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Vom Fichten- zum Mischwald im Peitinger Gemeindewald

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Von: Johannes Jais

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Gemeindewald Peiting Remböck Kainz
Erklärungen zu den Maßnahmen im Gemeindewald: Förster Christoph Remböck (links) und Forstdirektor Martin Kainz. © Jais

Peiting – Auf drei Teilflächen des 40 Hektar umfassenden Peitinger Gemeindewaldes werden größere Einschläge bei Fichtenbeständen vorgenommen. Ziel ist dabei ein sukzessiver Umbau der Bestände „in stabile naturnahe Mischwälder mit Fichtenanteil“, so Forstdirektor Martin Kainz.

Der Gemeindewald in Peiting ist auf zwanzig Teilflächen verteilt. Im Vergleich zum 7.500 Hektar großen gesamten Gemeindegebiet (flächengrößte Kommune im Landkreis) macht er nur gut ein halbes Prozent aus – ganz anders als beim flächenmäßig kleineren Nachbarn Schongau, wo sich Stadtförster Klaus Thien um 650 Hektar Stadt- und Spitalwald kümmert. Freilich gibt es in Peiting und Birkland viele kleine Waldbesitzer sowie große Forstflächen, die dem Staat gehören.

Die Bewirtschaftung des Peitinger Gemeindewaldes ist dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten übertragen. Auf der Sitzung im Dezember informierten der langjährige Chef des Bereichs Forsten, Martin ­Kainz, und der für Schongau-West und Schongau-Ost zuständige Förster Christoph Remböck über Maßnahmen im Gemeindewald Peiting.

Der Anteil der Fichte macht laut Kainz im Peitinger Gemeindewald 81 Prozent aus. Knapp die Hälfte davon steht seit 70 Jahren; ein großer Anteil davon ist schon über 100 Jahre alt. Der Zuwachs beträgt zurzeit elf Festmeter pro Hektar und Jahr; die geplante Nutzung liegt hingegen bei 7,4 Festmeter.

Insbesondere der Sturm aus dem Jahr 2015 habe den Gemeindewald „stark gebeutelt“, erklärte der Forstdirektor. Die Spuren des Klimawandels seien deutlich. So gebe es eine 1,6 Hektar große Kahlfläche, die auf den Borkenkäfer zurückzuführen sei. Ein erhöhter Einschlag sei gerade bei den aktuell guten Holzpreisen sinnvoll.

Laut Kainz und Remböck wird der Fokus auf eine „klimagerechte Bestandsverjüngung“ gesetzt. Innerhalb der nächsten zwei Jahre soll in drei Teilbereichen angesetzt werden. Das sind eine 5,8 Hektar große Fläche südlich von Kreut, eine nahezu gleich große Fläche in den Bergwiesen (südlich von Langenried und östlich der B17 Richtung Steingaden) sowie ein acht Hektar großer Bereich in Gschwendt; das liegt im Filz unterhalb des Bühlach-Wind­rades und bereits östlich der Umgehungsstraße.

Südlich von Kreut und nahe bei Niederwies soll die Holzernte (200 Festmeter) „vollmechanisiert“ durch einen Unternehmer erfolgen, zumal die Flächen teilweise am Hang liegen und es sich um Feuchtwiesen handelt. Das Käferloch soll mit Eichen und durch das Pflanzen von Tannen durch eine Baumschule beseitigt werden.

Arbeit für Bauhof

In Bergwiesen ist ein Einschlag von 350 Festmetern vorgesehen. Die Arbeiten haben bereits im November begonnen. Dort sind Männer vom gemeindlichen Bauhof zu Gange. Die Waldarbeit sei gut geeignet, Arbeitszeiten im Winter aufzufüllen, schilderte Tim Osterhaus, der Leiter des Bauhofs.

Denn es gäbe oft Tage mit wenigen Stunden Winterdienst. Danach habe man noch „Kapazitäten“ für die Tätigkeit im Wald, ergänzte der Chef des Bauhofs, wo 24 Arbeiter beschäftigt sind. Zum Teil werde das geschlagene Holz selbst genutzt; das Geländer bei der Plattform am Gumpen sei dafür ein Beispiel. Außerdem verwerte man 800 bis 1.000 Festmeter von Kronen oder Käferholz als Material für die gemeindliche Hackschnitzel-Heizung bei der Lentner-Schule.

In Gschwendt im östlichen Gemeindegebiet sollen ebenfalls Mitarbeiter des Bauhofs die Durchforstung übernehmen. Dort gibt es einen alten, starken Fichtenbestand. Bis zu 450 Festmeter, was 15 Prozent des Vorrats entspricht, sollen entnommen werden. In allen drei Bereichen der Aufforstung werden zusammengerechnet 2.300 Eichen, 2.000 Buchen, 1.000 Tannen und 1.000 sonstige Laubholzarten wie Kirsche, Ahorn und Linde gesetzt.

Durch den Holzverkauf mit dem Material von den drei Standorten sollen 53.000 Euro an Einnahmen generiert werden, so eine Schätzung der Forstexperten. Für die Aufforstung sind zirka 23.000 Euro aufzuwenden, wobei über ein Waldförderprogramm knapp 20.000 Euro an Zuschüssen zu erwarten sind.

Kritik am schweren Gerät

Da schlugen zwei Gemeinderäte in die gleiche Kerbe: Sowohl Josef Sellmaier (Bürgervereinigung) als auch Stefanie Wörnzhofer (CSU) bewerteten den geplanten maschinellen Einsatz eines Harvesters kritisch. Die Verpflichtung zur vorbildlichen Waldbewirtschaftung sollte auch bei der Schonung des Bodens im Ernteeinsatz gelten. Schwere Fahrzeuge mit 20 Tonnen seien da nicht förderlich, meinte Sellmaier, der zugleich anregte, dass da „auch im privaten Bereich“ öfters ein Auge darauf geworfen wird.

Eher „geschockt“ reagierte Stefanie Wörnzhofer auf die Ankündigung, mit dem Prozessor in die Waldfläche bei Kreut reinzufahren. Forstdirektor Kainz sagte dazu, ideal sei es, wenn der Borden gefroren sei. Doch ein Prozessor („Harvester“) habe eine geringere Achslast als mancher Schlepper, sei nur in vorher festgelegten Gassen „auf einer Matratze aus Reisig“ im Einsatz.

„Die Zeiten, in denen man mit dem Ross in den Wald naus ist, sind vorbei“, kommentierte Kainz. Schaden am Boden sei weniger auf den Einsatz des Prozessors zurückzuführen, sondern eher auf Schlepper, mit denen die gefällten und geschnittenen Baumstämme vom Wald heraus transportiert werden.

Andreas Schmid (Bürgervereinigung) sprach noch diesen Punkt an. „Die Wege, die zu den Wäldern führen, sind zum Teil eine Katastrophe.“ In Birkland sei das besser mit dem Wegebau. Doch in Peiting wäre es wichtig, im Miteinander von Forstamt, Waldbesitzervereinigung, Waldbauern und Gemeinde „da einen Weg zu finden“.

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