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Wenigstens die schönsten Bilder retten: Die engagierte Schülergruppe der Staufer-Grundschule mit Lehrerin Irmgard Schreiber-Buhl (hinten rechts) und Schulleiterin Ulla Heitmeier.

Kompromiss an Staufer-Grundschule?

Schüler-Wunsch: Wenigstens die schönsten Mosaike retten

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Schongau - Die Schüler der Staufer-Grundschule Schongau geben nicht auf: Nachdem der Stadtrat aus Kostengründen die Rettung der Tiermosaike aus den 50er Jahren abgelehnt hatte, wollen sie nun den Antrag stellen, zumindest die drei schönsten zu erhalten.

Eine Schülergruppe der 3e erlebt derzeit einen ganz besonderen Schulunterricht. Im März hatte sie unter der Führung ihrer Lehrerin Irmgard Schreiber-Buhl knapp 350 Unterschriften gesammelt und diese an Bürgermeister Falk Sluyterman übergeben. Ziel der Aktion: Die Mosaike im Südpavillon der Schongauer Staufer-Grundschule vor dem Abriss und der Zerstörung zu retten und als Kunst am Bau in das neue Schulzentrum wieder zu integrieren. Ebenfalls unbedingt erhaltenswert, wie die Drittklässler meinen: das Giebelbild mit einer Reihe an Motiven aus verschiedenen Märchen und die große Mosaik-Wanduhr über dem Eingang der Grundschul-Turnhalle. Die Kunstwerke stammen von dem Münchner Cobi Reiser (Jakob Benjamin Reiser), der von 1902 bis 1992 gelebt hat und mehrere künstlerische Aufträge für die Stadt Schongau tätigte, die jedoch heute nicht mehr erhalten sind. So gab es im Schulhof einen Mosaikbrunnen, und auch im Vorraum des Ballenhauses muss ein Bild gewesen sein, das aber vernichtet wurde. Abgebildet ist dieses auf dem Titel der Festschrift 700 Jahre Schongau.

Zwar hatten Bürgermeister Sluyterman und Sebastian Dietrich, der am Bauamt Schongau mit dem Schulneubau betraut ist, Wort gehalten und den Wunsch der Kinder finanziell prüfen lassen. Doch als diese am Montag nach den Pfingstferien wieder in die Schule kamen, war die Enttäuschung nach der Zeitungslektüre doch groß. „Da ging es uns schlecht, wir waren richtig traurig“, erzählen die Kinder bei einem Pressetermin. Die Bilder können wohl nur in einem aufwändigen Verfahren gesichert werden, zwischen 3000 und 6000 Euro würden pro Quadratmeter anfallen, insgesamt bis zu 70 000 Euro. Zu teuer, hatte der Stadtrat befunden, und abgelehnt (wir berichteten).

Künstlerrechnung von 1953 über 1840 Mark

Allerdings ist ein größerer Betrag für Kunst am Bau auch für den Grundschul-Neubau wieder vorgesehen. Eben dieses Kontingent – die Rede war im Stadtrat von mindestens 60 000 Euro – könne man ja vielleicht anzapfen, um wenigstens die drei schönsten Tiermosaike zu konservieren, war nun die Idee der Gruppe. Zum Vergleich: Dem Stadtbauamt Schongau stellte der Münchener Künstler im November 1953 die Rechnung über 220 Mark pro Tiermosaik – inklusive Beschriftung insgesamt 1840 Mark. Die Freskomalerei an der Giebelfassade kostete die Stadt insgesamt 1300 Mark.

Die Schüler wollen nun erneut Unterschriften sammeln und eine Umfrage starten: Nach einem Punktesystem sollen die Bilder bewertet werden, die drei besten oder beliebtesten erhalten bleiben. Weiter werben für die Rettungs-Aktion werden die Kinder beim Schulfest am Freitag: Dort verkaufen die Schüler eine 10-teilige Postkartenserie, die alle acht Tiermosaike sowie je ein Bild des Märchengiebels und der Wanduhr beinhaltet sowie ein Plakat (Restbestände sind dann in der kommenden Woche in der Schule erhältlich).

Schreiber-Buhl: "Das kulturelle Erbe ist eine Verpflichtung.“

„Wir wollten die Schönheit der 50er-Jahre-Kunst dokumentieren“, betont Irmgard Schreiber-Buhl. Auch wolle man zeigen, dass kulturelles Erbe nicht nur ins Museum gehört. Die Lehrerin sieht es außerdem als ihren Bildungsauftrag an, den Schülern zu vermitteln, das kulturelle Erben zu schätzen und zu bewahren. Schreiber-Buhl: „Das kulturelle Erbe ist eine Verpflichtung.“ In den Unterricht integriert hatte sie zudem die Befragung von Lehrern und Zeitzeugen, die den Kindern berichteten, wie sie vor 50 Jahren die Schule erlebten, welche Spiele sie in den Pausen spielten oder dass zur Anfangszeit noch die katholischen Mädchen und Buben getrennt unterrichtet worden waren. Darüber berichteten die Drittklässler dann auch Rektorin Ulla Heitmeier, die sich für diese außergewöhnliche Geschichtsstunde bedankte. Die Schüler lernen auch, wie Demokratie funktioniert: „Ihr habt einen ganz tollen Prozess eingeleitet: Antrag stellen, Ablehnung erfahren, nun einen Kompromiss finden.“ Heitmeier: „Ich möchte uns allen ganz fest die Daumen drücken, dass das jetzt klappt.“

Tag der Offenen Tür

Im Rahmen des Schulfestes am Freitag, 3. Juni, besteht auch die Möglichkeit für ehemalige Schüler und interessierte Bürger, noch einmal die alten Schulgebäude zu besichtigen, die abgerissen werden. Offen sind die Pavillons und die Grundschul-Turnhalle, Block B ist aus Sicherheitsgründen nicht zugänglich. Am Tag der Offenen Tür von 14 bis 17 Uhr gibt es außerdem eine kleine Ausstellung zur Geschichte der Grundschule.

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