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„Bücherfreund“: Karl-Heinz Rassel ist Bibliothekar in Herzogsägmühle.

Herzogsägmühle

Kleine Bücherei mit Platzproblemen

In Vielem gleicht Herzogsägmühle längst eher einem ganz normalen Dorf als einer Sondereinrichtung der Diakonie. Sogar mit einer eigenen Leih-Bücherei kann man aufwarten. Allerdings sind die Räumlichkeiten im ehemaligen Peitnachhof mittlerweile arg beengt.

HerzogsägmühleEs gibt in Herzogsägmühle einen Dorfplatz mit einem Maibaum, eine denkmalgeschützte Kirche, ein Dorf-Gasthaus und einer Versammlungshalle drumherum, als Zugabe einen Super-Markt und anderes mehr. Außerdem verfügt das Dorf über eine Einrichtung, die längst nicht jede Kommune aufzuweisen hat – eine eigene kleine Leih-Bücherei mit immerhin 4500 Büchern. Diese etwas andere Bücherei residiert in einem inzwischen viel zu engem Raum im Erdgeschoss des historischen Gründungsgebäudes der ehemaligen Arbeiterkolonie, dem Peitnachhof.

Karl-Heinz Rassel (73), der ehrenamtliche Bibliothekar, der sich selbst in Aushängen „Bücherfreund“ nennt und Träger der Verdienstmedaille von Herzogsägmühle ist, hat die seit 1988 bestehende Bücherei 1992 übernommen. In mühevoller Fleißarbeit hat er eine inzwischen allerdings überarbeitungsbedürftige Verleihliste angelegt. Das Ausleihen der Bücher aus allen Sachgebieten von Belletristik bis hin zum Sachbuch erfolgt auf Vertrauensbasis, was allerdings auch nur deshalb möglich ist, weil die Bücherei keinen Massenbetrieb darstellt.

„Wir bekommen immer wieder Bücherspenden“, berichtet er. Bedacht wird die Bücherei beispielsweise auch von Münchener Krankenhäusern, wenn dort Büchereien Revisionen unterzogen werden. Vieles davon ruht derzeit allerdings in Kisten, weil die räumlichen Möglichkeiten, die Bücher zu präsentieren, erschöpft sind.

Geöffnet ist die Bücherei im Übrigen dreimal in der Woche, montags, mittwochs und freitags jeweils zwischen 16 und 18 Uhr. Der zeitlängste Bücherei-Besucher dürfte mittlerweile der 72 Jahre alte Peter Echter sein, der im Prinzip regelmäßig jede Woche bei Karl-Heinz Rassel hereinschaut. Er leiht nicht nur aus, er bringt auch Nachschub. „Ich kaufe ständig in der Wühlkiste ein und bringe dann ausgelesene Bücher in die Bücherei mit“, erzählt er. Echter ist das, was man getrost Leseratte nennen darf: „Wenn die Bücher spannend sind, lese ich zwei, drei in vierzehn Tagen“, sagt der frühere Arbeiter Echter, der seit 1997 in Herzogsägmühle lebt und dort auch in verschiedenen Funktionen und diversen Betrieben tätig war. Er schätzt Krimis, darunter auch die heimatverbundenen wie die Kluftinger-Reihe. Aber auch Western liest er gerne und nennt als einen seiner Lieblingsautoren Konsalik.

Konsalik steht auch bei Klaus Fiausch (77) an vorderster Stelle, wenn es um entspannende Lektüre geht. Der Mann mit den sechs Berufen, darunter Grafik-Designer und Architekt, ist seit einem Jahr Bewohner von Herzogsägmühle und stetiger Besucher der Bücherei. „Ich suche aber vor allem auch Reise-Literatur, die ich für meine Texte zu Dia-Reisevorträgen heranziehen kann“. Und auch er wird in der kleinen, etwas anderen Bücherei des Dorfes immer wieder fündig. So geriet ihm beispielsweise ein Buch über ein ganz fernes Land in die Hände – Lesestoff über Kambodscha.

Rüdiger Matt

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