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Peiting: 44 Wohnungen am Ortseingang

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Von: Johannes Jais

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Eine Visualisierung zu der am Ortseingang Richtung Schongau geplanten Wohnanlage. Prägend ist die gestaffelte Bauweise.
Eine Visualisierung zu der am Ortseingang Richtung Schongau geplanten Wohnanlage. Prägend ist die gestaffelte Bauweise. © Büro Hörner

Peiting – Nach dem Projekt mit 72 Wohneinheiten in der Anlage an der Bahnhofstraße steht in Peiting das zweitgrößte Vorhaben an. Am Ortsausgang Richtung Schongau sollen auf einem 4.000 Quadratmeter großen Grundstück 44 Wohnungen errichtet werden. Eine Mehrheit im Gemeinderat sprach sich am Dienstag vergangener Woche für dieses Projekt aus. 

In der Diskussion kamen Für und Wider deutlich zur Sprache. Vor allem Marktbaumeister Fabian Kreitl fand mahnende Worte. Von so einem massiven Baukörper am Ortseingang aus Richtung Schongau würde man optisch regelrecht „erschlagen“.

Städtebaulich sei dort eine dreigeschossige Bebauung zu vertreten, allenfalls noch mit einem zurückgesetzten vierten Stockwerk, so Kreitl. Doch die fünfgeschossige Planung mit der Penthouse-Wohnung oben sei zu viel.

Der Marktbaumeister monierte auch, dass nur 70 Stellplätze für Autos nachgewiesen werden können, obwohl der Schlüssel 88 verlange (zwei Stellflächen je Wohnung). Als Beispiel für gelungene Nachverdichtung verwies Kreitl auf den Gebäudekomplex mit Gewerbeflächen und Wohnungen, der auf der freien Wiese beim Kreisel nahe der Raiffeisenbank entstehen soll.

Am Ortseingang sei diese Wohnanlage mit 44 Einheiten jedoch überdimensioniert, fuhr Kreitl fort. Kaum ein Ort der Größe Peitings biete so einen ländlichen Charakter. Außerdem würde das Projekt nicht zum Schloßberg mit seinen freien Wiesen und Wäldern passen. Kreitl: „Die gesamte Bauverwaltung rät von diesem Bauvorhaben an dieser Stelle ab“.

Die Abstimmung

Doch die Mehrheit im Gemeinderat war da anderer Ansicht. Mit 18 zu fünf Stimmen gab es letztlich eine deutliche Mehrheit für das Vorhaben der Firma Haseitl Bau. Diese erwirbt das Grundstück von einem privaten Eigentümer.

Was sich dort erheblich auf die wirtschaftliche Kalkulation auswirkt, ist die Tatsache, dass es noch Altlasten auf dieser Wiese östlich der Schongauer Straße gibt. Die Kontamination ist auf einen Straßenbau zurückzuführen, bei dem vor einigen Jahrzehnten teerhaltiges Material abgelagert und vergraben wurde.

Die Kosten für die Entsorgung beziffert Geschäftsführer Peter Schrehardt von der Firma Haseitl Bau auf zwei Millionen Euro. Haseitl war als Investor auf den Markt Peiting zugekommen, informierte Bürgermeister Peter Ostenrieder. Der Bauherr müsse sämtliche Kosten übernehmen. Das betrifft auch die Aufstellung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplanes, um dort den Neubau mit den Mehrfamilienhäusern realisieren zu können.

Schrehardt verwies auf die „abgestaffelte Bauweise“. Gegenüber der ersten Vorstellung hinter verschlossenen Türen, als vor allem die kühlen Fassaden moniert worden seien, setze man jetzt auf mehr Holzverkleidung; auch das Balkongeländer sei verändert worden.

Die Tiefgarage

Maximilian Zichner vom Architekturbüro Hörner schilderte, man werde von Norden her dreigeschossig ansetzen. Von allen Baukörpern habe man einen Blick in den Innenhof. Die Tiefgarage mit 58 Stellplätzen erhalte die Ausfahrt zur Drosselstraße hin.

Haseitl-Geschäftsführer Schrehardt ergänzte, ein zweites Untergeschoss für die Tiefgarage sei mit Blick auf die Mehrkosten nicht zu realisieren. Nicht jede Wohnung, die zwischen zwei und fünf Zimmern hat, brauche auch zwei Stellflächen. Peiting habe man schließlich zwei Bahnhalte und eine gute Busverbindung. Er rechne mit einer „sehr guten Nachfrage“ – auch solcher Nutzer, die das Einfamilienhaus aufgeben und eine komfortable Wohnung bevorzugen.

Entweder komme es zu der „speziellen Bebauung“ oder zu gar keiner, zeigte Norbert Merk (CSU) die Alternativen auf. Er sprach von einem „qualitativ hochwertigen Wohnraum.“ Wer so den dörflichen Charakter betone, hätte vor 40 Jahren die Raiffeisenbank und das AWO-Seniorenzentrum in Peiting auch nicht bauen dürfen.

Franz Seidel (Bürgervereinigung) räumte ein: „Es schaut a bissle gewöhnungsbedürftig aus.“ Aber die politisch Handelnden müssten auch der Nachfrage nach Wohnungen gerecht werden. Michael Deibler (CSU) freute sich über den Entwurf: „Es ist ganz was Besonderes. Es wird ortsprägend sein.“

Herbert Salzmann, der dieses Quartier auch geeignet für den Einsatz von Lastenfahrrädern sah, plädierte dafür, dass man sich mal was „trauen“ dürfe. Thomas Elste (Grüne) brachte auch das Stichwort Carsharing ins Spiel.

Die kritischen Töne

„Jeder Quadratzentimeter weard ausgnutzt“, formulierte Andreas Barnsteiner (BV) seine Kritik an der dichten Bebauung. Er störte sich am Flachdach und mahnte an, auf das Dorfbild Rücksicht zu nehmen. Marion Gillinger (ÖDP) befand, der Entwurf sei besser als der erste Plan; dennoch käme ihr das zu wuchtig vor.

Mit dem Satz „Für mich ist die Marktgemeinde immer noch ein Markt und keine Stadt“ mischte sich Claudia Steindorf (SPD) in die Debatte ein. Fünf Geschosse seien massiv, auch wenn sie oben zurückgesetzt seien. Auch Christian Lory (Unabhängige) fand den Bau am Ortseingang „zu hoch“. Er äußerte auch Bedenken, dass dies Signalwirkung an weitere Bauträger haben könne.

Trotz den Einwänden: Am Schluss gab es mit 18 zu fünf eine klare Entscheidung. Bürgermeister Ostenrieder verabschiedete Schrehardt (Haseitl Bau) und die Planer mit den Worten „Wir machen uns gemeinsam auf die Reise.“

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