Beeindruckend: Die Kreuzigungsgruppe am Hochaltar der Wies. foto: hg

Kreuzigungsgruppe zur Passionszeit

Wies - Die überlebensgroße Kreuzigungsgruppe der Passionszeit ist sie wieder an ihren ursprünglichen Platz auf dem Hauptaltar der Wies zurückgekehrt.

Frisch restauriert lädt die Kreuzigungsgruppe als Theatrum sacrum bis Karsamstag alle Gläubigen ein, die Erlösung durch Jesus Christus am Kreuz intensiver zu betrachten. Überwältigt von dieser Darstellung zeigten sich unter den zahlreichen Gottesdienstbesuchern am Passionssonntag auch die Mitglieder der katholischen Studentenverbindung Kurpfalz im CV Mannheim. Als geglückt empfanden sie ebenso die zu Herzen gehende musikalische Umrahmung der Messe durch die Huglfinger Sängerinnen und die Rißbichler Saitenmusik.

Traditionen wieder aufleben lassen ist mit ein Anliegen des Wiespfarrers Gottfried Fellner. Dazu gehören nicht nur die alten Wallfahrten, die ihren Ursprung in Vorarlberg, Tirol, im Salzburger Land und in Oberösterreich hatten. Als barocker Seelsorger ließ er nach seinem Amtsantritt den Prälatensaal wieder im alten Glanz erstrahlen mit antiken Möbeln aus dem Besitz seiner Mutter. Auch ein großer Tisch und Stühle, die ihm seine Dillinger zum Abschied schenkten, fand darin Platz.

Beim Entrümpeln des Dachbodens stößt er immer wieder auf längst vergessene Kunstgegenstände, die er - unterstützt von großzügigen Spendern - fachgerecht restaurieren lässt. So erlebte man zum Osterfest 2014 ein „kleines Auferstehungswunder“ mit der aus der Spätgotik stammenden Holzplastik aus der Kaufbeurer Schnitzschule Jörg Lederer. Heuer wurde nun die Kreuzigungsgruppe von ihrem „Dornröschenschlaf“ erweckt. Den vier arg ramponierten bemalten Brett-Figuren (ein drei Meter hoher gekreuzigter Heiland, die Gottesmutter Maria, Lieblingsjünger Johannes (jeweils 2,20 Meter hoch) und Maria Magdalena (kniend) gab Restaurator Manfred Sattler aus Schwangau wieder ihr ursprüngliches Aussehen.

Sattler fertigte ebenso das Kreuz neu an. Das Original ist bisher noch nicht aufgetaucht. „Leider ist über die Kreuzigungsgruppe nichts dokumentiert“, bedauert Professor Hans Pörnbacher, der frühere wissenschaftliche Leiter des Museums in der Wies. Er schätzt, dass die Figuren wohl Ende des 18. oder zu Beginn des 19. Jahrhunderts entstanden sind. Das vermutet auch Restaurator Manfred Sattler, der keine Hinweise auf deren Schöpfer gefunden hat. Fasziniert hat ihn die Kasein-Malerei auf Kreide-Grundierung: „Die Malerei ist gekonnt und diffizil gemacht.“ Auch muss sie schon irgend wann einmal renoviert worden sein. Monsignore Gottfried Fellner stellt die Figurengruppe in die Tradition der Heiligen Gräber. An einer Empore im Hochaltar waren noch die alten Befestigungsvorrichtungen und an den Holzfiguren die „Gegenstücke“ vorhanden.

Das Verhüllen der Altäre in der Fastenzeit geht bis ins 11. Jahrhundert zurück. Neben einfachen Tüchern gab es bereits im Mittelalter solche, auf denen die Szenen des Martyriums Jesu dargestellt wurden, oder sogar - wie in der Wies - bemalte Bretterfiguren. Vor Generationen wurden sie herausgenommen und gerieten in Vergessenheit. Jedenfalls kann sich in Steingaden, so Gerhard Klein und Max Zwißler übereinstimmend, niemand mehr daran erinnern, dass die Kreuzigungsgruppe in der Wieskirche aufgestellt war.

Jetzt hat Gottfried Fellner den Schatz gehoben. Seine Strahlkraft kam schon am Palmsonntag voll zur Geltung, als die Passionsfeier mit Liedern und Weisen des Starnberger Dreigesangs und des Hochberghauser Klarinettenquartetts abgehalten wurde.

Gerhard Heiß

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