Überraschende Pläne

Klinik Peißenberg zieht nach Schongau

Peißenberg/Schongau - Das Krankenhaus Peißenberg soll früher als geplant geschlossen werden – nämlich 2016. Die Station sowie die Mehrheit der Mitarbeiter ziehen von Peißenberg mit nach Schongau um.

Das sehen die überraschenden Pläne der Krankenhaus GmbH des Landkreises vor, die Landrätin Andrea Jochner-Weiß bestätigte. Eine endgültige Entscheidung darüber treffe der Aufsichtsrat, und der tagt am kommenden Mittwoch. Sollten die Pläne umgesetzt werden, dann würden alle der knapp 50 Mitarbeiter am Krankenhaus in Peißenberg weiterbeschäftigt. Die überwiegende Mehrheit solle mit Chefarzt Fischer und der weiter existierenden Inneren Station nach Schongau umziehen. Räume seien vorhanden. Den Mitarbeitern, die nicht mit nach Schongau können, soll in Weilheim ein Arbeitsplatz angeboten werden, so Jochner-Weiß. Die Mitarbeiter seien über die Pläne informiert.

Ausgelöst hat den Wechsel die Kündigung von Dr. Andreas Eder, der erst seit Jahresbeginn Ärztlicher Direktor der Schongauer Klinik war und jetzt an eine Privatpraxis in unmittelbarere Nähe des Krankenhauses wechselt. Bei der Frage, wer die Nachfolge antreten soll, kam laut Jochner-Weiß der Name „Fischer“ ins Spiel, der sich bereiterklärte, ab 1. Oktober die Leitung zu übernehmen und mit seinem Team nach Schongau zu wechseln. Für das Haus in Schongau bedeute dies in jedem Falle eine „Aufwertung“ und eine Verbreiterung des Angebotes im Bereich „Innere Medizin“, so Jochner-Weiß. Fischer ist Spezialist für Herzschrittmacher und Defibrillatoren. Schongau (180 Betten) ist auf der Inneren Station auf gastroenterologische Erkrankungen spezialisiert.

Übergangsweise für die nächsten beiden Jahre soll Fischer mit seinem Team, wenn der Aufsichtsrat dem zustimmt, beide Häuser führen, bis dann im nächsten Jahr das ehemalige Krankenhaus der Knappschaft, das noch über 35 Betten verfügt, in Peißenberg nach fast 140 Jahren endgültig geschlossen werden soll. Bisher hatte der Landkreis dies für 2018 geplant, wenn die derzeit laufende Sanierung am Krankenhaus Weilheim abgeschlossen ist.

Landrätin Jochner-Weiß, die auch Vorsitzende des Aufsichtsrates ist, trat Gerüchten entgegen, wonach das Haus, das sich im Besitz der Bundesknappschaft befindet, künftig als Unterkunft für Asylbeweber genutzt werden soll. „Das schließe ich aus.“ Wie es mit der Immobilie weitergeht, konnte Jochner-Weiß nicht sagen, es gebe mehrere Überlegungen. Derzeit sind dort eine Kurzzeitpflege der Caritas und eine Tagespsychiatrie untergebracht.

„Was Besseres konnte uns nicht passieren, eine solche Gelegenheit kommt nicht wieder“, so Fischer über den Quasi-Umzug an den Lech, der von den Mitarbeitern „positiv und sehr verständnisvoll“ aufgenommen worden sei. Eine echte Perspektive für das Haus, in dem Fischer seit über 30 Jahren als Chefarzt arbeitet, habe es nicht gegeben. Er sei von Schongauer Kollegen gebeten worden, den Posten des Ärztlichen Direktors zu übernehmen. „Wir sind willkommen, nicht lästig.“

Das Krankenhaus Peißenberg (einst 100 Betten) war in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder von Schließung bedroht, Abteilungen wurden geschlossen, zum Beispiel die Chirurgie und die Geburtshilfe. 

„Verwirkliche einen Herzenswunsch“ 

Es sei „keine Trennung im Unfrieden“, betont Dr. Andreas Eder, zur Zeit noch Chefarzt der Inneren und Ärztlicher Direktor am Schongauer Krankenhaus, sondern vielmehr „eine Herzensentscheidung“ gewesen. Er wird sich Ende des Jahres beruflich verändern und zum 1. Januar 2016 als gleichberechtigter Partner in die Praxis für Gastroenterologie und Endoskopie von Dr. Roland Eberle einsteigen

Warum er dann überhaupt den Posten als Ärztlicher Direktor in Nachfolge von Dr. Ruprecht von Welser angenommen hat? „Das ist mehr aus der Not heraus geboren worden, weil es damals keinen Nachfolger gab. Wäre ich an der Klinik geblieben, hätte ich diese Position ohnehin wieder abgegeben“, verrät Eder auf Nachfrage der Heimatzeitung. Und weiter: „Ich hänge nicht an Posten, war mir von Anfang an klar darüber, dass das nur eine vorübergehende Sache für mich sein würde.

Ganz ausscheiden will Eder im Schongauer Krankenhaus indes nicht. „Ich kann mir zum einen eine enge Kooperation mit dem Haus auch in Zukunft vorstellen und schließe darüberhinaus nicht aus, künftig auch als Belegarzt weiter tätig zu sein.“ Entsprechende Gespräche müssen jedoch erst noch geführt werden.

Zu seiner neuen Aufgabe erklärt Eder: „Es war meine eigene Entscheidung und eine Entscheidung, die schon länger anstand, die ich aber jetzt durchziehen musste, wenn es noch einen Sinn haben soll.“ Eder wird demnächst 54 und glaubt, „dass man sich in den 50ern noch mal einer neuen Aufgabe stellen sollte“. Als Konkurrenz zur bereits im Krankenhaus bestehenden Endoskopie sieht er die Gemeinschaftspraxis, die im Nebenhaus angesiedelt ist, nicht. „Ich glaube, dass es genug Arbeit für beide gibt. Da nimmt niemand dem anderen etwas weg“, ist er überzeugt.

jt/spe

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