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Kirchenpfleger Dietmar Hefele (links) und Stellvertreter Alexander Resch zeigen die schadhaften Balken im Kirchenschiff der Kinsauer Pfarrkirche bei einer Dachbegehung.

Von 18 Balken war nur einer in Ordnung

Kinsau - Während die Sanierung des Kinsauer Pfarrhofs beendet und das Rathaus bereits eingezogen ist, ist man in der Nachbarschaft noch gut beschäftigt. Bei der Pfarrkirche St. Matthäus sind erhebliche statische Mängel zu beseitigen. Neben beschädigten Dachreitern weist die Balkenauflage des Dachs kritische Schäden auf, seit Juli sind die Zimmerer am Werk. Kostenpunkt: 300 000 Euro.

Zuerst sah alles ganz harmlos aus. „Wir wollten eigentlich nur am Turm den Putz ausbessern und neu malern“, sagt bei einer Ortsbegehung Alexander Resch, stellvertretender Kirchenpfleger. Es stellte sich heraus: Sämtliche Dachreiter des Hauptschiffs sind kaputt und lassen Feuchtigkeit ins Dach. Auffällig: Fast alle weisen die gleichen Schäden auf.

War das Dach schon damals schadhaft?

„Da haben die bei der letzten Dachsanierung in den 1970ern wohl einen schlechten Ziegelbrand erwischt“, vermutet Kirchenpfleger Dietmar Hefele. Schlimmer noch: Bei der folgenden statischen Untersuchung stellte sich heraus, dass im Bereich der Fußpfetten – also der Knotenpunkte des Gebäudes – einiges faul ist. Von 18 Zugbalken, die das Gebäude zusammenhalten, waren 17 an den Köpfen verfault. Zum Teil durch eingetretene Feuchtigkeit, zum Teil möglicherweise durch den Schutt und Dreck. Den hatte man bei der letzten Dachsanierung einfach im unteren Dachbereich liegen lassen – aus Bequemlichkeit. Und mit einem Maß von 28 mal 28 Zentimeter sind diese Balken eigentlich recht solide.

Resch – im Zivilberuf als Maurermeister sachkundig – vermutet jedoch, dass das Dach damals schon schadhaft war. „Da hatte man wohl nicht darauf geachtet, sondern nur das Dach neu eingedeckt. So richtig sind die damals nicht rangegangen.“ Glück im Unglück: Das Mauerwerk hat seine Position trotz mangelhafter Zugkräfte nicht verändert.

Die Pfarrkirche St.Matthäus in Kinsau ist seit etwa einem Monat in ein Gerüst gehüllt.

Für den gewaltigen Sakralbau folgte nun ein langwieriges Prozedere, bevor es los ging. Das Statikbüro Mögele checkte alle Balken auf Herz und Nieren und katalogisierte sie. Das Kirchenschiff wurde eingerüstet. Dann wurde das Dach geöffnet. Der Fußbereich des Dachs musste komplett von Schutt befreit werden. Und nicht zuletzt untersuchten Vogelschützer das Dach auf Fledermäuse, die man eventuell durch die Bauarbeiten beim Brüten stören könnte.

Erst dann konnte die Zimmerei Hölzle (Erkheim) beginnen, die Zugbalken mit Eichenverleimungen auszubessern, einen nach dem anderen. Daneben sind auch Schäden an der Fußpfette zu beseitigen, auch das Mauerband wird nach und nach ausgetauscht. Die Dacheindeckung wird jedoch bleiben, laut Architekt Herbert Pflanz sind die Biberschwanz-Dachziegel in einwandfreiem Zustand. Aus Kostengründen wird auf einen neuen Fassadenanstrich verzichtet.

Laut Kirchenpfleger Hefele beteiligt sich die Diözese Augsburg an den geschätzten Kosten von 300 000 Euro mit knapp 75 Prozent. „Auch die Gemeinde Kinsau hat sich sehr großzügig gezeigt“, ergänzt Resch. Von ihr kommen 50 000 Euro Beitrag. Nach der Reparatur des Hauptschiffs folgt die des Turms. Kirchenpfleger Hefele rechnet mit dem Abschluss der Arbeiten erst im kommenden Jahr.

Und dann sollte auch noch die Orgel repariert werden

Bei dem Instrument wurde Pilzbefall festgestellt. Für diese Kosten muss die Pfarrgemeinde jedoch selbst aufkommen. „Vielleicht können wir dafür ein paar Spenden auftreiben“, hofft Alexander Resch.

Klaus Mergel

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