Gemeinderat Burggen

Kugelbomben über Gut Dessau?

Burggen - Anlässlich einer Betriebsfeier ist am 16. Juli auf dem Gut Dessau das Abbrennen eines großen Feuerwerks geplant. Die Burggener Gemeinderäte können dieses Vorhaben zwar nicht ablehnen, sie teilen aber die Bedenken der Umweltschützer, die sich mit diesem Feuerzauber eher nicht anfreunden können.

Kugelbomben der Feuerwerksklasse 4, die bei einer maximalen Steighöhe von bis zu 120 Metern eine weitreichende Störwirkung haben, sehen vor allem die Vogelschützer als problematisch an. Denn Gut Dessau liegt in unmittelbarer Nähe zum Naturschutzgebiet „Litzauer Schleife“ und zum Vogelschutzgebiet „Mittleres Lechtal“, dessen Bedeutung als Rückzugsgebiet für Uhus sowie als Lebensraum für rastende Wasservögel unbestritten ist. Verstöße gegen die artenschutzrechtlichen Bestimmungen des Bundesnaturschutzgesetzes seien durch dieses Feuerwerk somit nicht auszuschließen, sondern sogar eher wahrscheinlich, heißt es in einer Stellungnahme von Matthias Hett von der Unteren Naturschutzbehörde des Landratsamtes Weilheim-Schongau.

Hinzu kommt noch: Auch die benachbarten Auwaldreste und Wälder am Lech böten wertvollen Lebensraum, u.a. für Spechte und Kolkraben.

Bodenfeuerwerk?

„Ich sehe daher nur die Möglichkeit, das geplante Feuerwerk konzeptionell auf ein reines Bodenfeuerwerk ohne Knallerei zu reduzieren oder den Abbrennplatz um wenigstens einen Kilometer weiter nach Westen in Richtung Bernbeuren zu verlegen“, heißt es in dem Schreiben von Matthias Hett.

Auch eine zeitliche Verschiebung des Feuerwerks in den August hinein wäre aus Sicht der Naturschützer vorstellbar und würde eine günstigere Beurteilung erlauben.

Fakt ist: Die Grenzen des Naturschutzgebietes „Litzauer Schleife“ liegen nur 350 Meter vom geplanten Abbrennplatz entfernt. Die steilen Lech-Hangwälder in diesem Bereich beidseits des Flusses dienen als Brutplätze von vier Uhu-Paaren und reichen bis 400 Meter an Dessau heran.

Ferner geben die Umweltschützer zu bedenken, dass der geplante Feuerwerks-Termin (16. Juli) sich innerhalb der Brut- und Aufzuchtzeit von vielen Vogelarten befindet. Unter anderem seien die Jungvögel des Uhus kurz vor dem flügge werden. Einige Wasservogelarten, wie z.B. die Schnatterente, befinden sich zu diesem Zeitpunkt in der Mauser, das heißt, sie sind flugunfähig und können daher nicht flüchten.

„So ein Feuerwerk muss nicht sein“, bezog Gemeinderat Hans Baumer eindeutig Stellung. Seine Ratskollegin Gabi Höfler hält ferner den Ort für das Feuerwerk für denkbar schlecht. Ihr Vorschlag: Mit den Verantwortlichen des Feuerwerks verhandeln und ihnen den Slogan „Brot statt Böller“ nahelegen.

Die Empfehlungen des Landesamtes für Umweltschutz, denen sich die Burggener Räte einstimmig anschließen, sind wie folgt:

- Verlegung des Termins um mindestens zwei Wochen nach hinten, also ab Anfang August, um den negativen Einfluss auf die Aufzucht der Jungvögel zu reduzieren.

- Verlegung des Abbrennplatzes um mindestens 500 Meter, noch besser um 1000 Meter, nach Westen in Richtung Bernbeuren, um die Störung von Wasservögeln zu reduzieren.

- Reduzierung der Feuerwerksklasse auf eine mit geringeren Steighöhen, um die optische Störwirkung zu reduzieren.

Michael Gretschmann

Rubriklistenbild: © dpa

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