1. Startseite
  2. Lokales
  3. Schongau
  4. Kreisbote

Fallschirmspringer Dieter Dankesreiter und seine deutschlandweit einmalige Rekordmarke

Erstellt:

Von: Hans-Helmut Herold

Kommentare

Dankesreiter Fallschirm Tandem
Zwischen Himmel und Erde: Dieter Dankesreiter als Tandempilot mit seiner Ehefrau Simone bei einem gemeinsamen Sprung. Sie ist selbst ebenfalls erfahrene Freifallspringerin. © Privat

Schwabsoien – Es gibt Rekorde, die sind schier unvorstellbar. Die reißen einen förmlich vom Hocker, wenn man sich die Zahlen durch den Kopf gehen lässt. So einen Rekord legte jüngst Dieter Dankesreiter (55) hin: Er hat der die Schallmauer von 20.000 Fallschirmabsprüngen durchbrochen, mit einem Tandemsprung aus 4.000 Metern Höhe.

Es ist wirklich kein Schreibfehler oder gar Jägerlatein. Diese Zahl stimmt bis auf die letzte Null. Ein Fallschirmspringer, der sich mit Haut und Haaren dieser Sportart zwischen Himmel und Erde verschrieben hat, absolvierte seinen 20.000. Fallschirmsprung. In Worten: zwanzigtausend. Dieter Dankesreiter, der seinen Wohnsitz in Schwabsoien hat, ist dieser „Luftikus“. Er legte mit dieser Sprungzahl einen Rekord hin, den vorher in Deutschland noch keiner geschafft hat.

Dass auch Dankesreiter am Anfang ganz kleine Brötchen gebacken hat, ist klar. „Kein Meister fällt vom Himmel“, so das bekannte Sprichwort, das auch für ihn galt.

Es war im Januar 1986, als er in Nagold zur Bundeswehr eingezogen wurde. Schon zwei Monate später schickte man ihn zum Springerlehrgang nach Altenstadt. Dankesreiter erinnert sich noch genau an seinen ersten automatischen Absprung, aus einem Hubschrauber. Er war als zweiter Springer eingeteilt und musste sich im Anflug in 400 Metern Höhe bei offener Türe auf den Boden setzen. Sein Gedanke: „Ach du Sch…“, dann Abschlag auf die Schulter und weg war er. „Die Stille am Schirm faszinierend, da muss es mich gepackt haben“, schildert er heute. In den nächsten drei Monaten klopfte er über 50 Sprünge raus, was für einen jungen Soldaten damals sehr viel war.

Dankesreiter will mehr, will Freifallspringer werden. Sein Ausbilder damals Hauptmann Hans Hartung, später in Schongau der erste Floßführer. Auch an den ersten Freifallsprung, den er aus Wettergründen in Mittenwald absolvierte, erinnert er sich. „Am Boden zeigte uns Hartung die ‚Toni Hof Hütte‘ mit der Bemerkung, dass wir einfach daneben landen sollen“, erinnert sich Dankesreiter. Es ging hoch auf 1.000 Meter, nach dem Absprung einige Sekunden freier Fall, dann Öffnung des Schirmes. „Ich hätte mir nie vorstellen können, wie viele ‚Toni Hof Hütten‘ von oben zu sehen waren“, so Dankesreiter. Nur: Die richtige hat er damals nicht angesteuert.

Das Glück anderer

Ab 1989 wurde Dankesreiter Mitglied der Sportgruppe Heer Fallschirmspringen und ergatterte sich einen festen Platz in der Mannschaft. Ein Freund überredete ihn zwei Jahre später, an einem Kurs für Tandemmaster mit teilzunehmen. Beim Prüfungssprung wurde ihm ein junger Mann zugeteilt, der diesen Sprung als Therapie machen sollte. Alles verläuft bestens, Dankesreiter hatte jetzt seine Passion gefunden.

Er will in Zukunft Personen dieses Gefühl von Glück im freien Fall möglich machen. Einer seiner Lieblingspassagiere wurde Geni Markert aus Schwabsoien, die sich von ihm genau 230 Mal vom Himmel auf die Erde transportieren ließ. Und das auch noch im Alter von über 80 Jahren.

Sturz von der Leiter

Der große Schlag dann im Juli 2018 im Garten seiner Mutter. Dankesreiter steht auf einer Leiter neben dem Kirschbaum und pflückt seine geliebten Sauerkirschen. Ein Fehltritt, Absturz und Lähmungserscheinungen in rechter Hand und rechtem Bein.

Sein erster Gedanke gilt natürlich seiner Springerleidenschaft. 2020 wollte er den 20.000. absolvieren. Aus der Traum. Doch er gibt nicht auf. Acht Monate Reha mit dem Gedanken, sein Vorhaben doch noch zu verwirklichen. Und er schafft es, natürlich auch durch große Unterstützung seiner Ehefrau Simone, selbst eine erfahrene Springerin.

Dankesreiter hat jetzt sein Ziel erreicht, die magische Sprungzahl von 20.000 ist geknackt. In den Genuss des Jubiläumssprungs, den Dankesreiter in Leutkirch absolvierte, kam ein junger Leutnant der Bundeswehr. Quasi Nachwuchswerbung für die Fallschirmspringerei. Gratulation!

Übrigens: Dankesreiter hat insgesamt 5.600 Tandemsprünge, davon 400 Absprünge mit Rollstuhlfahrern. Wie schon gesagt, er will den Menschen, die es nicht aus eigener Kraft schaffen, diesen Traum vom Springen ermöglichen.

Auch interessant

Kommentare