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Ortstermin am Lido: Entscheidung über Insel und Steg steht noch aus

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Von: Astrid Neumann

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Die Stadtratsmitglieder diskutierten vor Ort über die Zukunft von Steg und Insel am Lido. Eine Entscheidung soll am kommenden Dienstag fallen.
Die Stadtratsmitglieder diskutierten vor Ort über die Zukunft von Steg und Insel am Lido. Eine Entscheidung soll am kommenden Dienstag fallen. © Neumann

Schongau – Eine Entscheidung bezüglich der Badeinsel und des Badestegs am Schongauer Lido brachte der rund eineinhalbstündige Ortstermin des Stadtrates am Dienstag nicht. Die Diskussion und die Argumente für und gegen eine Ausbringung blieben weitgehend dieselben. Am kommenden Dienstag soll nun endlich ein Beschluss fallen.

Einige Stadträte konnten den Ortstermin am Lido am Dienstagnachmittag nicht wahrnehmen. Bürgermeister Falk Sluyterman begründete die ungewöhnliche Uhrzeit damit, dass Steg und Insel zunächst ausgebracht werden mussten, aber auch am gleichen Tag wieder aus dem Wasser müssen. „Da haben wir einen gewissen Vorlauf gebraucht“, so das Stadt­oberhaupt.

Der Leitfaden des Bayerischen Staatsministeriums der Justiz gebe eine Risikoanalyse nicht nur von Steg und Insel, sondern des gesamten Badebereichs vor, erläuterte Geschäftsleiterin im Rathaus Bettina Schade erneut. Das Problem bestehe aber darin, dass laut durchgeführten Rechtsanwaltsgutachten dieser Leitfaden nicht bindend sei. „Es ist nicht vorhersehbar, wie ein Gericht im Ernstfall entscheiden würde“, fasste Schade zusammen.

Eine Haftungserleichterung gelte nur für naturtypische Gefahren, so Schade weiter. „Das gilt nicht für künstliche Einrichtungen“, verdeutlichte sie. Zudem sei die Frage zu stellen, ob ein Fremder hier eine Badeaufsicht erwarten würde. Immerhin gibt es im Bereich des Lidos diverse Anreize, unter anderem nannte Schade Umkleide, WC, Dusche, Liegen etc. „Diese Frage können wir aber wohl nicht beurteilen“, so Schade gegenüber den Stadträten.

Hinzu kommen die Gefahren durch den Schwellbetrieb. Dieser habe sich in den letzten Jahren verstärkt, so Stadtförster Klaus Thien. Der Wasserstand wechsele mehrmals täglich. Auch das Treibgut werde augenscheinlich mehr. Davon habe sich auch schon etwas an der Badeinsel verhakt, so Thien weiter. „Es sind Gefahren da, die nicht einfach zu erkennen sind“, so der Stadtförster. Auch deshalb, weil das Wasser durch den Schwellbetrieb trüber geworden ist und man nicht mehr so weit sieht. Er habe außerdem beobachtet: „Viele denken, das hier ist ein See.“

Bisher seien die beiden Einrichtungen zwei Mal wöchentlich durch den Bauhof kontrolliert worden, so Thomas Ola vom Stadtbauamt. Jedoch nur oberflächlich. Mittlerweile – 2019 – habe jedoch der Hersteller auch seine Angaben verschärft. Sein Fazit daraus: „Wir müssten quasi täglich prüfen“, so Ola. Und das auch unter Wasser.

Ein letztes Mal im Wasser? Badeinsel und -steg wurden am vergangenen Dienstag für den Ortstermin noch einmal ausgebracht.
Ein letztes Mal im Wasser? Badeinsel und -steg wurden am vergangenen Dienstag für den Ortstermin noch einmal ausgebracht. © Neumann

Ähnlich sehe es auch für den Steg aus, so Schade, wobei die Gefahren da wohl nicht ganz so groß seien wie bei der Insel. Für eine genaue Einschätzung müsse man aber einen Fachmann zu Rate ziehen für eine detaillierte Gefährdungsbeurteilung. Sie verwies noch einmal auf die einzelnen Gefahrenquellen: Schwellbetrieb, Unwetter, Wellen, die Entfernung der Insel vom Ufer mit 65 Metern. Zudem müsse auch mit Kindern oder alkoholisierten Personen gerechnet werden, die die Insel nutzen. Eine Kontrolle, damit niemand unter der Insel durchtaucht oder ob die zulässige Personenzahl von 25 Erwachsenen auf der Insel eingehalten wird, sei unmöglich. „Die Gefahr ist offenkundig“, verdeutlichte Schade.

Markus Keller (Grüne) war der Meinung, Treibgut könne ja überall hängen bleiben. Zudem könne das nicht weit entfernte Lechfloß, das derzeit dort liegt, und der Steg der Wasserwacht auch einen Anreiz bieten. „Das ist aber keine künstliche Einrichtung, sondern eine Naturgefahr“, sagte Schade zum Treibgut. Und daran knüpfe ein Gericht eben an. Bei dem Steg der Wasserwacht sei man raus, so Bürgermeister Falk Sluyterman. Beim Lechfloß gab er Keller recht: „Das muss man nochmal bedenken.“

Ob es denn keinen Tauchclub in Schongau gebe, den man miteinbeziehen könnte, wollte Marianne Porsche-Rohrer (CSU) wissen. Der Einsatz von Ehrenamtlichen sei hier schwierig, so Sluyterman. Beim Einsatz von Tauchern, die das quasi täglich prüfen müssten, verwies der Rathauschef auf die Kosten. Nicht weit entfernt liege immerhin das Plantsch, das all das biete und rund eine Million Euro Defizit pro Jahr einfahre.

„Das ufert im wahrsten Sinne des Wortes aus“, so Bettina Buresch (Grüne) zu dem neuen Aspekt mit den Tauchern. „Wo fängt man da an und wo hört man auf am Flussufer in Schongau?“, erkannte sie weitere Gefahrenquellen.

„Die Badeinsel ist für mich gestorben“, formulierte es Martin Schwarz (SPD). Jedoch könnte vielleicht immerhin der Steg bleiben. Hier herrsche zudem mehr soziale Kontrolle durch andere Lido-Besucher. Er plädierte dafür, Steg und Insel gesondert zu behandeln.

„Die Insel können wir so nicht drin lassen“, meinte auch Gregor Schuppe (ALS). Er brachte den Vorschlag, das Ganze durch eine Fachfirma begutachten zu lassen. „Nach einem solchen Gutachten hätten wir auch eine Handhabe“, so Schuppe.

Ilona Böse (SPD) wollte wissen, was eine solche Gefahrenanalyse denn koste. Ola rechnet hier mit rund 4.500 Euro. Selbiges hat auch schon das Rechtsanwalts-Gutachten gekostet. „Ich bin nicht gewillt, nochmal 4.500 Euro in den Sand zu setzen“, so daraufhin Böse. Es lege sich ja keiner fest, die Eigenverantwortung werde ausgehebelt. Das Geld in die Hand zu nehmen, dafür plädierte hingegen auch Thomas Schleich (UWV).

„Ich bin nicht bereit, das Risiko zu tragen“, fand Porsche-Rohrer sehr deutliche Worte im Hinblick auf die Haftung. Sie ist auch der Meinung, der Stadtförster könne die Gefahr durch Treibholz schließlich besser einschätzen als ein externer Gutachter.

„Wäre der Verlust denn wirklich so groß?“, warf Stadtbaumeister Sebastian Dietrich ein. Immerhin gebe es auch viele Bürger, die optisch mit Steg und Insel nicht einverstanden waren.

Ein Beschluss fiel bei der Sondersitzung nicht. Er soll nun in der Stadtratssitzung am kommenden Dienstag, 28. Juni, erfolgen. Diese findet ab 19 Uhr im Jakob-Pfeiffer-Haus statt.

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