Große Kooperation: Vertreter der Polizeiinspektionen Garmisch-Partenkirchen, Mittenwald, Murnau, Penzberg, Weilheim und Schongau sowie die Polizeistation Oberammergau mit Mitarbeiterin des Sozialdiensts katholischer Frauen.

Kooperation zwischen Polizei und Sozialdienst

Neue Hilfe für Opfer häuslicher Gewalt

Schongau - Opfer von häuslicher Gewalt können ab sofort auf ein weiteres Beratungsangebot zurückgreifen. Alle Polizeidienststellen der Landkreise Weilheim-Schongau und Garmisch-Partenkirchen haben eine Vereinbarung mit der Interventionsstelle des Sozialdienstes katholischer Frauen unterzeichnet.

Der Fall ist erst ein paar Monate her: Ein Schongauer (30) hatte auf seine Lebensgefährtin und deren Sohn eingeprügelt, die Beamten mussten – nicht zum ersten mal – eingreifen. Danach wurde noch ein vorübergehendes Kontaktverbot verhängt. Doch wie es weitergeht, liegt nicht mehr in der Hand der Polizei. Die Frau müsste bei Gericht ein dauerhaftes Kontaktverbot erwirken. Doch nutzt das die Frau auch? Wo kann sie sich beraten lassen, was es sonst für Möglichkeiten gibt? Die Polizisten sind da nicht immer der ideale Ansprechpartner, das weiß auch Schongaus Polizeichef Herbert Kieweg. „Deshalb ist diese neue Kooperation eine gute Sache. Ausgebildete Sozialpädagogen können ganz anders mit diesen Frauen umgehen.“ Zumal die Berater, falls sie im Gespräch von weiteren strafrechtlich relevanten Fällen erfahren, laut Kieweg ein Zeugnisverweigerungsrecht haben. „Wir müssten sofort ermitteln, wenn wir etwas derartiges mitbekommen“, so Schongaus Polizeichef.

Dass solche Vorfälle wie oben beschrieben gar nicht so selten sind, weiß Katharina Spöttl, Beauftragte für Frauen und Kinder beim Polizeipräsidium Oberbayern-Süd: Einer Untersuchung zufolge erfahre eine von drei Frauen ab ihrem 15. Lebensjahr körperliche und/oder sexuelle Gewalt. 134 waren es vergangenes Jahr im Kreis Weilheim-Schongau, bei hoher Dunkelziffer. „Die Zusammenarbeit zwischen Polizei und Hilfsorganisation hat sich bereits in anderen Landkreisen bewährt und ist ein wirkungsvolles Instrument, Opfern häuslicher Gewalt zu helfen“, so Spöttl.

Die beiden Landkreise sind die letzten im Dienstbereich, die so eine Kooperation umsetzen. Hier ist der Partner der Sozialdienst katholischer Frauen mit der Interventionsstelle in Murnau. Künftig läuft es folgendermaßen ab: Frauen, die mit Gewalt konfrontiert worden sind, werden von der Polizei über die neue Möglichkeit der Beratung informiert. Erteilen die Frauen ihre Einwilligung, werden sie von der Beratungsstelle Murnau innerhalb von drei Werktagen telefonisch kontaktiert. Sollte die Frau bereit dafür sein, gibt es grundlegende Informationen über das weitere Vorgehen bis hin zu einer Begleitung zu Behörden oder Gerichten. Letztendlich entscheidet immer das Opfer, ob und wie lange es das Beratungsangebot wahrnehmen möchte. Das Ziel ist es, dass Frauen, die sich zum Teil schon jahrelang in einem Gewaltkreislauf befinden und keinen Ausweg finden, mit der neuen Hilfe endlich den Absprung schaffen.

Für Kieweg ist es positiv, wenn bei solchen Fällen mit externen Experten zusammengearbeitet wird: „Das ist eine Super-Geschichte und eine tolle Unterstützung für uns, die den betroffenen Frauen hilft und uns die Arbeit erleichtert.

Boris Forstner

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