Freuen sich über die gelungene Restaurierung (von links): Orgelbauer Michael Jocher, Wiesorganist Anton Guggemos und Professor Hans Pörnbacher. foto: hg

Königin der Instrumente begeistert

Peiting - Begeistert zeigte sich Professor Hans Pörnbacher von der gelungenen Restaurierung der Barockorgel von Gaden. Möglich gemacht hatte das der Peitinger Orgelbauer Michael Jocher.

Die Pfarrei Langenbach-Gaden kann sich glücklich schätzen, mit ihrer Orgel ein für Süddeutschland äußerst bedeutsames, historisches Instrument höchster Wertigkeit zu besitzen. Lange Zeit führte das zu den wertvollsten Orgelpositiven der Erzdiözese München und Freising zählende Juwel ein klägliches Dasein und war unbespielbar. Bis es Kirchenmusikdirektor Gerald Fischer im September 2009 so nebenbei auf der Empore von St. Jakob entdeckte. „Das ist eine historische Rarität aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts“, warb der Orgelsachverständige Wolfgang Kiechle für die Restaurierung.

Kiechle war sehr angetan von der Qualität der Verarbeitung aus der Zeit von Johann Sebastian Bach. Michael Jocher faszinierte der Auftrag und machte sich nach Feierabend intensiv auf Spurensuche. Auch wenn es keine Archivalien über diese Orgel gibt, so ist sie doch ein äußerst wichtiger Zeitzeuge des Orgelbaus über Jahrhunderte hinweg. „An ihr sind viele Spuren zu finden, die wie eine Chronologie aus einem Geschichtsbuch zu lesen sind“, schreibt Jocher in seinem 21-seitigen Befundbericht. Als größte Sensation ist wohl die Entdeckung zu werten, dass die Windlade mit ihren damals noch drei Registern aus der Zeit um 1600 stammt.

Beim Ausbau stellte Jocher fest, dass die Kanzellen (Kammern in der Windlade, in die durch Drücken einer Taste Luft eingeblasen und zu den Orgelpfeifen weitergeleitet wird) per Hand aus einem Eichenblock herausgestemmt wurden. Er war überzeugt, dass die Windlade aus einer sehr viel älteren Orgel stammt. Hauptkonservator Nikolaus Könner vom Landesamt für Denkmalpflege war über diese Entdeckung hoch erfreut und verlangte vom Meister, einen Nachweis zu erbringen. Die dendrochronologische Untersuchung durch Micha Beuting in Hamburg ergab, dass das früheste Fälldatum des verwendeten Baumes um 1582 liegt. Die besten Übereinstimmungen ergaben sich mit Eichenchronologien für den Raum Süddeutschland/Bodensee.

Somit wäre die Windlade die bekanntermaßen älteste erhaltene und spielfähige Windlade Süddeutschlands. Sie wurde wohl bereits in der Renaissance als Tisch- oder Prozessionsorgel verwendet. Hundert Jahre später, um 1700, wurde die Windlade für das heutige Orgelgehäuse umgebaut. Sicherlich waren es Notzeiten oder die besondere Wertschätzung des alten Pfeifenmaterials, dass dieses entweder mit der alten Windlade mitgebracht oder aus einer ganz anderen Orgel übernommen wurde.

Behutsam ging Michael Jocher ans Werk. Mit der Rekonstruktion einer Balganlage, wie sie auch im 18. Jahrhundert der Orgel den Odem einhauchte, ist es wieder möglich, sie nahezu authentisch erklingen zu lassen. Jetzt kann man Klänge wahrnehmen, die genauso vor über 250 Jahren geklungen haben. „Es ist schon phantastisch, so eine Rarität wieder zum Klingen zu bringen“, schwärmte Wiesorganist Anton Guggemos und begann sogleich, die Flötenuhrstücke von Joseph Haydn zu spielen. Von der Leidenschaft erfasst, ließ er es sich nicht nehmen, Orgelmusik anonymer Meister des Barock folgen zu lassen. Professor Hans Pörnbacher bediente indes den Blasebalg und lauschte den Klängen. „Die Orgel hat nur einen Nachteil, dass sie zu groß für meine Kapelle in Holz ist“, schmunzelte er, „vor allem an der Flöte kann man sich nicht satt hören“.

Erfreut und entzückt zeigten sich ebenso Organistin Lawrel Hahn mit ihren Kollegen von Blue Lake aus Michigan in USA bei ihrem jüngsten Besuch in der Orgelwerkstatt. Jetzt erklingt sie zur Freude der Gottesdienstbesucher wieder in Gaden.

hg

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