aus dem gericht

Küssen verboten: Verwarnung für Somalier

Schongau - „Ich zeige Dir heute die gelbe Karte“, sagte Jugendrichter Michael Eberle. Wegen Beleidigung hatte Weilheims Amtsrichter einem Somalier (20) nach Jugendstrafrecht eine Verwarnung erteilt. Außerdem muss der junge Mann innerhalb von drei Monaten 40 Stunden Sozialdienste ableisten.

Die Verhandlung hatte nicht ganz so gut begonnen: Ein bestellter Dolmetscher war auf Grund einer Autopanne nicht erschienen. Glück im Unglück: Der Richter konnte die Verhandlung dennoch führen, da der Somalier nach vielen absolvierten Deutschkursen die Sprache ganz gut beherrscht.

Seit November 2014 ist er nach langer Flucht in Deutschland. Er absolviert den Integrationskurs, hat einen Niedriglohnjob, spielt gerne Fußball und engagiert sich auch in anderen Vereinen. Was war vorgefallen im November letzten Jahres auf dem Parkplatz eines Supermarktes in Schongau?

Der junge Mann, der in Somalia verheiratet ist, traf eine Schülerin aus dem Ort. Schon einmal hatten sie in einer Gruppe kurz zusammen geredet. „Ich suche Freundschaften“, antwortete der jetzt 20-Jährige auf die Frage des Richters, warum er das Mädchen angesprochen habe und vor allem warum er nach einem kurzen Gespräch die 13-Jährige auf den Hals und auf die Oberlippe geküsst habe.

Das Küssen schilderte der Somalier anders. Er habe ihr nur einen Handkuss gegeben und das sei durchaus üblich in seinem Heimatland. Richter Eberle hatte da seine Zweifel: „Eine junge Frau einfach so küssen? Das geht auch in Deinem Land nicht“, sagte er.

„Eine junge Frau einfach küssen? Das geht auch in deinem Land nicht.“

Das junge Mädchen schilderte den Vorfall genau so, wie sie es auch bei ihrer Anzeige bei der Polizei gemacht habe. Der Somalier habe sie gefragt, wie alt sie sei, ob sie einen Freund hätte. „Und dann fragte er noch, ob er mir Rosen kaufen könnte“, erzählte sie vor Gericht. Das lehnte die Schülerin ab. Genauso wie das Angebot von Kaugummi. Dann habe man sich verabschiedet. „Er umarmte mich kurz und küsste mich dann auf den Hals und auf die Oberlippe.“ Die Schülerin war dadurch völlig überrumpelt. Sie habe die Hand gehoben, „Nein“ gesagt und sei gegangen. Anschließend erstattete sie zusammen mit ihrem Pflegevater Anzeige wegen Beleidigung.

Die Staatsanwältin plädierte auf Freispruch. „Ich sehe hier keine Beleidigung, eher eine Taktlosigkeit“, erklärte sie. Das sah der Richter vollkommen anders. Für ihn war das Alter des Mädchens, das dem jungen Mann bekannt war, entscheidend. „Das war eine Herabwürdigung einer 13-Jährigen“, begründete er sein Urteil. Er stellte auch noch einmal klar, dass er dem Mädchen glauben würde. „Sie hat heute den Vorgang genau so wiederholt, wie sie es auch schon bei der Polizei getan hat“, sagte Eberle und stellte den angeblichen Handkuss in Frage. Und der Richter machte dem jungen Mann in diesem Zusammenhang noch einmal sehr

deutlich: „Küssen geht gar nicht!

Regina Wahl-Geiger

Rubriklistenbild: © dpa

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