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Jürgen Karbach (links) leitet derzeit kommissarisch die Geburtshilfe in Schongau. Er fühlt sich von der Hauptabteilung, damit auch von Krankenhaus-Geschaftsführer Thomas Lippmann (rechts) im Stich gelassen. 

Krankenhaus GmbH

Geburtshilfe in Schongau vor dem Umbruch

Weilheim-Schongau - Steht die Geburtshilfe am Schongauer Krankenhaus vor dem Umbruch? Fakt ist: In absehbarer Zeit stehen große Veränderungen an, die alle Beteiligten vor ebenso große Herausforderungen stellen werden.

Mit der Umstrukturierung der Geburtshilfe am Weilheimer Krankenhaus hat die Krankenhaus GmbH die kränkelnde Geburtshilfe dort vor der Schließung bewahrt. Eine Hauptabteilung Gynäkologie und Geburtshilfe mit fest angestelltem ärztlichen Personal wurde geschaffen, viel Geld investiert.

Wie hat sich die Umstrukturierung auf die Geburtshilfe am Schongauer Krankenhaus ausgewirkt, wo die Belegärzte im vergangenen Jahr ein Wahnsinns-Pensum von immerhin 400 Geburten geschultert haben? Gar nicht. So empfinden es zumindest die drei Belegärzte, die die gesamte Abteilung quasi in Eigenregie schmeißen.

Konkret heißt das für die Frauenärzte Jürgen Karbach, Gerhard Schmidberger und Marlene Schweyer: Schichten, schichten, schichten. Weil alle Drei auch noch in ihren Praxen präsent sein müssen, „ist das eine extreme Belastung“, bringt es Jürgen Karbach auf den Punkt.

Belegärzte fühlen sich im Stich gelassen

Der Schongauer Frauenarzt leitet derzeit kommissarisch die Geschäfte. Ernüchtert stellt er fest: „Wir fühlen uns von der Hauptabteilung im Stich gelassen.“ Sicherlich: Mit der Geschäftsführung sei vereinbart worden, dass die drei Belegärzte die Abteilung am Schongauer Krankenhaus erstmal allein weiterführen. Ärgerlich findet Karbach allerdings, „dass die Hauptabteilung groß inszeniert wird“, die Schongauer Belegärzte, die eigentlich am Geburten-Erfolg im Altlandkreis großteils mitverantwortlich sind, „mit keinem Wort erwähnt werden“. Die Kommunikation innerhalb der Krankenhaus GmbH zwischen den Geburten-Abteilungen in Schongau und Weilheim ist mit nur einem Wort hinreichend beschrieben: Funkstille.

Bricht in Schongau das Belegarzt-Modell zusammen?

Ein schlechter Zeitpunkt, denn bereits in absehbarer Zeit könnte das Schongauer Belegarzt-Modell zusammenbrechen: Nämlich dann, wenn einer der drei Mediziner sich in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet. Das Problem: „Die Geburtshilfe wird als Belegarzt niemand Neues finden“, so Karbach. Entbindungen betreuen ist für Ärzte längst alles andere als lukrativ. In jeder Hinsicht. Riesen-Verantwortung, große Dienst-Belastung. „So was will heute kein Gynäkologe mehr machen“, sagt Karbach. Hinzu kommen die immensen Summen, die die Haftpflicht-Versicherung verschlingt.

Unterm Strich bleibt da nicht viel übrig. Weder Freizeit. Noch Geld. Wer heute noch als Belegarzt entbindet, der hat noch einen alten, günstigeren Vertrag mit der Haftpflicht-Versicherung – und ist mit Herzblut im Geschäft. Findet sich kein dritter Kollege: Dann war’s das mit der Geburtshilfe in Schongau, fürchtet Karbach. Er fordert: „Das Krankenhaus muss in die Pötte kommen – in absehbarer Zeit!“

Hauptabteilung auch für Schongau?

Tatsächlich bastelt Thomas Lippmann, Geschäftsführer der Krankenhaus GmbH, bereits an einer Lösung. Zumindest gibt es einige Überlegungen, wie er im Gespräch mit den Schongauer Nachrichten verdeutlicht. Und: Die Hauptabteilung sei von Anfang an alleine zur Rettung der Geburtshilfe Weilheim geplant gewesen, betont er. „Dort hat es gebrannt. In Schongau gab es keine Signale etwas zu ändern, es lief ja.“

Tatsächlich wolle er die Hauptabteilung, die am 1. Februar offiziell an den Start gegangen ist, erst etablieren und festigen „und dann auf die Schongauer Beleger aktiv zugehen und besprechen, wie wir weitermachen“. So könne man aus Erfahrungen in Weilheim profitieren. Die interne Kommunikation sei bislang nicht optimal gelaufen. Zu verschieden seien die Interessen von festangestellten Ärzten und Beleg-Ärzten.

Letztere hätte im Übrigen nach wie vor den Vorteil, ihr „eigener Chef“ zu sein. Anders als in einer Hauptabteilung. Dass eine solche auch am Schongauer Krankenhaus geschaffen wird, will Lippmann nicht ausschließen: „Das ist die einzige Lösung, wenn wir keinen dritten Belegarzt finden.“ Sorgen machen müssten sich die Belegärzte in Schongau nicht. Denn: „Das Modell Weilheim beweist, dass die Belegärzte durch die Hauptabteilung nichts verlieren, wir möchten ihnen nichts wegnehmen.“

Die Umsetzung dürfte spannend werden – schließlich ist es auch die persönliche Bindung zu den Belegärzten der Schongauer Geburtshilfe, die viele Frauen zu schätzen wissen. 

Zukunftspläne: Intensivstation für Kinder

Barbara Schlotterer-Fuchs

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