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Photovoltaik-Freiflächenanlage auf Nordseite des Auerbergs

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Von: Oliver Sommer

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Auerberg Osterberg Nordseite
Auf der Nordseite des Auerbergs liegt der Ortsteil Osterberg. Auf der Fläche links (Westen) hinter dem Baum soll die neue Freiflächen-Photovoltaik-Anlage entstehen. © Sommer

Bernbeuren – Bernbeuren geht unter die Stromproduzenten. In der jüngsten Sitzung gaben die Gemeinderäte ihr Ok für die Änderung des Flächennutzungsplans und machten den Weg frei für eine Photovoltaik-Freiflächenanlage auf der Nordseite des Auberbergs im Bereich Osterberg.

Seit einem guten Vierteljahr wissen die Bernbeurer Gemeinderäte bereits von den Absichten Bichlers, eine Sonnenenergiekollektorfarm am Auerberg bauen zu wollen. Mitte November, so Bürgermeister Karl Schleich, hatte Bichler, der die Energiebauern Anfang der 2000er Jahre gegründet hatte, seine Pläne den Gemeinderäten bereits vorgestellt. Nun ging es darum, die Öffentlichkeit zu unterrichten und das Bauleitverfahren in Gang zu bringen, den Flächennutzungsplan zu ändern und einen vorhabensbezogenen Bebauungsplan aufzustellen.

Schon seit den 1970er Jahren, erzählte Bichler, befasse er sich mit dem Thema Energie. Die Energiebauern, die Bichler vor 15 Jahren gründete und deren Geschäftsführer er ist, sind ein mittelgroßer Betrieb mit rund 70 Mitarbeitern. Pro Jahr „baue man rund 200 Megawatt“ neu, das entspricht in etwa 200 Hektar PV-Anlagen; derzeit sind 40 Projekte deutschlandweit in der Planung. Eine der jüngeren Anlagen, die Bichler mit seinem Team realisiert hat, befindet sich quasi in direkter Nachbarschaft. Im Sachsenrieder Forst, an der Straße von Schwabsoien nach Kaufbeuren, wurde vor drei Jahren eine ebenso große Anlage gebaut, wie sie nun am Auerberg entstehen soll. Auch im Sachsenrieder Forst, so Bichler, habe man eine vergleichbare Stelle gefunden, die nicht unbedingt von außen einsehbar ist und wo die „Spiegel“ der Sonnenkollektoren nicht stören.

Photovoltaik am Auerberg: Geld bleibt am Ort

Die Anlage werde schlüsselfertig aufgebaut, erläuterte Bichler weiter das Vorgehen seiner Firma, die mittlerweile in zweiter Generation von seinen Söhnen geleitet wird. Und man garantiere, so der Seniorchef, dass die Gewerbesteuer in der Gemeinde bleibe. Außerdem zahlt die Firma rund 2.000 Euro aus dem Stromverkauf pro Jahr an die Gemeinde. Wichtiger aber noch als der Stromverkauf, so stellte es Bichler dar, ist die (unabhängige) Stromproduktion in Deutschland.

Er müsse, gestand er, wohl seinen Vortrag ändern nach den Ereignissen im Osten Anfang der Woche. Deutschland habe sich in der Energieversorgung abhängig gemacht von russischem Gas und die Preise für Energie würden wohl steigen, ist sich Bichler sicher.

Denn während andere europäische Staaten das amerikanische LNG (Liquefied Natural Gas) oder beispielsweise aus Norwegen importieren, wird weiterhin russisches Gas durch die alten Pipelines via Ukraine und Weißrussland nach Deutschland importiert werden müssen, will man einem verlässliche Stromproduktion nach der Abschaltung der Kohle- und Kernkraftwerke garantieren.

Nun habe man eine neue Situation, sagte Bichler, nachdem die Bundesregierung beschlossen hat, als Sanktion gegen Russland die Ostsee-Gaspipeline Nord Stream 2 ins vorpommersche Lubmin die Betriebserlaubnis zu versagen. Man werde nun massive Preissteigerungen beim Gas erleben und habe eigentlich nur Glück gehabt, dass der vergangene Winter so mild gewesen sei, so Bichler.

Bichler ging auch auf die Änderung der Förderung ein bzw. auf die neuen Möglichkeiten, große Freiflächenanlagen bauen zu dürfen. Diese waren bis vor einigen Jahren auf landwirtschaftlichen Flächen erlaubt, dann wurde dies auf sogenannten Konversionsflächen, alte Deponien oder Tagebaue und entlang von Bahn- und Autobahntrassen verlegt.

Senkrecht angebracht

Die neuesten Formen der PV-Anlagen werden senkrecht angebracht, erbringen mithin weniger Leistung, dafür können große Fahrzeuge, etwa Ackerschlepper durch die Anlagen fahren. Somit herrsche derzeit so etwas wie Goldgräberstimmung, meinte Bichler, sind doch so kostengünstige Energieerzeugungsanlagen möglich, die, wenn die Sonne scheint, Strom für fünf Cent je Kilowattstunde produzieren können. Allerdings droht der Branche aufgrund der explodierenden Rohstoffpreise wieder die Verteuerung.

Insgesamt aber stellen die Freiflächenanlagen, wie sie die Energiebauern aufbauen, eine Bereicherung dar. Nicht nur, dass die Fläche kaum versiegelt wird, man kann Hecken und niedere Gehölze als Sichtschutz pflanzen, sogar kleine Vernässungsflächen und Teiche sind möglich, die für Insekten und Amphibien Lebensraum und Schutz bieten. Weiterhin können etwa Schafe auf dem eingezäunten Grundstück zwischen den Solarpanelen grasen. Im besten Fall, das ergab eine Nachfrage aus dem Gremium, braucht es auch keine Ausgleichsfläche, können die Energiebauern doch das Areal ökologisch so aufwerten, dass die Ausgleichsflächen auf dem Grundstück selbst nachgewiesen werden können. So sind etwa artenreiche Blühwiesen möglich. Und, ergänzte der Chef, mit Hilfe von Batteriecontainern, die man auf dem Grundstück positionieren kann, ist auch eine Speicherung des produzierten Stroms möglich, etwa die Hälfte der täglichen Produktion kann so zurückgehalten werden.

Das kann ein schönes Projekt werden, resümierte Bichler am Ende seiner Vorstellung das Projekt Freiflächenanlage Osterberg. Das sahen die Gemeinderäte ähnlich, die einstimmig den vorhabensbezogenen Bebauungsplan beschlossen. Die nötige Änderung des Flächennutzungsplans für die Sonderfläche Photovoltaik passierte ebenso einstimmig das Gremium.

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