Fohlenhof Steingaden
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Ein langwieriges Projekt wird die Sanierung des Fohlenhofs in Steingaden. Der Bestand auf der Nordseite muss dran glauben.

Leitplanken für Entwicklung

Erste Schritte zur Fohlenhof-Sanierung in Steingaden

  • VonOliver Sommer
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Steingaden – Die Sanierung des Fohlenhofs geht in die nächste Runde. Nachdem bereits Vorentwürfe vorliegen, wurde im Gemeinderat nun die Bildung eines Arbeitskreises beschlossen. Millionenschwer und auf viele Jahre ausgelegt ist das Herrichten des Nordflügels. Schon sein Vorgänger Xaver Wörle hatte mit der Sanierung des Fohlenhofs begonnen, nun möchte Bürgermeister Max Bertl die Lücke in dem Vierseithof schließen.

Dazu muss auch der Bestand auf der Nordseite, wo unter anderem die Hackschnitzelheizung untergebracht ist, dran glauben. Seit gut einem Jahr liegt die Abbruchgenehmigung vor, seinerzeit hatte Bertl dies kurz im Gemeinderat erwähnt. Mittlerweile hat der Architekt die Entwurfsplanung für die Sanierung bzw. den Neubau übermittelt. Nun gehe es darum, einen Arbeitskreis zu bilden, der wöchentlich zusammenkommen und Entscheidungen treffen könne. So müsste nicht immer der gesamte Gemeinderat diskutieren, sagte Max Bertl. Das sei Konsens gewesen, erinnerte er. Für die Besetzung schlug er seinen Stellvertreter Leo Eicher sowie die Gemeinderäte Roberta Leimbach, Robert Bauer, Michael Schmid und Bernhard Hollerbach vor, auch der Bürgermeister selbst gehört dazu. Er wolle mit vier Räten beginnen, so Bertl, der bereits jetzt von einer Dauer von zehn Jahren für die Planungen sprach. In einer späteren Phase des Baus seien dann weitere Gemeinderäte im Arbeitskreis denkbar. Konkrete Pläne für die Sanierung will Bertl diesen Herbst der Öffentlichkeit vorstellen.

Beschluss fürs Flächensparen

Die Neubaugebiete an den Rändern vieler Orte zeigen: Statt nachzuverdichten und Bauvorhaben im Dorfkern zu realisieren, weichen Bauwerber aus. Oft weil Bauland fehlt oder Immobilienbesitzer mit Blick auf den Nachwuchs Grundstücke blockieren. Auch deshalb lautet einer der Grundsätze der bayerischen Staatsregierung „Innen­entwicklung vor Außenentwicklung“. Schon vor Jahren wurde mit dem Vitalitätscheck in den Kommunen ein Fundament gelegt, nun sollen weitere Maßnahmen als Leitplanke für die Dorfentwicklung dienen. Ein Beschluss soll auch in Steingaden der Innenentwicklung und dem Flächensparen den Vorrang geben.

Vor der Neuausweisung von Baugebieten im Außenbereich sollen vorrangig Bauland und Gebäude im Bestand genutzt werden. So heißt der Handlungsansatz zur Innenentwicklung, den der Gemeinderat beschloss. Steingaden ist eine der 14 Auerberglandgemeinden aus den Landkreisen Landsberg, Weilheim-Schongau und dem Ostallgäu, die sich vor bald 30 Jahren zusammentaten, um die Region, vor allem aber ihre Kommunen, nachhaltiger zu entwickeln und die interkommunale Zusammenarbeit zu fördern. Dabei müsse man dann auch schon einmal in einer Sitzung den Bürgermeisterkollegen aus Kinsau oder Rieden Rede und Antwort stehen, erklärte Max Bertl den Gemeinderäten, warum man weitere Flächen ausgewiesen habe, anstatt in der Dorfmitte Land zu nutzen.

Mit dem Beschluss, der neben der Sicherung der Nahversorgung im Dorf auch einen gegenseitigen und frühzeitigen Informationsaustausch über flächenbezogene Entscheidungen in den Auerberglandgemeinden vorsieht, will man nun reagieren. So sind gemeinsame Aktivitäten zur Förderung des Bewusstseinswandels und konkrete Maßnahmen zur Aktivierung des innerörtlichen (Bauland-)Potenzials geplant und auch die Prüfung und mögliche Einführung finanzieller Anreize für das Bauen im Bestand in den Mitgliedsgemeinden. Konkret, so Bertl, wolle man den Bestand besser nutzen, im Ort nachverdichten, die Besitzer der Immobilien besser beraten und mit finanziellen Anreizen dafür sorgen, dass Flächen nicht der Bebauung entzogen bleiben.

Auf Nachfrage des Juristen und Gemeinderates Ludwig Straub, welche Wirkung der Beschluss habe, ob es sich nur um eine Willensbekundung handele oder damit auch juristische Folgen verknüpft seien, meinte Bertl, man wolle eine „Leitplanke“ schaffen für Bauwerber und signalisieren, dass alle Gemeinderäte dahinter stünden. Unter anderem solle ein Wettstreit um Bauland vermieden werden, nach der Maxime, „wenn ich dort nicht bauen kann, gehe ich in den Nachbarort“.

Der Beschluss solle wie ein mahnender Finger wirken, „Bitt’schön liebe Gemeinden, erschließt erst den Innenbereich“. Man müsse bei der Aufstellung eines neuen Bebauungsplans künftig zuerst die Flächen und den Leerstand im Innenbereich berücksichtigen. Allerdings, das gestand Bertl ein, kann die Gemeinde nicht viel mehr tun, als die Eigentümer anschreiben und nachfragen, ob sie denn nicht bereit seien, zu verkaufen. Denn eine Handhabe gegen den Leerstand bzw. die Blockade von Bauland habe man nicht, außer der Besitzer müsste, wenn er eine Immobilie nicht nutzt, darauf Steuern zahlen.

Auch die Umsetzung sieht der eine oder andere Gemeinderat kritisch. So merkte Georg Schweiger an, dass einer der größten Bremser bei der Erschließung des Altbestandes der Denkmalschutz sei. Oft genug dürften gute Gebäude abgebrochen werden und schlechte Bausubstanz müsste nach dem Willen des Denkmalschutzes stehen bleiben und für viel Geld saniert werden. Kritisiert wurde auch, dass man doch vor nicht mal fünf Jahren den Vitalitätscheck gemacht habe um zu wissen, wo der Bedarf sei.

Punkte, bei denen Bertl durchaus zustimmte. Mit dem Beschluss sollen aber auch die Strukturen im gesamten Gebiet der LAG Auerbergland-Pfaffenwinkel gefördert und vereinheitlicht werden, nicht zuletzt stünden viele Fördergelder über die LAG aus den Töpfen der EU zur Verfügung und nirgends sonst würden derzeit die Fördergelder noch so locker sitzen. Mit dem Beschluss, dass der Gemeinderat die genannten Handlungsgrundsätze zur Innenentwicklung und zum Flächenmanagement weiter zu verfolgt, gab das Gremium eine allgemeine Erklärung abgegeben.

Quelle: Kreisbote

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