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Übung für den Ernstfall am Lido

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Von: Hans-Helmut Herold

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Übung Lechfloß Schongau
Mit Booten der Wasserwachten aus Schongau, Uffing und Grainau werden die Übungs-Verletzten vom Floß gerettet und Richtung Sichtungsplatz an der Staumauer verbracht. © Herold

Schongau – Vor fünf Jahren wurde das erste moderne Lechfloß für touristische Zwecke am Lido gebaut und damit die Basis für eine Geschichte mit großem Erfolg geschaffen. Ein Jahr später konnte die erste offizielle Floßfahrt verzeichnet werden. Seit dieser Zeit kamen über 8.500 Gäste bei 270 Fahrten in den Genuss so einer idyllischen Runde. Bemerkenswert: Kein Unfall trübte diese fünf Jahre. Um auch in Zukunft für einen Ernstfall bestens vorbereitet zu sein, wurde jetzt eine groß angelegte Übung durchgeführt.

Daniel Kodisch, Übungskoordinator der Wasserwacht Schongau, ist an diesem Samstag früh auf den Beinen. Noch bei Dunkelheit treffen die ersten Rettungsboote verschiedener Wasserwachten am Lido sowie an der Staustufe ein. Die Gruppen müssen eingewiesen, das Lechfloß des Touristik Vereins präpariert werden. Kodisch legt großen Wert darauf, die Übung so realistisch wie möglich ablaufen zu lassen. Natürlich auch mit Mimen und Notfalldarstellern, die ab den Morgenstunden in den Räumlichkeiten der Wasserwacht „schwer verletzt“ werden: Ein Schminktrupp des Roten Kreuzes leistet hier ganze Arbeit. Korrekt ausgedrückt das Team des Jugend Rot Kreuz aus Schongau und Weilheim mit der Bezeichnung Notfalldarstellung. Andrea Hanzlich trägt bei der Mimin Kristin eine Brandwunde mit enormer Echtheitswirkung auf. 19 weitere Darsteller werden von ihr und den Kolleginnen „präpariert“.

Die Darsteller mit „starken Verletzungen“ werden aufs Floß verfrachtet. Dieses wurde knapp unterhalb der Lechtalbrücke verankert. „Damit es der anrückenden Truppe nicht sofort ins Auge fällt“, so die Begründung von Kodisch. Gleichzeitig richtet Marco Fonsecca die Übungsleitstelle des BRK am Lido ein. Er wird nach der Alarmierung von dort aus je nach Entwicklung der Lage die Einheiten der verschiedenen Gruppen von Wasserwacht, THW und Rettungsdiensten anfordern und abrufen. Exakt wie im Ernstfall, quasi eine freilaufende Übung. „Alle müssen eigenständig reagieren, nichts wird nach Drehbuch gespielt“, so Michael Limbrunner, alter Hase in Sachen Rettungsdienst und heute Beobachter. Konstruktive Kritik erwünscht, denn die Übung soll auch Schwachstellen aufdecken.

Exakt 9.35 Uhr Übungsbeginn. Floßführer Sigi Schmid steuert das Lechfloß mit einer gemischten Reisegruppe lechaufwärts. Floßbegleiterin Kornelia Funke schwärmt geradezu von Flora und Fauna, die Zuhörer konzentrieren sich auf die Erzählungen. Thomas Eimer, ebenfalls Floßführer, gönnt sich an diesem Tag eine „Genussfahrt“. Als Schmid dunkle Gewitterwolken aufziehen sieht, wendet er das Floß zur Rückfahrt. Der Motor streikt, Blitzschlag, das Floß schwer getroffen. Rauch steigt auf, Panik macht sich breit. Floßführer Schmid kann noch einen Notruf absenden, dann ist Ende der Fahnenstange. Das Floß treibt in den Wellen.

»Belastendes Gefühl«

Wie belastend Rauch sein kann und alle Sichtverhältnisse zunichte macht, können jetzt die Mimen hautnah erleben. Reiner Siegl von der Firma SiLight, selbst ein Mitglied der Wasserwacht, hat eine beachtliche Nebelmaschine auf dem Floß installiert. „Ein belastendes Gefühl, wenn man seine Hände nicht vor den Augen sehen kann“, sagt später Kornelia Funke. Sie denkt dabei vor allem an die Kinder, die sie immer wieder auf ihren Fahrten mit Oma und Opa begrüßen darf. Auch bei dieser Fahrt sind Kinder dabei.

Marco Fonsecca fordert Unterstützung an, Wasserwachten aus Schongau, Uffing und Grainau werden alarmiert, dazu das Technische Hilfswerk Schongau. Die ersten Rettungsboote erreichen das Floß. „Die müssen jetzt auf Eigensicherung achten“, so ein Beobachter. Würde das erste Boot alleine ans Floß fahren und die Menschen in ihrer Panik hinein springen, wäre das fatal. Ein Nervenspiel beginnt.

Auch für Daniel Kodisch. Er wird über Funk informiert, dass sich auf der Lechtalbrücke ein Verkehrsunfall mit fünf Fahrzeugen ereignet hat. Keine Übung, ein Realfall ist eingetreten. Die Übung wird gestoppt, Marco Fonsecca muss die Rettungswagen, die schon am Eisstadion im Bereitschaftsraum stehen, auf die Lechtalbrücke umdirigieren. Ungemütlich auch für die Mimen auf dem Floß. Sie müssen dort in ihrer misslichen Lage verharren. Ein Geduldspiel für alle.

In dieser Zeit richtet sich das THW an der Staumauer ein. Hier wird der sogenannte Rendezvousplatz eingerichtet. Die Verletzten, die mit den Rettungsbooten angelandet werden, erhalten hier eine Vorsichtung. Dabei werden sie aufgrund ihrer Verletzungen in Prioritätsklassen eingeteilt. Alles wie im realen Fall.

Übungsfortsetzung. In zwei Rettungswagen wirbeln die Notärzte. „Haben wir Temperatur gemacht, was haben wir für einen Druck, dann kriegt sie Adrenalin“, so die Wortfetzen, die von Notärztin Ingrid Breunig zu hören sind. Auch das Kriseninterventionsteam ist vor Ort. Beruhigt und versucht, Familienmitglieder zusammen zu führen.

Auf der Staumauer hält in einem Funkwagen der Leitende Notarzt Jiri Faltis die Fäden in der Hand. Er koordiniert von dort aus mit seinem Team die Verlegung der Schwerverletzten in die umliegenden Krankenhäuser. Selbst die beiden Polizeibeamten Toni Müller und Maximilian Kröll, die noch vor wenigen Minuten bei dem Real­unfall auf der Lechtalbrücke im Einsatz waren, werden in die Übung mit eingebunden. Eine Übung, die es in sich hat. Bei der alle hoffen, dass dies nie Realität wird. Aber im Bewusstsein, dass man auf so einen Ernstfall gut vorbereitet ist.

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