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Dr. Sebastian Mühle ist Oberarzt am Krankenhaus in Schongau

Krankenhaus Schongau

"Für demographischen Wandel gewappnet"

Schongau – Unser jüngst veröffentlichter Artikel über die neuesten Prognosen der „Bertelsmann Stiftung“ hat auch die Frage nach der vorhanden Altersvorsorge in unserer Region aufgeworfen. Ist Schongau auf den starken Anstieg der Generation 80 Plus gewappnet? Oberarzt Dr. Sebastian Mühle vom Zentrum für Altersmedizin steht im SN-Interview Rede und Antwort.

- Mit steigendem Lebensalter nimmt auch die Gefahr zu, ernsthaft zu erkranken. So werden immer mehr Krankenhausaufenthalte nötig. In Schongau liegt das relative Wachstum der über 80-Jährigen bei 42,1 Prozent. Wie stellt sich das Schongauer Krankenhaus auf diesen Anstieg der „Alten“ ein?

Wir haben hier im Krankenhaus Schongau auf den demographischen Wandel reagiert und seit April dieses Jahres die Akutgeriatrie etabliert, also zusätzlich zur geriatrischen Reha einen weiteren Baustein für die Betreuung und Versorgung der älteren Bevölkerung gelegt. Wir haben ein professionelles Team, dass aus vielen Köpfen besteht. So bleibt trotz der politisch vorgegebenen Verkürzung der Liegezeiten ein bisschen mehr Spielraum, vernünftig zu therapieren und die Patienten wieder auf die Beine zu stellen.

-Die Akutgeriatrie wurde ja bereits im April eröffnet. Wie wird sie inzwischen angenommen?

Sie wird sehr, sehr gut angenommen, auch von den Kollegen und der GmbH hier im Haus. Wir haben Zuweisungen bis von Peißenberg und Weilheim, also wirklich den angestrebten Umkreis von 40 Kilometern erreicht. Auch die Hausärzte schicken uns viele Überweisungen, sodass wir voll ausgebucht sind. Wir sind sozusagen von Null auf 100 gestartet. Momentan sind wir sogar am Überlegen, ob die Bettenzahl nicht von derzeit 20 auf 30 aufgestockt werden kann. Konkret gehen die Planungen soweit, dass wir diese Erweiterung schon diesen September starten möchten. Letztlich liegt diese Entscheidung aber an den vorhandenen Ressourcen. Es ist auch gut denkbar, dass wir, dem demographischen Wandel entsprechend, irgendwann 40 Betten anvisieren – sofern der Bedarf da ist.

-Welche weiteren Maßnahmen ergreift das Krankenhaus, um sich auf den demographischen Wandel einzustellen?

Ich würde mir wünschen, dass man zusätzlich zum vorhandenen Angebot auch eine Palliativversorgung anbietet. Diesbezüglich gibt es auch schon Sondierungsgespräche mit der Geschäftsleitung. Ich halte das für eine dringliche Verbesserung der Versorgung älterer Menschen, da ältere Menschen sehr schwer krank werden können. Wir können den Werdegang des Alterns ja letztlich auch nicht umgehen oder ausschalten.

-Die Politik und auch die Ärzte bemühen sich derzeit, angehende Ärzte für die Versorgung auf dem Land zu gewinnen. Ist auch das Krankenhaus in Schongau in diesem Bereich tätig? Und wenn ja, wie erfolgreich?

Also ich glaube, dass wir gerade mit der Etablierung der Akutgeratrie, die ja ein bisschen zwischen der internistischen Therapie und der geriatrischen Reha steht, unseren Assistenzärzten einen ganz neuen Aspekt zeigen können. Assistenzärzte, die letztendlich in die Allgemeinmedizin und in die hausärztliche Versorgung gehen werden. Wir können ihnen über das geriatrische Know-How etwas beibringen und die angehenden Ärzte so in der hausärztlichen Versorgung auch unterstützen. Das eigentliche Ziel ist sowieso die Minimalisierung der Krankenhaus-Aufenthalte. Die meisten Dinge sollten meiner Meinung nach sowieso bereits vorab beim Hausarzt geklärt werden. Für Demenzkranke stellt es zum Beispiel eine enorme Herausforderung dar, wenn das bereits ins Alter gekommene Gehirn aus dem gewohnten Umfeld gerissen wird.

-Wären Ihrer Meinung nach auch Ehrenamtliche eine Möglichkeit, den steigenden Versorgungsbedarf zu decken?

Ja, das wirkt sich sogar sehr positiv auf die älteren Patienten aus. Das Problem im fortgeschrittenen Alter ist ja, dass sich der Freundes- und auch der Familienkreis immer mehr ausdünnt und die älteren Menschen immer mehr verarmen und vereinsamen. Gerade in diesem Bereich können ehrenamtliche Helfer viel Gutes tun. Letztlich braucht man dafür auch nur die Bereitschaft und den Wunsch sich mit dieser Generation zu beschäftigen. Das kann auch nur im ganz kleinen Umfeld sein – beim Einkaufen helfen, die Zeitung bringen oder einfach nur Zuhören. Und das kann wirklich jeder, der die Geduld dafür aufbringt und sich dafür öffnet. Wir stehen natürlich gerne für Fragen zur Verfügung. Schlussendlich genügen aber der menschliche Verstand und vor allem das menschliche Herz. 

Simona Kelz

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