Träume gesammelt hat der Hohenfurcher Dietrich Kothe für seinen neuen Band. Foto: hh

Kothe entführt in Traumgalerie

Hohenfurch - Der künstlerische Tatendrang des Dietrich Kothe ist ungebrochen. In den letzten Monaten hat er verstärkt zu Feder und Papier gegriffen, um in "Traumgalerie" Träume niederzuschreiben.

Eigentlich hat sie jeder von uns. Träume. Heimliche oder gar unheimliche. Liebevolle oder gar aufrüttelnde Spinnereien der Gedanken. Der eine mehr, der andere weniger. Angenehme Wunschvorstellungen besuchen uns im Schlaf. Krasse Gegensätze lassen uns schweißgebadet aufwachen. Tagträume besuchen uns auf blumenübersäten Wiesen, ein Kapitel nach dem anderen wird durchgeblättert. Wunschträume können wahr werden oder wie Seifenblasen zerplatzen. Was bleibt, ist die angenehme oder auch unangenehme Erinnerung daran. Entweder alles ist wie weggewischt, oder der Traum ist wie eingebrannt. Man erinnert sich an ihn.

Und da ist jetzt einer, der sich seiner Träume erinnert. Eigentlich nichts Besonderes. Aber der Verfasser Dietrich Kothe aus Hohenfurch lässt seiner Hauptfigur Cassian Bacher seinem Nachttheater intensiv nachgehen. So intensiv, dass die erinnerten Nachtgeschehen nicht mehr Traum sind. Erst recht nicht, wenn die Handlung in Worte gefasst und zur Story geformt wird. Plötzlich findet Cassidian Bacher Gefallen daran, sich sein Nachttheater am Tag zu inszenieren. Er geht noch einen Schritt weiter. Er dokumentiert. Stück für Stück. Szenen für Szene. Bacher geht diesem Selbstverrat nach. Er verarbeitet dabei auch die Kritik seiner Sunny, die ihn begleitet. Am Ende wird Bacher mit Selbsterkenntnis beschenkt.

Kothe entführt uns in den Träumen in ein ganz besonderes Umfeld. Wie für einen Künstler geschaffen. Dorthin, wo dieser seine vollendeten Werke ausstellt, präsentiert. Eine Galerie, deren verschiedene Räume er durchwandert. Traumwandlerisch. Im zweiten Raum der Galerie, also in Kothes zweiter Erzählung, ist ein gewisser Piscator der Gastgeber, die Hauptperson. Dieser, einem ehrbaren bürgerlichen Beruf nachgehend, entdeckt die Natur und schmeißt seinen Job hin. Sicherlich auch von anderen schon oft geträumt, oder besser gesagt herbeigesehnt. Auf dem Weg in sein Traumparadies begegnet er Rebekka. Eine tatkräftige Frau, vom Schicksal immer wieder gebeutelt, ausgenutzt. Ein Fahrstuhl wird zu geträumten Paradies, Rebekka wird zur Gefährtin für eine Zeit. Beide schaffen sich Wachträume, die allmählich ihre Lebensplanung formen. Bei einem Knastbesuch in Landsberg wird ihnen einiges klar.

Kothe wandert in den dritten Raum seiner Traumgalerie, eine namenlose Figur wandert im Gestaltungstraum eines Autors. Diese Figur spaziert auf dem Hirschauweg bei Kinsau in Richtung Wallfahrtskirche in Vilgertshofen. Die Figur wird in Glaubens- und Seinsgedanken verwickelt. Dem fiktiven Autor läuft in der Geschichte sein erträumtes Geschöpf davon und landet in einer Bet-Bruder-Schwesternschaft. Der besondere Reiz daran: Diese Gemeinschaft wird von einer leicht kriminellen Oma durch Geldmittel unterstützt.

Dietrich Kothe gibt sich auch in seinem neuen druckfrischen Erzählband literarisch artistisch. Salti und Tanz auf dem Hochseil inbegriffen. Die Leichtigkeit seiner Darstellungsweise in der „Traumgalerie“ erinnert an den im letzten Jahr veröffentlichten Roman „Landglut Hopfensud“. Und selbstverständlich ist bei Kothe Sinnsuche angesagt. Allerdings keineswegs in missionarischem Eifer.

Hans-Helmut Herold

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