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Echelsbacher Brücke im kleinen Rahmen eröffnet

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Von: Ursula Gallmetzer

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Eröffneten gemeinsam die sanierte Echelsbacher Brücke (v.li.): Stefan Scheckinger (Leiter Staatliches Bauamt Weilheim), Gerhard Pahl (Planer, Dr. Schütz Ingenieure), Gerald Greunz (Oberbauleiter, Firma Strabag), Alexander Dobrindt (Bundestagsabgeordeter CSU), Andrea Jochner-Weiß (Landrätin Weilheim-Schongau), Anton Speer (Landrat Garmisch-Partenkirchen), Gisela Kieweg (Bürgermeisterin Bayersoien) und Christoph Prause (Abteilungsleiter im Staatlichen Bauamt Weilheim).
Eröffneten gemeinsam die sanierte Echelsbacher Brücke (v.li.): Stefan Scheckinger (Leiter Staatliches Bauamt Weilheim), Gerhard Pahl (Planer, Dr. Schütz Ingenieure), Gerald Greunz (Oberbauleiter, Firma Strabag), Alexander Dobrindt (Bundestagsabgeordeter CSU), Andrea Jochner-Weiß (Landrätin Weilheim-Schongau), Anton Speer (Landrat Garmisch-Partenkirchen), Gisela Kieweg (Bürgermeisterin Bayersoien) und Christoph Prause (Abteilungsleiter im Staatlichen Bauamt Weilheim). © Gallmetzer

Rottenbuch – Es ist vollbracht: Nach viereinhalb Jahren Bauzeit läuft der Verkehr wieder über die frisch sanierte Echelsbacher Brücke. Am Sonntag wurde die Freigabe im kleinen Rahmen vor Ort gefeiert.

Das eigentlich geplante Bürgerfest wurde aufgrund der Coronalage zwar abgesagt, dennoch kamen etwa 40 geladene Gäste zur Eröffnung der Brücke zusammen. Auch um den mit Bauzäunen abgesperrten Bereich, in dem 2G streng kon­trolliert wurde, sammelten sich am Rand ungefähr 20 neugierige Besucher. Einer von ihnen Josef Maier. In Lederhose stand der Bayersoier schon in den Startlöchern, um mit seiner Vicky, einem Kult-Moped von 1953, der Erste zu sein, der die Brücke befährt.

Zunächst waren aber die Festredner an der Reihe. Den Beginn machte Stefan Scheckinger. Der Leiter des Staatlichen Bauamts Weilheim hob die Relevanz des Bauwerks hervor. „Die Brücke verbindet die Menschen, die in zwei Landkreisen wohnen.“ Er dankte allen Beteiligten, dass alles „planungsgerecht, kostengerecht und unfallfrei“ abgelaufen sei und blickte zufrieden auf „das Stück Ingenieurskunst“.

Alexander Dobrindt, der 2017 noch als Bundesverkehrsminister beim Spatenstich dabei war, sprach von einem „monumentalen Bauwerk“, das als die „Golden Gate Bridge des Oberlandes“ gesehen werden könne. Es sei alles andere als selbstverständlich, so der CSU-Bundestagsabgeordnete, dass bei derartigen Sanierungen die Grundsubstanz erhalten bliebe. Umso mehr sei der Erhalt der alten Brückenkonstruktion etwas ganz Besonderes. Die rund 36 Millionen Euro, die insgesamt nötig waren, sah Dobrindt gut investiert: „Die Brücke ist ein Wahrzeichen; ein Symbol für unsere Region.“

Ein herausforderndes Bauprojekt

„Es ist ein erhabenes und stolzerfülltes Gefühl, hier zu stehen und die Brücke ihrer Bestimmung zu übergeben“, zeigte sich Christoph Prause, Abteilungsleiter „Brücken- und Ingenieurbau“ am Staatlichen Bauamt Weilheim, sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Seit der Planungsphase bis heute sei die Baustelle immer wieder eine Herausforderung gewesen.

Zunächst, als der Verkehr durch die Behelfsbrücke aufrechterhalten werden sollte. Dann im Winter 2018/2019 als die Arbeiter aufgrund der Schneemassen zu einem achtwöchigen Baustillstand gezwungen waren. Auch Corona habe die Baumaßnahme ordentlich durcheinandergewürfelt. Denn plötzlich konnten Arbeiter aus Österreich oder Polen nicht mehr einfach nach Deutschland einreisen. Die Lieferketten für die Baumaterialien waren ebenfalls von Einschränkungen durch die Pandemie betroffen. „Es war kein einfaches und kurzfristiges Projekt“, sagte Prause. 65 Baubegehungen – etwa alle zwei Wochen eine – seien es gewesen, bei denen jedes kleinste Detail genau besprochen worden sei. „Es ist ein regionales Bauprojekt mit überregionaler Bedeutung“, sagte Prause. Dies sei auch am großen Interesse von einheimischer Bevölkerung und Touristen zu erkennen. Zahlreiche Gruppen, Schulklassen und rund 3900 weitere Personen nahmen an den angebotenen Baustellenführungen teil.

Als Fünfjähriger erlebte Josef Achmüller – heute 96 – die Eröffnung des Bauwerks mit.
Als Fünfjähriger erlebte Josef Achmüller – heute 96 – die Eröffnung des Bauwerks mit. © Gallmetzer

Einer von ihnen war Josef Achmüller, der als Ehrengast zur Feier geladen war. Als fünfjähriger Bub erlebte er die Eröffnung der Brücke hautnah und erinnert sich noch gut daran: „Ich durfte auf dem Festwagen mitfahren“, denkt der 96-Jährige stolz zurück an dieses einmalige Ereignis. Später arbeitete der Wildsteiger selbst als Angestellter einer Straßenbaufirma mit, wenn an der Brücke ausgebessert wurde. „Das letzte Mal ist bestimmt 40 Jahre her.“ Dennoch hatte er auch bei der aktuellen Sanierung stets ein Auge auf die Baustelle und erkundigte sich immer wieder nach dem Fortschritt.

Der blieb meist im Zeitrahmen. Verspätungen durch verschieden Einflüsse konnten zum Großteil wieder hereingeholt werden, sodass die Baustelle am Ende nur zehn Wochen länger gedauert hat als anfangs geplant. Ganz am Ende sind die Arbeiten an der Ammerschlucht jedoch noch nicht. Denn bereits seit Montag laufen die ersten Rückbauarbeiten an der Behelfsbrücke. Ab Februar wird an dieser dann der Abbau beginnen, der im Herbst 2022 fertig sein soll. Im Frühling 2023 soll dann die Renaturierung des Gebiets folgen. „Der Eingriff in die Natur wird nicht mehr wahrnehmbar sein“, versprach Prause. Der von den anliegenden Gemeinden geplante Infopavillon soll im Sommer des nächsten Jahres stehen und dann soll auch endlich ein großes Fest stattfinden.

Zuletzt gab es den Segen von Pfarrer Josef Fegg und Pfarrerin Bettina Mogk. „Auch wir müssen Risse und Gräben überwinden und müssen Brückenbauer werden“, ermutigte Fegg. Mogks Worte gingen in die gleiche Richtung. Denn es seien nicht nur gebaute Brücken nötig, sondern auch solche zwischen den Menschen: zwischen Christen und Muslimen, zwischen Geimpften und Ungeimpften.

Bejubelt und angefeuert von den Festgästen brauste Josef Maier mit seiner Vicky über die gerade eröffnete Brücke.
Bejubelt und angefeuert von den Festgästen brauste Josef Maier mit seiner Vicky über die gerade eröffnete Brücke. © Gallmetzer

Als das Absperrband durchschnitten und die Barken weggetragen waren, kam dann endlich der große Moment von Josef Maier. Von den Zuständigen gab es das Los und er düste mit laut knatternden Auspuff als erster mit seiner Vicky über die soeben eröffnete Brücke.

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