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Der neue Werkleiter Wolfgang Ohnesorg vor dem Firmenlogo im Schongauer Werk.

Pressegespräch

Knallharter Konkurrenzkampf - auch unter UPM-Werken

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Schongau - Seit 1. April ist Wolfgang Ohnesorg Werkleiter des Schongauer UPM-Werks. Die Einarbeitungszeit ist vorbei, jetzt stellte er sich zum Pressegespräch – und gab einen kleinen Einblick, wie knallhart der Konkurrenzkampf selbst innerhalb des Unternehmens ist.

Über seinen überraschenden Wechsel aus Augsburg, wo er das dortige Werk sowie die Papierfabrik in Plattling (Niederbayern) leitete, nach Schongau als Nachfolger des überraschend abberufenen Caius Murtola wollte Ohnesorg keine Worte mehr verlieren. Nur dass er sich gefreut hat, viele bekannte Gesichter wiederzusehen, lässt er heraus: „Ich kenne Schongau schon lange, denn ich war 1989 bei der Inbetriebnahme der Papiermaschine 7 mehrere Monate vor Ort.“ Dass Ohnesorg nach mehr als 25 Jahren noch immer viele Mitarbeiter und Führungskräfte von damals kennt, spricht für die Kontinuität der derzeit rund 500 Beschäftigten – und das ist für Ohnesorg auch ein großer Trumpf des Standorts Schongau: „Die Identifikation der Mitarbeiter mit dem Schongauer Werk ist sehr hoch, das spürt man in den Gesprächen.“

Auch die Effizienz sei hervorragend, da sei Schongau schon immer führend gewesen innerhalb des Unternehmens. Das ist wichtig, denn der Wettbewerb nicht nur mit den Konkurrenten ist im schrumpfenden Zeitungs- und Zeitschriftenmarkt hoch („wer ein Massenprodukt herstellt, muss wettbewerbsfähig sein“), sondern auch innerhalb von UPM. „Die Kostenkontrolle ist knallhart“, so Ohnesorg. „Wenn man einen Großkunden hat, bekommt das Werk den Auftrag, das die geringsten Kosten hat.“ Allein in Deutschland hat UPM sieben Papierfabriken, weitere fünf in der Heimat Finnland sowie Standorte in Österreich, Frankreich, Großbritannien und den USA. Insgesamt sind es 17 Werke.

„Wir müssen immer besser werden“, so die Devise von Ohnesorg. Man müsse mit einer permanenten Überkapazität umgehen können. „Das ist auch der Grund, warum immer wieder Maschinen oder Werke stillgelegt werden.“ So wurde im Oktober 2013 beispielsweise die Papiermaschine 4 im Partnerwerk Ettringen (Unterallgäu) verkauft. Ein Schicksal, dass Schongau nicht treffen sollte. Ist es bei so einem Konkurrenzkampf nicht kontraproduktiv, wenn Ohnesorg für zwei Werke parallel die Verantwortung trägt, zumal beide seiner Aussage zufolge auch das selbe Produkt herstellen? „Nein, weil wir uns wegen der regionalen Nähe befruchten und austauschen“, so Ohnesorg.

Beim Thema Kosten spielt Energie natürlich eine wichtige Rolle. Dank des neuen Kraftwerks wird im Schongauer UPM-Werk der gesamten Dampfbedarf sowie 70 Prozent des Strombedarfs durch Kraft-Wärme-Kopplung selbst erzeugt. Dazu kommen acht Prozent durch Wasserkraft – bleibt eigentlich nicht viel übrig. Doch weil der Energieverbrauch wie bei allen Papierherstellern so gigantisch hoch ist, spielen die Strompreise eine elementare Rolle, die in der Vergangenheit immer schwieriger geworden ist. „Bei viel Sonne und Wind an einem Sonntag kann es negative Stormpreise geben, das ist wirklich pervers“, sagt Ohnesorg. Auf der anderen Seite schnellen die Kosten manchmal derart in die Höhe, dass es theoretisch billiger wäre, die Maschinen anzuhalten, die bei UPM an 350 Tagen im Jahr laufen. „Da muss man eben vorausplanen.“ Von heute auf morgen einige Schichten abzubestellen, „würde der Betriebsrat nicht mitmachen“, sagt Ohnesorg lachend.

Mit Bürgermeister Falk Sluyterman hat er sich kürzlich getroffen, die Nähe zur örtlichen Politik ist ihm wichtig. „Wir sind ein großer Arbeitgeber mitten im Ort, da muss man Kontakt halten“, so Ohnesorg. Künftig hat er dafür noch mehr Zeit: Ab 1. Juli wird er das Werk Plattling, das er interimweise noch geführt hatte, abgeben. Ein Externer soll kommen, eher ungewöhnlich im Unternehmen. „Manchmal ist es richtig, mit frischem Blut neue Ideen reinzubringen“, sagt Ohnesorg dazu. Für neue Ideen in Schongau will er aber selber sorgen – hoffentlich länger als die etwas mehr als zwei Jahre, die sein Vorgänger Murtola im Amt war.

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