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Restaurator mit Fingerspitzengefühl: Christian Breidenbach in seiner Werkstatt mit einer der historischen Türen aus dem Kinsauer Pfarrhof.

Restaurator für kinsauer pfarrhof

Restauration mit Fingerspitzengefühl

Kinsau - Christian Breidenbach aus Steingaden übernimmt nun einen Großteil der Schreinerarbeiten im Pfarrhof Kinsau. Das Gewerk, bei dem viel Fingerspitzengefühl gefragt ist.

Breidenbach hatte bei einem Termin im Pfarrhof Kinsau dem zweiten Bürgermeister Alexander Resch seine Technik demonstriert: „Das funktioniert einwandfrei“, sagte Resch überzeugt. So beschlossen die Kinsauer in der jüngsten Gemeinderatssitzung: Breidenbach soll die Restaurierung der zwölf Türen und der Holzböden übernehmen. Er war zudem der Günstigste bei der Ausschreibung: Sein Angebot – von vier Anbietern – lag mit knapp 40 000 Euro sogar etwa 8000 Euro unter der Kostenschätzung der Architekten.

Was vielleicht noch mehr wog: Mit seiner Erfahrung geht der Handwerker schonender vor als bei der Empfehlung der Denkmalpfleger. Statt den Lack der Türen chemisch zu entlacken – also komplett mit Nitroverdünnung abzuwaschen – bereitet Breidenbach die lackierten Türen aus dem Erdgeschoss des Pfarrhofs mechanisch vor: Mit Stahlklingen und Schleifbürsten werden sie bis auf eine tragende Schicht bearbeitet. „Da ist eine Schmierschicht drin, die muss weg. Teilweise wurden die Türen zehn Mal überstrichen“, erzählt Breidenbach beim Besuch in seiner Werkstatt „El Carpinteiro“ in Steingaden.

Vorsicht ist geboten. Denn was weg ist, ist weg

Eine zeitraubende Angelegenheit. Später wird er die Türen mit einem Grauton in dem originalen Grauton lackieren. Mit einer Ölfarbe. Vorgegeben war eigentlich ein Acryllack. „Aber die Ölfarbe ist elastischer und krallt sich besser in den Untergrund“, erklärt Breidenbach.

Die geölten Türen aus dem Obergeschoss waren mit Leinölfirnis behandelt. Hier greift Breidenbach auch nicht gleich zur Chemie. „Damit geht die ganze Patina verloren“, sagt er. Erst mal mit Messer und Spachtel die verkrusteten „Nasen“ entfernen, dann nur leicht mit Nitroverdünnung abwischen. Denn: Was weg ist, ist weg.

Bei der einen oder anderen Tür müssen Sünden der Vergangenheit ausgebessert werden. Wenn etwa die originale Türfüllung aus dem Barock gegen ein rechteckiges Brett irgendwann getauscht wurde. „Verbasteln“ nennt man das. „Ich muss die ganze Tür zerlegen, um das wieder in den Originalzustand zu bekommen“, sagt Breidenbach. Bei einer anderen Tür baute jemand ein Einsteckschloss ein. Da dieses die Tür zu stark schwächte, leimt Breidenbach ein passendes Holz ein und setzt ein altes Kastenschloss auf. Sogar eines, das tatsächlich aus dem Pfarrhof stammt: Eine ganze Kiste davon wurde beim Ausräumen dort gefunden.

Dielenböden werden mit Neutralseife gewaschen

Bei den Dielenböden vermutet der Laie: Abschleifen, oder? Fehlanzeige. Teils waren sie mit Leinöl eingelassen, teils unbehandelt. Breidenbach säubert sie alle, wäscht sie mit Neutralseife, bessert die gröbsten Verletzungen aus. Erst dann wird mit farblich abgestimmten Leinöl und Wachsöl konserviert – oder eben nur mit Holzbodenseife gepflegt.

Wo allerdings neues Holz zum Einsatz kommt, ist im Flur des Obergeschosses vom Pfarrhof. In der Sitzung überlegten die Kinsauer Gemeinderäte, die schmalen Dielen aus dem Jahr 1924 zu restaurieren – oder sie zu ersetzen. „Die sind nicht wirklich historisch. Und der Boden wird doch stark beansprucht“, erklärte dazu Bürgermeister Marco Dollinger: Er könne sich gut vorstellen, neue Massivholzdielen aus Eiche auf den bestehenden Boden einzubauen. Kostenpunkt: rund 11 000 Euro statt der geschätzten 4000 Euro. Die Kinsauer Gemeinderäte teilten seine Meinung: Manchmal ist eben etwas Neues doch sinnvoller.

Klaus Mergel

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