Kita-Tarifkonflikt: Keiner ist zufrieden

Peiting - Der Kita-Tarifkonflikt bleibt ungelöst - das gilt auch für die gemeindlichen Peitinger Kindergärten.

Der Kita-Tarifkonflikt bleibt ungelöst - das gilt auch für die gemeindlichen Peitinger Kindergärten. Dort ist man über die vorgeschlagenen 4,5 Prozent Gehaltserhöhung nicht begeistert. Bei der Gemeinde beobachtet man das Ringen um ein Ergebnis rein schon aus finanziellen Gründen wieder aus einer anderen Perspektive.

Sie haben drei Tage gestreikt, für mehr Lohn und vor allem auch für mehr Anerkennung: Die Erzieherinnen und Kinderpflegerinnen des gemeindlichen Therese-Peter-Hauses für Kinder und des Rathaus-Kindergartens. In den Städten ist das Personal noch länger auf die Straße gegangen. Zufriedenstellend findet man die Empfehlung der Tarifschlichter vielleicht vor allem wegen der nachdrücklichen Aktionen auch in Peiting nicht: „Eine Gehaltserhöhung von zwei bis 4,5 Prozent ist keine Aufwertung unseres Berufsbildes“, erklärt Erzieherin und stellvertretende Einrichtungsleiterin des Therese-Peter-Hauses für Kinder, Rita Ullrich, auf Anfrage. Dies sei auch der Tenor im Kollegium - zugleich sind die Erzieherinnen und Kinderpflegerinnen da auch auf Verdi-Linie.

Die Gewerkschaft hat bereits angedeutet: Selbst zu einer geänderten Fassung, die aus der heute endenden Tarifrunde hervorgehen dürfte, müssen in den nächsten vier Wochen erst noch die Mitglieder befragt werden. Will heißen: Wer zehn Prozent gefordert hat, kann mit zwei bis 4,5 Prozent nicht zufrieden sein. Zumindest eines sieht man in Peiting schon mal positiv: Alle Berufsgruppen sind in der angedachten Gehaltssteigerung berücksichtigt - Erzieher wie auch Kinderpfleger - betont Rita Ullrich.

Ob das Personal der gemeindlichen Kindergärten nochmal auf die Straße gehen würde, darüber habe man sich noch keine Gedanken gemacht. Aktuell sei nichts geplant, und im Falle eines Streikaufrufs würden die Karten neu gemischt.

Im städtischen Kindergarten Regenbogen in Schongau, wo ebenfalls gestreikt worden ist, möchte man sich zum laufenden Tarifkonflikt und zum Streik nicht äußern, so Leiter Ludwig Hahn auf Anfrage der SN.

Nachdenklich gibt man sich im Peitinger Rathaus. Ein neuerlicher Streik: Das wäre sicherlich nicht angenehm, räumt Hauptamtsleiter Stefan Kort ein. Nachvollziehbar sei die Haltung von Verdi in dem Tarifkonflikt durchaus: Die Zahlen zehn und 4,5 liegen eben doch weit auseinander. „Wir sehen es mit Bedauern, wenn sich das noch länger hinzieht, von der Kostenseite beobachten wir die Sache aber durchaus kritisch.“

Denn irgendwo muss das Geld ja herkommen. Sicher: Für die Kinder, „das beste Gut“, gibt man es ja gerne aus - so hat es auch Peitings Bürgermeister Michael Asam zum 25. Geburtstag von Kindergarten und Schule erst vor einer Woche betont. Und trotzdem: Selbst 4,5 Prozent mehr für die Erzieherinnen und Kinderpflegerinnen sind ein Batzen Geld.

Auf 1,1 Millionen Euro pro Jahr belaufen sich derzeit die Personalkosten für Jugendzentrum und Kindertagesstätten in Peiting. Geht man von einem Tarifabschluss mit einer Gehaltserhöhung von durchschnittlich 4,5 Prozent aus, so wären das Mehrkosten von 50 000 Euro, rechnet Stefan Kort vor. Eine Summe, die zumindest zum Teil durch eine Beitragserhöhung abgedeckt werden müsse. Immerhin ist der Bereich „Personalausgaben im Bereich Jugend und Kinder“ in Peiting mit 23 Prozent fast ein Viertel aller gemeindlichen Personalkosten.

Hinzu kommt die Sache mit dem Gesamtgefüge. Auf Deutsch: „Was ist mit dem Rest vom Schützenfest?“ Bekommen die Erzieher mehr, möchten auch die anderen Berufsgruppen mehr. Bautechniker, Verwaltung, Bauhof-Mitarbeiter. Letzterer hat eine dreijährige Ausbildung hinter sich, steigt mit 2146 Euro brutto ein und endet bei maximal 2733 Euro brutto. „Da liegt der Erzieher jetzt schon deutlich drüber“, so Kort.

Klar, räumt er ein: Das ist Äpfel mit Birnen vergleichen. Nichtsdestotrotz bleibt die Angst, dass bei einem exorbitanten Abschluss der Erzieher das gesamte Gehalts-Gefüge auseinanderbricht. Denn auch bei künftig anstehenden Tarifkonflikten würde der Druck auf die Arbeitgeberseite wachsen. Zehn Prozent mehr fordern: Das ist schon eine Kante.

Schafft es Verdi, nochmal einen draufzulegen beim Abschluss, „dann kommen wir auch künftig schon fast nicht mehr aus“, fürchtet Kort. Er sitzt zwischen den Stühlen. Gemeindlicher Haushalt, Wohl der Mitarbeiter, Wohl der Kinder. Was auch unabhängig vom endgültigen Tarifabschluss weiter fehlen wird, ist eine Lösung, die alle gänzlich zufriedenstellen kann.

Barbara Schlotterer-Fuchs

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