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Peitinger Etat 2022 mit Rekordvolumen

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Von: Johannes Jais

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Hollrieder Kämmerer Peiting
In der Dezember-Sitzung: Kämmerer Christian Hollrieder, der nach 32 Jahren das Peitinger Rathaus verlässt. Marktkämmerer war er von 2007 bis 2021. © Jais

Peiting – Ein Rekordvolumen hat der Haushalt 2022, den die Peitinger Marktgemeinderäte Mitte Dezember einmütig gebilligt haben. Es sind in den Einnahmen und Ausgaben 45,5 Millionen Euro. Innerhalb von vier Jahren werden 36 Millionen Euro investiert.

Das Finanzpaket für 2022 ist der letzte Haushalt, den Kämmerer Christian Hollrieder vor seinem beruflichen Wechsel von Peiting nach Bad Kohlgrub ausgearbeitet hat. Die wesentlichen Eckdaten erläuterte er auf der letzten Gemeinderatssitzung dieses Jahres.

Ein großer Posten der laufenden Ausgaben ist für das Personal bestimmt: 7,4 Millionen Euro. Beim Markt Peiting sind es zirka 100 Beschäftigte. Inzwischen sind die meisten davon im sozialen Bereich in Kindertagesstätten und Schulen angestellt – noch mehr als es Leute in der Kernverwaltung im Rathaus bzw. Arbeiter im Bauhof sind.

Eine wichtige Einnahmequelle ist der Anteil an der Einkommenssteuer. Da rechnet der Kämmerer für 2022 mit knapp sieben Millionen Euro. Nach oben geht es mit der Gewerbesteuer; nach einer Delle im ersten Coronajahr 2020, die zu einem beachtlichen Teil vom Staat ausgeglichen wurde, sprudelt es wieder. Aktuell geht Hollrieder von 8,2 Millionen Euro an Gewerbesteuer für heuer aus; im Etat für 2022 rechnet er vorsichtig mit 7,5 Millionen Euro.

Die Haushaltssatzung mit 28,6 Millionen Euro im laufenden Betrieb und 16,9 Millionen Euro im Vermögenshaushalt wurde einstimmig verabschiedet. Sie sieht auch Kredite in Höhe von 1,1 Millionen Euro vor. Es gebe aber berechtigte Aussicht, dass dieses Darlehen bis Ende 2022 nicht in Anspruch genommen werden müsse, fügte der Kämmerer hinzu.

Ende 2021 steht die Marktgemeinde mit 761.000 Euro in der Kreide. Pro Kopf sind das 66 Euro. Zum Vergleich: Der Landesdurchschnitt aller Städte und Gemeinden zwischen 10.000 und 20.000 Einwohnen liegt bei knapp 700 Euro.

Aus dem Sparstrumpf wird freilich ein großer Betrag entnommen. Hatte der Markt Peiting 2021 noch 3,45 Millionen Euro auf der hohen Kante, so sind es nächstes Jahr noch 258.000 Euro. 2023 soll der Betrag wieder leicht ansteigen; 2024 soll bei den Rücklagen die Summe von 1,9 Millionen Euro erreicht werden.

2,7 Millionen Euro investiert der Markt Peiting im nächsten Jahr allein in den Einbau nachhaltiger Lüftungsanlagen in allen Kindergärten und in den drei Schulen. Die Maßnahme wird zu 80 Prozent vom Staat gefördert. Für den Kindergarten an der Jägerstraße stehen 2022 Ausgaben von zirka 3,5 Millionen Euro an, im Jahr darauf werden es 1,5 Millionen Euro sein. Auch dazu gibt es vom Freistaat eine finanzielle Förderung.

Voran gehen soll es mit dem Neubau des Jugendzentrums an der Lorystraße. Nächstes Jahr sind zumindest mal 150.000 Euro für Planungskosten berücksichtigt. Zirka eine Million wird das Juze-Gebäude kosten, das 2023 realisiert werden soll.

Bei der Sanierung des Eisstadions greift 2022 der erste Bauabschnitt; es handelt sich dabei um das Dach (1,5 Millionen Euro). 2023 folgt die Eisfläche. Von der Kälte in die Wärme: Im Wellenfreibad wird für 420.000 Euro eine Luftwärmepumpe eingebaut.

Weitere Investitionen, die der Kämmerer auflistete, sind drei Fahrgestelle für Fahrzeuge der Peitinger Feuerwehr (138.000 Euro) sowie Fahrgestell und Aufbau für ein Tragkraftspritzenfahrzeug der Birkländer Wehr (210.000 Euro). Bei der Wasserversorgung soll es endlich zu dem Notverbund zwischen Schongau und Peiting kommen (gut eine halbe Million Euro).

Für den Erwerb diverser Wohnbaugrundstücke werden 565.000 Euro in den Haushalt aufgenommen. Und für die Erschließung östlich der Bachfeldstraße sind mitsamt Wasserleitungen und Kanalrohren 630.000 Euro erforderlich. Noch etwas mehr kostet der Weg ins Weinland: nämlich 685.000 Euro.

»Werte schaffen«

„Durch unser Handeln schaffen wir Werte“, kommentierte Michael Deibler, Sprecher der CSU-Fraktion. Christian Lory (Unabhängige) gab zu bedenken, dass bestimmte große Investitionen wie zum Beispiel in Kindergärten und ins Eisstadion weitere Personalkosten nach sich zögen – bis hin zum Hausmeister. Dazu rechnete Bürgermeister Peter Ostenrieder vor, dass in Peiting je Bürger 70 Euro weniger als im Durchschnitt vergleichbarer Gemeinden für die Personalkosten der Kommune aufgewendet werde.

Thomas Elste (Grüne) wünschte sich mehr Investitionen im Klimaschutz. Er bedauerte, dass erst 2025 ein Betrag von 100.000 Euro für Photovoltaikmodule auf dem Dach des Eisstadions vorgesehen sei. Die Eishalle sei ein großer Energieverbraucher, darum sollte man dort für PV schon bis zu einer halben Million Euro vorsehen. Dem hielt Bürgermeister Ostenrieder entgegen, dass man froh sein müsse, wenn das Dach ohne eine neue Statik saniert werden könne. Nur für eine große PV-Anlage könne man keine komplett neue Dachkonstruktion draufsetzen.

Franz Seidel (Bürgervereinigung) wertete den Rekordetat mit 45 Millionen Euro als Beleg dafür, „dass sehr viel passiert“. Herbert Salzmann (SPD) erwähnte noch, dass der Markt Peiting drei Millionen Euro für den Breitbandausbau beisteuere, was fürs Arbeiten im Homeoffice wichtig sei.

Von mehreren Räten wurden auch die Stichwörter Hochwasserschutz, Entwicklung des Geländes am Ostbahnhof, der Bau einer Peitnachbrücke im Süden der Ortschaft, Büros im Rathaus-Kindergarten und der Platzbedarf für den Bauhof angesprochen. Das sind dann Themen für die mittelfristige Finanzplanung. Diese wurde bei drei Gegenstimmen so verabschiedet.

Abschied vom Kämmerer

In der Schlusssitzung haben die Marktgemeinderäte die Arbeit von Marktkämmerer Christian Hollrieder gewürdigt. Er übernimmt im Januar 2022 als Geschäftsleiter im Rathaus Bad Kohlgrub eine neue berufliche Aufgabe. Es gelte, einen Kämmerer zu verabschieden, „wie man sich als Bürgermeister keinen besseren wünschen kann“, sagte Peter Ostenrieder.

Hollrieder habe „mit Kompetenz“ überzeugt und „Komplexes so runtergebrochen, dass es jeder kapiert“, beschrieb der Bürgermeister seine Eindrücke. Hollrieder war 32 Jahre bei der Marktgemeinde. Seit 2007 war er Marktkämmerer.

„Wir bedauern deinen Weggang sehr“, meinte Michael Deibler (CSU). Thomas Elste (Grüne) konstatierte, Hollrieder habe seine vielen Fragen „geduldig beantwortet“. Herbert Salzmann (SPD) resümierte: „Du hast dich für den Ort eingesetzt – nicht nur als Kämmerer“. Marion Gillinger (ÖDP) sagte ein Wort des Dankes für die „detaillierten Ausführungen im Gremium“.

Franz Seidel von der Bürgervereinigung erwähnte die Aufwärtsentwicklung. Von 2014 bis 2021 habe der Haushalt in nur sieben Jahren im Volumen eine Verdoppelung erreicht. Und dennoch seien Schulden abgebaut worden. Das spreche für die gute Arbeit des Kämmerers.

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