsauer die Erlebnisse recht gut verarbeiten können. Als Stabsoffizier bei der Bundeswehr ist er auf Krisensituationen vorbereitet. Auch wenn dort mit Kunstblut geübt werde, sagt er. Seine Kinder – zur Tatzeit sechs und neun Jahre alt – hatten von dem Verbrechen zum Glück nichts mitbekommen.

Auch interessant: Halbseitige Straßensperre vor dem Schulzentrum macht Schongau erneut zum Nadelöhr. 

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