Schwan Schongau
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Franziska Böttger und Felix Horner bugsierten den Schwan zunächst von der Straße in eine Garageneinfahrt.

Polizei und Tierrettung im Einsatz: 

Schwanen-Notlandung im dichten Nebel

  • VonHans-Helmut Herold
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Schongau – Maria Doll hat in den frühen Morgenstunden schon viel erlebt. Sehr viel, sie könnte schon fast ein Buch über ihre Erlebnisse verfassen. Denn die rüstige Seniorin ist dann schon auf den Beinen, wenn andere noch in ihrem Bett fest schlafen. Maria Doll ist Zeitungsausträgerin, und das seit vielen Jahren. Egal ob Sonnenschein, Schneefall, Regen, oder Nebel, sie trägt zuverlässig die Zeitung zu ihren Kunden.

So ein Nebeltag war auch am zweiten Tag im September, dem vergangenen Donnerstag. Sehr dichter Nebel, man konnte in den frühen Morgenstunden nur wenige Meter sehen. Selbst in ihrem kleinen Vorgarten am Haus lag der Nebel auf Blumen und Rasen. Doch beim Betreten des Gartens glaubte Maria Doll ihren Augen nicht zu trauen. Da stand doch glatt ein großer ausgewachsener Schwan vor ihr. „Was tun, sprach Zeus?“, ihr erster Gedanke, als sich der Schreck des Morgens etwas gelegt hat. „Der Nachbar Wolfgang Kleinecke (81) muss ran“, so ihr Entschluss. Der hat Ahnung, der kommt aus dem hohen Norden und hat schon viel über Möwen und all das andere Fluggetier erzählt.

Eigentlich ist Kleinecke nie um eine Antwort verlegen. Aber hier verschlägt es ihm auch im ersten Moment die Sprache. Doch dann kombiniert er. Aus Erfahrung weiß Kleinecke, dass sich Schwäne im dichten Nebel verfliegen können. Und so ein Fall ist hier eingetreten. Die beiden Senioren beschließen, den „Freund und Helfer“ zu informieren.

Zwei Männer in blauer Uniform sind sofort zur Stelle. Nur, so ein Fall ist für sie auch nicht gerade alltägliches Geschäft. Also informieren Michael Lossek und Felix Horner den Tiernotfall Rettungsdienst Oberland. Dieser schickt Franziska Böttger Richtung Einsatzstelle. Denn die hat sich verlagert. Das Tier konnte ausbüxen und über die Augsburger Straße in Richtung Barrenfeldstraße flüchten. Immer zum Angriff bereit. Doch an einer Garageneinfaht war dann Schluss mit lustig. Während Tierretterin Böttger und Polizist Horner mit Kescher den erregten Schwan von der Straße in die Einfahrt bugsieren, bereitet Kollege Lossek den großen Transportkäfig vor. Mit gezieltem Griff kann Böttger den Schwan am Boden fixieren, Horner beruhigt ihn mit kleinen sanften Streicheleinheiten. Der Rest flutscht ratz-fatz. Klappe auf, ein Griff zum Hals des Tieres und ein leichtes Einschieben des Körpers in die Kiste. Das war‘s.

Zumindest für die beiden Polizisten. Franziska Böttger wird das Tier zu einer genauen Untersuchung zu einer Spezialistin bringen. In der Hoffnung, dass der Schwan bald wieder seine Flugrunden drehen kann.

Quelle: Kreisbote

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