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Peiting tritt der Musikschule Pfaffenwinkel bei

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Von: Johannes Jais

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Eine Gruppe der Peitinger Musiklehrer: Sie sind von der Entscheidung, der Musikschule Pfaffenwinkel beizutreten, direkt betroffen.
Eine Gruppe der Peitinger Musiklehrer: Sie sind von der Entscheidung, der Musikschule Pfaffenwinkel beizutreten, direkt betroffen. © FKN

Peiting/Schongau – Offiziell ist vom „Abschluss einer Zweckvereinbarung“ die Rede; doch einfach lässt es sich so sagen: Peiting tritt der Musikschule Pfaffenwinkel bei, die ihren Sitz in Schongau hat. Mit 17 zu sieben Stimmen hat sich im Marktgemeinderat ein deutliches Votum ergeben.

An der Musikschule Pfaffenwinkel, die seit 2003 nicht mehr als städtische Einrichtung, sondern als Verein geführt wird, werden mehr als 600 Kinder und Jugendliche unterrichtet. Sie kommen aus dem gesamten Schongauer Land. Mitglieder sind u.a. die Stadt Schongau und die Gemeinde Steingaden, wo kein Auswärtigen-Zuschlag berechnet wird, wie dies bisher in Peiting für die 39 Mädchen und Buben der Fall ist, die an der Musikschule ein Instrument erlernen.

In der Marktgemeinde gibt es den Verbund der Peitinger Musiklehrer. Sie kümmern sich um die gesangliche bzw. instrumentale Ausbildung von derzeit 150 Kindern und Jugendlichen. Seit 2004 gibt es den Förderverein „Musik in Peiting“, bei dem sich in den vergangenen sechs Jahren Andreas Fuchs als Koordinator um die Organisation kümmerte.

Dieser Verein ist zuletzt vom Markt Peiting mit 29.000 Euro im Jahr bezuschusst worden. Damit sollte organisatorischer Aufwand und Engagement in Ensembles abgedeckt werden. Doch mit dem Beitritt zur Musikschule Pfaffenwinkel fällt die finanzielle Unterstützung an den Verein „Musik in Peiting“ weg. Sie wird heuer ein letztes Mal gezahlt und ab 2022 eingestellt.

Andererseits wird der Musikschule Pfaffenwinkel schon fürs neue Schuljahr ein einmaliger Zuschuss gewährt – es sind 25.000 Euro. Ab dem nächsten Jahr sind es 50.000 Euro. Dieser Betrag wird zunächst auf die Dauer von fünf Jahren und immer auf das Schuljahr bezogen ausbezahlt.

Räume für Unterricht

Zur künftigen Zusammenarbeit gehört auch, dass der Markt Peiting Räume ohne Entgelt zur Verfügung stellt, die für Unterrichts- oder Konzertzwecke benötigt werden, falls diese verfügbar und nicht anderweitig belegt sind. Damit sind Schulen, Kindergärten und evtl. eine Nutzung der Schloßberghalle gemeint. Instrumente, die im Eigentum des Marktes sind, werden ab dem Schuljahr 2022/2023 der Musikschule Pfaffenwinkel zur Nutzung überlassen.

Für die Peitinger Musiklehrer bedeutet der Schritt einen deutlichen Einschnitt. Offen ist, wie viele auf eigene Initiative vor Ort weitermachen und wer sich verändert. Es gibt freilich auch Lehrkräfte, die bisher schon an der Musikschule Schongau unterrichten und zusätzlich im Verbund der Peitinger Musiklehrer tätig gewesen sind.

Im zurückliegenden Schuljahr sind es ungefähr 150 Musikschüler in Peiting gewesen. Die Zahl war vor Corona schon mal deutlich höher und ist auch durch die Einschränkungen der Pandemie zurückgegangen. Etliche Schüler haben sich ebenso wie der eine oder andere Lehrer umorientiert. Außerdem heißt es, dass mindestens drei in Peiting tätige Musiklehrer, darunter die Klavierlehrerin und die Kraft für die Früherziehung, aufhören werden.

Marktkämmerer Christian Hollrieder berichtete von mehreren Gesprächen, die in den zurückliegenden Wochen stattfanden. Er listete die Vorteile einer Zusammenarbeit mit der Musikschule auf: Es gebe feste Bürozeiten und Ansprechpartner. Ausgebildete Musiklehrer würden ein breiter gefächertes Angebot bieten. Die Knappschafts- und Trachtenkapelle begrüße den Zusammenschluss.

Des Weiteren schilderte Hollrieder im Gemeinderat, dass Peiting auf die vorhandene organisatorische und fachlich etablierte Struktur der Musikschule zurückgreifen könne. Von der Früherziehung über Schnupperstunden bis zur Vorstellung in Schulen betreibe die Musikschule Nachwuchsförderung. Außerdem würden sich bei insgesamt höheren Schülerzahlen mehr Möglichkeiten eröffnen, in Ensembles zusammenzuspielen.

Weitere Argumente, die Hollrieder nannte: die regelmäßige Fortbildung der Lehrkräfte, die Zusammenarbeit der Musikschule mit Blaskapellen und andere Formen der Vernetzung. Zudem käme der staatliche Zuschuss an die Musikschule Pfaffenwinkel (zuletzt bis 60.000 Euro im Jahr) damit zu einem gewissen Teil auch der Ausbildung in Peiting zugute.

Was der Kämmerer noch erwähnte: dass der Musikunterricht künftig auch in Peiting abgehalten wird und dass die Musikschule zugesichert habe, Vorspiele, Konzerte und andere Veranstaltungen in Peiting anzubieten.

Eding sieht Konflikt

In der Diskussion hielt sich Bürgermeister Peter Ostenrieder, treibende Kraft des Zusammenschlusses, sehr zurück. Es gab Befürworter und Kritiker. Zu denen gehörte Tobias Eding (SPD). Für die Eltern würden die Unterrichtskosten pro Monat wohl steigen. Man zerstöre in Peiting ein Projekt und es werde zu einem Konflikt kommen, sagte Eding, der ein Lob auf die Musiklehrer und auf Koordinator Andreas Fuchs aussprach.

Christian Lory (Unabhängige) erklärte, der Markt Peiting nehme ab 2022 dafür mehr Geld in die Hand, aber das bedeute nicht unbedingt mehr Qualität als bisher. Fraktionskollege Alfred Jocher hätte sich gewünscht, „dass wir die Eltern mitnehmen“.

Andreas Barnsteiner (Bürgervereinigung) betonte: „Wir brauchen eine musikalische Entscheidung und keine politische“. Er war dafür, den neuen Weg zu probieren. Marion Gillinger (ÖDP) befand: „Es überwiegen die Vorteile für einen Zusammenschluss.“ Michael Deibler (CSU) meinte: Wenn schon die Knappschaftskapelle dafür sei, dann sehe auch er das positiv.

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