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Womöglich die letzte Patientin: Angela Schleimer ist derzeit die Einzige, die noch im Krankenhaus Peißenberg behandelt wird. Ihr statteten (v.l.) Dr. Wilhelm Fischer, Claus Holm und Thomas Lippmann einen Besuch ab.

Krankenhaus Peißenberg

Die letzte Patientin

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Peißenberg/Schongau - Die Schließung des Krankenhauses Peißenberg steht vor der Tür. Am 1. Februar ist Schluss. Aber schon jetzt ist es ein Abschied auf Raten. Nur noch die Intensivstation wird betrieben – eine Patientin ist noch da.

Es ist still im Haus. Die meisten Zimmer sind leer, kein Personal flitzt durch die Gänge. Niemand wartet im Flur auf eine Behandlung, keiner klopft vorsichtig an eine Tür, um einem Kranken einen Besuch abzustatten. Der Übergang soll reibungslos verlaufen. Deshalb sind die meisten Geräte und ein Großteil der rund 50 Mitarbeiter schon jetzt an ihren neuen Wirkungsstätten im Einsatz. Etwa zwei Drittel sind in Schongau (derzeit rund 180 Betten) beschäftigt, der Rest in Weilheim (160 Betten). Eine Handvoll Ärzte verließ die Krankenhaus GmbH. „Das ist nichts Ungewöhnliches“, sagt Thomas Lippmann, Geschäftsführer der GmbH.

Die meisten Patienten wurden bereits nach Schongau verlegt. Am Montag war nur noch ein Bett in Peißenberg belegt. Im Überwachungsraum lag Angela Schleimer. Neben ihrem Bett stand noch ein weiteres, mit Folie überzogen – falls es einen Notfall gibt. Kommt niemand mehr, ist Schleimer die letzte Patientin, die in Peißenberg behandelt wurde – nach 140 Jahren. Die Ärzte Dr. Wilhelm Fischer und Claus Holm sowie Geschäftsführer Lippmann statteten der einzigen Patientin im Haus einen Besuch ab. Der Betrieb auf der Station wird bis Ende Januar aufrechterhalten. Eine Schwester und ein bis zwei Ärzte sind rund um die Uhr vor Ort.

Für Fischer und Holm ist es ein merkwürdiges Gefühl, wenn sie sehen, wie sich das Peißenberger Krankenhaus nach und nach leert. „Man wird schon melancholisch“, gibt Fischer zu. Seit über 31 Jahre ist der Chefarzt in dem Gebäude tätig. Am 1. Oktober vergangenen Jahres übernahm er zusätzlich den Posten als ärztlicher Direktor von Schongau, seit 1. Januar ist er dort auch Chefarzt der Inneren Medizin. Ab 1. Februar, wenn Peißenberg geschlossen ist, gehört seine ganze Aufmerksamkeit Schongau.

Auch Holm wechselt in die Stadt. Er wird leitender Oberarzt. 27 Jahre war er in Peißenberg beschäftigt. Dass das Haus schließt, „macht schon traurig“, gibt er zu. Das Familiäre im Krankenhaus hat er geliebt. Viele Mitarbeiter sind seit Jahren dort beschäftigt gewesen, die Peißenberger kannten sie. In den Zimmern trafen die Patienten oft auf bekannte Gesichter – da lagen Freunde, Nachbarn oder Vereinskollegen im Nebenbett. Für die Genesung ein Vorteil. „Man heilt nicht alles mit Tabletten und Skalpell“, sagt Holm. „Diese Atmosphäre, diesen Geist wollen wir mit nach Schongau nehmen.“

Denn – und das betonen Holm, Fischer und Lippmann unisono – das Gebäude in Peißenberg schließt zwar, aber die Mitarbeiter bleiben erhalten, stehen nun in Schongau zum Helfen bereit. „Wir hoffen, dass uns die Peißenberger die Treue halten. Und auch die niedergelassenen Ärzte“, sagt Lippmann.

Durch den Zuzug der Peißenberger wird in Schongau das Angebot erweitert. Die Behandlung der chronischen Lungenkrankheit COPD, das Einsetzen von Herzschrittmachern, die Defibrillation – alles zieht um. Außerdem bekommen Schongau und Weilheim jeweils fünf bis sechs zusätzliche Betten auf der Intensivstation, „damit es keine Unterversorgung gibt“, sagt Lippmann.

Die GmbH bietet den Peißenberger Patienten, die nun nach Schongau fahren, anfangs sogar noch einen zusätzlichen Service an: Wer mit dem Zug kommt, kann sich ein Taxi rufen – „und das zahlt dann die GmbH, als Geste“, sagt Lippmann. Langfristig wollen sich Fischer & Co. aber für eine bessere Anbindung des Krankenhauses an den Personennahverkehr einsetzen. Für eine gute Genesung ist das Wohlfühlen unerlässlich – eine gute Erreichbarkeit trägt natürlich dazu bei.

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