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Eckpunktepapier zur Fuchstalbahn im Schongauer Stadtrat

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Von: Astrid Neumann

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Bahnhof Kaufering Parkplatz
Auch die Parkplätze am Bahnhof in Kaufering, der die Weiterfahrt Richtung Augsburg und München ermöglicht, könnten laut Holzhey durch die Fuchstalbahn entlastet werden. © Schorer

Schongau – Zu Andreas Holzhey und der Fuchstalbahn gebe es eigentlich nicht viel zu sagen, leitete Bürgermeister Falk Sluyterman die jüngste Sitzung des Schongauer Stadtrates ein. Der Verkehrs­ingenieur hat ein sogenanntes Eckpunktepapier mit fast 50 Seiten zur Reaktivierung der Fuchstalbahn erarbeitet, das er nun im Gremium vorstellte. 

Bei einem Runden Tisch im Juli hatte Holzhey den politischen Vertretern der Anrainergemeinden sowie der Landkreise Weilheim-Schongau und Landsberg das Papier bereits vorgestellt. Unter anderem beschäftigt er sich vor allem mit den Bahnübergängen, Haltestellen sowie Fördermöglichkeiten. „Es ist aber kein Konzept, das morgen an die Baufirmen verschickt werden kann“, verdeutlichte Holzhey dem Stadtrat am vergangenen Dienstag.

Die Strecke sei 1984 stillgelegt worden, weil niemand mitfahren wollte. Dahingehend habe sich in den letzten 40 Jahren viel geändert, so Holzhey. Er hob vor allem die Einwohnerentwicklung in der Region sowie die Zahl der Ein- und Auspendler hervor. Waren 1984 noch rund 6.000 Pkw auf der B17 zwischen Schongau und Landsberg unterwegs, habe sich diese Zahl mittlerweile fast verdreifacht. Holzhey schätzt die Zahl mittlerweile auf rund 18.000 pro Tag (letzte Zählung 2015: 16.000). Beim öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) sei dagegen fast gar nichts passiert. „Wer von Schongau nach Augsburg will, ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln drei Stunden unterwegs“, so Holzhey.

Die Fuchstalbahn dürfe daher nicht isoliert betrachtet werden, vielmehr sei es wichtig, sie mit der Lechfeld- und der Pfaffenwinkelbahn zu verknüpfen. Es komme, laut Holzhey, nicht darauf an, dass sie so schnell wie möglich zwischen Schongau und Landsberg verkehre, sondern so schnell wie eben nötig. Als mögliche Haltepunkte sieht er das Schongauer Krankenhaus, Hohenfurch/Schwabniederhofen, Kinsau, Denklingen, Asch-Leeder, Unterdießen und Landsberg Süd. Eine Fahrtzeit zwischen Schongau und Landsberg schätzt der Verkehrsingenieur mit diesen Haltepunkten auf etwa eine halbe Stunde.

Die Bahntrasse auf der Strecke der Fuchstalbahn sei in einem guten Zustand. Sie könne so bei einer Reaktivierung unverändert genutzt werden, machte Holzhey deutlich. Das Argument, dass viele Bahnhofsgebäude mittlerweile verkauft seien, halte er außerdem für irrelevant. „Die Bahnhofsgebäude braucht man nicht mehr“, so der Ingenieur für Verkehrswesen.

Einen weiteren Kritik-, Kosten- und Diskussionspunkt kann Holzhey ebenfalls entschärfen: die Sicherung der Bahnübergänge. „Durch eine Gesetzesänderung müssen sich die Gemeinden nicht mehr an den Kosten beteiligen“, erklärte Holzhey im Stadtrat. Kommunale Aufgabe seien dann nur noch die Park&Ride- sowie Bike&Ride-Anlagen. Die finanzielle Belastung hierfür schätzt er als relativ gering ein.

Insgesamt sieht Holzhey die Fuchstalbahn vielmehr als Chance denn als Problem. Auch eine Einbindung in den Tourismus könne er sich gut vorstellen. Allerdings hob er hervor, wie wichtig es sei, dass die verschiedenen Gremien sich einig sind. Holzhey plädierte dafür, Peiting und Altenstadt unbedingt mit ins Boot zu holen.

Auch Bürgermeister Falk Sluyterman findet es wichtig, hier als Ammer-Lech-Land aufzutreten. Jedoch, so bedauert er, habe sich Peitings Bürgermeister Peter Ostenrieder von dem Runden Tisch abgemeldet. „Die Peitinger hätten genauso einen Gewinn von einer Reaktivierung“, ist Sluyterman überzeugt.

„Das Mittelzentrum muss zusammenhalten, sonst machen wir einen fatalen Fehler“, so formulierte es UWV-Stadtrat Winfried Schaur mit Blick auf die mögliche Reaktivierung der Fuchstalbahn am Dienstag in der Sitzung. Bürgermeister Falk Sluyterman konnte dem nur beipflichten. Dass sich Peitings Bürgermeister Peter Ostenrieder von dem Runden Tisch zur Fuchstalbahn abgemeldet habe, bezeichnete er als „bedauerlich“. 2019 – vor den Kommunalwahlen 2020 (Anm. d. Red.) – habe man noch an einem Strang gezogen, so Sluyterman. Auch beim Thema Klimaschutzmanager scheinen sich die beiden Bürgermeisterkollegen derzeit nicht einig zu sein.

„Ich weiß nicht, wie man da nein sagen kann“, befand Gregor Schuppe (ALS) zur Fuchstalbahn. Diese passe in die Zeit, in der es wichtig sei, weg vom Individualverkehr zu kommen. Auch Winfried Schaur (UWV) bezeichnete die Voraussetzungen als hervorragend. Als Riesenchance für die Region betrachtet Friedrich Zeller (SPD) die Fuchstalbahn: „Der Weg ist bereitet, fahren wir los!“

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